Reiten Sven Lux aus Böblingen bildet Pferde für einen Olympiasieger aus

20 bis 25 Wochenenden im Jahr bei Turnieren unterwegs: Sven Lux bildet Pferde für größere Aufgaben mit Michael Jung aus. Foto: privat

Die Leidenschaft zum Beruf machen – wer träumt nicht davon? Dem Böblinger Sven Lux ist das gelungen. Der 32-Jährige, der kürzlich auch das Goldene Reitabzeichen verliehen bekam, arbeitet als Chefbereiter für den mehrfachen Olympiasieger Michael Jung.

Wenn Sven Lux über seine große Leidenschaft redet, dann glänzen bei ihm die Augen. Das merkt der Gesprächspartner selbst dann, wenn er nur telefonisch mit dem Böblinger verbunden ist, während dieser gerade einen Pferdetransport von Belgien in Richtung Berlin lenkt. Auf die Faszination des Reitsports angesprochen, sprudelt es förmlich aus ihm heraus.

 

Es seien vor allem die Zusammenarbeit mit dem Tier, dieses Gefühl von Freiheit auf dessen Rücken und der besondere Stolz, wenn man gemeinsam neue Dinge geschafft hat. „Das Pferd ist ein Partner, zu dem man eine spezielle Beziehung aufbaut“, beschreibt der 32-Jährige. „Wenn man mit einem Lebewesen eins werden und sich blind verstehen will, muss sich Vertrauen entwickeln. Dann kann man Dinge erreichen, die man am Anfang vielleicht gar nicht erwartet hätte.“

Auch wenn Sven Lux jüngst das Goldene Reitabzeichen verliehen bekam – die höchste Auszeichnung überhaupt für einen Reiter, die er aus eigener Leistung mit Siegen und Platzierungen erreichen kann, ohne von einem Gremium ernannt zu werden –, weiß er, dass auf dem Weg zur Perfektion Rückschläge warten. „Es ist nicht immer nur eine Erfolgsgeschichte“, betont er. Gerade deshalb, weil man mit einem Vierbeiner Hand in Huf geht, den man nicht immer hundertprozentig kontrollieren kann. „Damit muss man umgehen können.“

Durchhaltevermögen und Ehrgeiz sind unabdingbar, um Hürden zu überwinden. Nicht nur die im Parcours, sondern auch die sprichwörtlichen. „Ein Pferd ist kein Sportgerät, bei dem man sagen kann, das stelle ich jetzt in eine Ecke und kaufe ein neues, teureres, besseres“, stellt der einstige Abiturient an der Mildred-Scheel-Schule klar. „Man muss es auch in seinem Wesen berücksichtigen, immer daran glauben und mit ihm wachsen. Man lernt nie aus.“

Zum Reiten kam Sven Lux durch seine Familie. Die Mutter ritt selbst Vielseitigkeit und Springen, bereits mit zwei hatte er das erste eigene Pony im Stall stehen. Putzen, Striegeln und Knuddeln waren nicht seine primären Vorlieben. „Ich war mehr am Ausreiten interessiert“, schmunzelt er. „Wie Jungs eben so sind. Da muss etwas Actionmäßiges passieren.“ Mit zehn Jahren bestritt er das erste Turnier auf einem kleinen Shetland, gerade mal einen Meter groß. Fürs Springreiten war dieses nicht groß genug, also bekam er ein Sportpony. Dann ging alles relativ schnell: Kreismeisterschaft, Goldene Scherpe, Deutschlandpreis, Bundesnachwuchschampionat, viele Veranstaltungen über die Landesgrenzen hinaus. Als Teenager konzentrierte sich Sven Lux voll auf dieses Hobby, das längst mehr war als bloß das.

Rückkehr aus Schleswig-Holstein hat er nie bereut

Nach der Schulzeit zog er aus Böblingen zu seiner damaligen Freundin nach Schleswig-Holstein, um keine Fernbeziehung mehr führen zu müssen. Zeitgleich begann er ein Agrarstudium in Kiel. „Salopp gesagt war mein erster Gedanke, einen vernünftigen Job zu erlernen“, erinnert er sich. Nach dem vierten Semester hatte er sich allerdings umentschieden und wollte auch beruflich in Richtung Reiten gehen. Schließlich hatte er da schon mit Berittpferden sein erstes eigenes Geld verdient.

Nach drei Jahren im hohen Norden machte er sich dort selbstständig und eröffnete seinen eigenen Reitstall. Inzwischen ist er zurück in der schwäbischen Heimat und arbeitet in Horb am Neckar als Chefbereiter für niemand geringeren als Olympiasieger Michael Jung. „Dafür habe ich einiges stehen und liegen lassen“, nickt Sven Lux. „Doch ich habe es nie bereut.“ Der Kontakt zur Ikone des deutschen Pferdesports war durch ein Konfirmationsgeschenk zustande gekommen. Lange lag der Gutschein für eine Reitstunde in der Schublade, wurde erst drei Jahre nach seiner Ausstellung eingelöst. „Meine Freunde haben mich ein bisschen dorthin schubsen müssen“, gibt Sven Lux entschuldigend zu. Ab da trainierte er fast wöchentlich bei Michael Jung, bis er eben selbst der Liebe wegen nach Schleswig-Holstein zog.

Der Kontakt zum mehrfachen deutschen, Europa- und Weltmeister blieb bestehen, die beiden trafen sich regelmäßig auf Turnieren. „Ich hatte den Wunsch, noch mehr von ihm zu lernen und für ihn zu reiten“, erzählt Sven Lux. „Das habe ich ihm 2018 auch mal sehr direkt gesagt. Ich meinte, wenn sein Bereiter einmal gehen würde, solle er an mich denken.“ Genau das tat Michael Jung Ende 2021 auch, und der Angefragte gab ohne großes Nachdenken direkt seine Zusage.

Der 32-Jährige ist nun so etwas wie die rechte Hand des Reitmeisters. Er bildet junge Hengste und Stuten aus, arbeitet auch mit älteren Tieren und bereitet sie für seinen Chef und guten Freund vor. An 20 bis 25 Wochenenden im Jahr ist er dadurch auf Turnieren unterwegs. „Es geht dabei nicht darum, Auszeichnungen und Medaillen gewinnen“, erläutert Sven Lux. „Die Pferde sollen vielmehr lernen und gewisse Vorqualifikationen erreichen, damit Michi sie übernehmen kann.“ Zu diesem Prozess zählen beispielsweise auch das Anreisen im Anhänger und Übernachten außerhalb des eigenen Stalls, um in dieser Hinsicht ebenso eine Routine zu entwickeln.

Sven Lux hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Dass die Rösser bei ihm in guten Händen sind, ist deshalb wohl unbestreitbar. Das verraten allein seine glänzenden Augen, die man sogar durch eine Telefonleitung hindurch hören kann.

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