Reiseziel Atacamawüste Außerirdisch

Flamingos im Salzsee Salar de Atacama. Foto: imago images/DANITA DELIMONT STO

An manche Ecken der Welt verirren sich Urlauber eher selten, dabei wären sie durchaus eine Reise wert. In loser Folge stellen wir solche Orte vor – wie zum Beispiel die Atacama-Wüste. Die karge Landschaft fasziniert mit Salzseen, Vulkanen und Geysiren und bietet außerirdisch gute Ausblicke.

San Pedro de Atacama - – Es kommt darauf an, wohin man will: ans Nordende der Atacama-Wüste im Süden Perus bei der Stadt Tacna oder, 1200 Kilometer weiter südlich, an ihr Südende im Norden Chiles bei Copiapó. Oder irgendwo dazwischen. Die meisten Besucher starten im Oasendorf San Pedro de Atacama, wo zahlreiche Touranbieter warten. Hierher kommt man per Flug via Santiago de Chile nach Calama. Von dort geht es weiter im Mietwagen, mit dem Bus oder per Taxi.

 

Seltsame Typen bevölkern die Wüste

Gestatten: Arackar licanantay, Dino-Teenager aus der Atacama! Die Forscher staunten nicht schlecht, als sie jüngst die 70 Millionen Jahre alten Gebeine – ein Fund aus den 90er Jahren – noch einmal neu zusammenpuzzelten: Der pflanzenfressende Titanosaurier mit schmalem Kopf und langem Schwanz war eine bislang unbekannte Art. Sie tauften sie Arackar, was in der Sprache der Ureinwohner Lickan Antai „Knochen der Atacama“ bedeutet. Für noch mehr Aufregung sorgte das Kinderskelett Ata, das 2003 in Noria gefunden wurde und mit seiner E.T.-Optik jedem Alienfilm Ehre gemacht hätte. Genetiker schließen eine außerirdische Herkunft kategorisch aus, Ufo-Fans zweifeln kräftig weiter.

Das Fenster ins All ist meistens offen

Bewölkung selten, Lichtverschmutzung gering und 150 000 Quadratkilometer Platz – die Atacama ist der Traum jedes Astronomen. Deshalb siedelten sich hier reihenweise Sternwarten an. Die Europäische Südsternwarte guckt vom Cerro Paranal mit ihrem VLT, dem Very Large Telescope, ins All, fotografiert extrasolare Planeten und beweist die Existenz Schwarzer Löcher. Mit ihrem Radioteleskop auf dem 5100 Meter hohen Chajnantor-Plateau entdeckten Forscher einen 1450 Lichtjahre entfernten Flammen-Nebel. Und auf dem Cerro Armazones entsteht aktuell das Extremely Large Telescope ELT mit 39 Meter Spiegeldurchmesser.

Jahrzehnte lang kein Regentropfen

Sie gilt als trockenste Wüste der Welt, manche Orte registrierten jahrzehntelang keinerlei Niederschlag. Im Jahresmittel bringt es die Atacama gerade mal auf ein Fünfzigstel der Regenmenge, die im für seine trockene Hitze berüchtigten kalifornischen Death Valley fällt. Nur wenn alle paar Jahre das Klimaphänomen El Niño zuschlägt und den kühlen Humboldtstrom vor der Küste ausbremst, lassen heftige Niederschläge die Wüste kurz aufblühen. Neben staubtrockener Luft müssen Besucher Temperaturen zwischen minus 15 Grad nachts und bis zu 30 Grad am Tag aushalten.

Fluch und Segen der Bodenschätze

Gold, Platin, Silber, Kupfer und die größten Lithiumvorkommen der Welt: Die Atacama-Wüste steckt voller Bodenschätze. Das verschafft Chile eine ordentliche Wirtschaftskraft, aber auch (Handels-)Kriege, Bergwerksunglücke und Umweltschäden. Schlagzeilen machte 2010 das Grubenunglück von San José, bei dem 33 Bergleute einer Kupfermine verschüttet wurden und in 700 Meter Tiefe 69 Tage auf Rettung warteten. Während ständige Sprengungen die Luft vergiften und Geisterstädte hinterlassen, entzieht die Lithiumgewinnung der Wüste auch noch den letzten Tropfen kostbaren Wassers.

Es war einmal

Das Alter der Atacama-Wüste schätzen Geologen auf 15 Millionen Jahre. Schon vor mehr als 7000 Jahren lebten dort Menschen, wie die Funde mumifizierter Babys der Chinchorros beweisen. Wie die Völker der Diaguitas, der Atacameños und der Aymara lebten sie in den wenigen Oasen. Etwa im 15. Jahrhundert übernahmen die Inkas das Zepter, dann kamen die Europäer. Mit den Unabhängigkeitskriegen fiel die Atacama an Bolivien, heute zählt sie zu Chile und Peru.

Flamingos in der Salzlagune

Charles Darwin war wenig begeistert, als er 1835 durch die Atacama ritt, fühlte sich „wie in einem düsteren Gefängnishof“, vermisste jegliches Grün. Heutige Besucher schätzen die surreale Schönheit der oft als Mondlandschaft titulierten Einöde mit ihren mächtigen Vulkanen, den riesigen Salzseen mit leuchtenden Lagunen, den elegant geschwungenen Sanddünen und den Geysiren, die zwar nicht besonders hoch sprudeln, dafür in Anzahl und Höhenlage einzigartig sind. Auch Leben gibt es in der Atacama-Wüste – seien es Flamingos, Lamas, Andenfüchse oder die Vikunjas, eine Art kleines Kamel ohne Höcker und mit ausnehmend hübschem Gesicht.

Kakteenklau und Altkleidermüll

Wo keiner ist, haben Schurken freie Bahn: Sie klauen Kakteen und häufen Müll an. Mit dem illegalen Handel seltener Kakteen setzen Pflanzenwilderer nach Schätzungen chilenischer Botaniker jährlich Milliarden Dollar um. Und auf etwa 39 000 Tonnen bringt es der gigantische Müllberg, auf dem Altkleiderimporteure Unverkäufliches „entsorgen“.

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