Reitsport Richard Vogel – der Überflieger

Die Perspektive stimmt: Richard Vogel und United Touch bei ihrem Weltcup-Sieg 2024 in der Stuttgarter Schleyerhalle. Foto: Imago/Eibner

Richard Vogel und United Touch haben bei ihrem EM-Sieg Geschichte geschrieben. Nun zählen sie beim Turnier in der Stuttgarter Schleyerhalle erneut zu den großen Favoriten.

Bei den Olympischen Spielen 2024 im Schlosspark von Versailles blieb Richard Vogel die Krönung versagt. Trotz großer Hoffnungen gingen der Weltklassereiter und United Touch, sein bestes Pferd im Stall, leer aus. Platz 55 im Einzel, Rang fünf mit dem Team – das nagte am Selbstverständnis, war aber zugleich eine wichtige Erfahrung. Auch deshalb kommt der 28-jährige Schwabe nun nicht nur als amtierender Europameister zum Hallenturnier nach Stuttgart. Richard Vogel ist einer der Überflieger der Szene.

 

Voll auf der Höhe war das Duo bei der EM Mitte Juli im spanischen La Coruña. Richard Vogel und United Touch schrieben Geschichte: In den fünf Umläufen blieben sie ohne Hindernisfehler, gewannen mit dem Traumergebnis von 0,01 Punkten – das hatte es nie zuvor gegeben. „United Touch ist abnormal, ein einzigartiges Pferd. Diese Leistung war sensationell und wird unvergessen bleiben“, schwärmte der Reiter anschließend über seinen 2012 geborenen Hengst, „seine Möglichkeiten sind unbegrenzt.“ Sofern die Vorbereitung passt.

Aus den Olympia-Erfahrungen gelernt

Vor den Sommerspielen in Paris wollte Richard Vogel viel. Zu viel. Er änderte den Trainingsplan, setzte noch mehr Konditionseinheiten an, um United Touch fit zu machen für die Herausforderungen in der französischen Hitze. Doch er erreichte das Gegenteil. „Es war ein Fehler, er kam müde zum Championat“, erklärt Richard Vogel, „aus diesen Erfahrungen haben wir gelernt.“ Das Ergebnis ist bekannt.

Erfolg in Stuttgart: Richard Vogel und United Touch. Foto: Imago/Eibner

United Touch zeigte nicht nur bei der EM seine Klasse, er zählt zu den besten Springpferden der Welt und weckt immer wieder das Interesse von zahlungskräftigen Interessenten. Zahlen nennt Richard Vogel nicht, das „utopische Angebot“, dessen Eingang er bestätigt, dürfte sich nach Meinung von Experten aber im zweistelligen Millionenbereich bewegt haben. Doch Julius-Peter Sinnack (Bocholt), der Züchter und Besitzer von United Touch, lehnte auch diese Offerte ab. „Er will nicht verkaufen und ist bisher standhaft geblieben“, erklärt Richard Vogel, der hofft, dass sich daran nichts ändert: „United Touch ist nicht nur ein ganz außergewöhnlicher Charakter mit eigenem Willen, großem Temperament und Ehrgeiz, wir sind zudem beste Kumpels.“ Das dürfte auch wieder in der Schleyerhalle zu sehen sein.

Richard Vogel macht seine Leidenschaft zum Beruf

In Stuttgart gewann das Duo 2024 das abschließende Weltcup-Springen, diesen Coup würde Richard Vogel (der in der Schleyerhalle auch schon 2022 gesiegt hat) gerne wiederholen. „Es ist mein Heimturnier, ich fiebere auf das German Masters hin“, sagt der Reiter, der in Riedlingen aufgewachsen ist und mit 17 Jahren die Schule schmiss, um seine Leidenschaft zum Beruf zu machen, „die Stimmung in der Arena ist stets außergewöhnlich. Ein derart großes Springen vor einer solchen Kulisse zu gewinnen ist etwas ganz Besonderes.“ Aber alles andere als einfach. Die Konkurrenz für Richard Vogel, der auch an diesem Donnerstag (20.15 Uhr) im baden-württembergischen Hallenchampionat starten wird, ist riesig. Auf den Weltcup-Wettbewerb am Sonntag abgesehen haben es unter anderen Paris-Olympiasieger Christian Kukuk, die Team-Olympiasieger Peder Fredricson (Schweden) und Kevin Staut (Frankreich) sowie der Weltranglisten-Fünfte Scott Brash (Großbritannien), der bei der EM 2025 zwei Silbermedaillen holte. „Von den 40 Startern“, sagt Richard Vogel, „können 35 das Springen gewinnen.“ Auch er selbst.

Richard Vogel ist ein Hallenspezialist

Der Schwabe, der mittlerweile mit seiner Lebensgefährtin Sophie Hinners, die ebenfalls in der Schleyerhalle sattelt, einen Ausbildungsstall im hessischen Pfugstadt betreibt, gilt als Spezialist für Prüfungen in Arenen, in denen es auf Schnelligkeit ankommt. „Ich bin ohne eigene Reithalle groß geworden und habe in einer kleinen, sehr engen Halle im benachbarten Altheim trainiert“, erinnert sich Richard Vogel, „da habe ich gelernt, dass es vor Sprüngen auch mal eng zugehen kann.“ United Touch, auf dem Vogel seit drei Jahren unterwegs ist, hat sich mittlerweile ebenfalls an das höhere Tempo gewöhnt, das unterm Dach nötig ist. Dementsprechend hoch ist der eigene Anspruch für Stuttgart: „Wir versuchen, den nächsten Weltcup-Sieg zu holen.“ Der nicht groß gefeiert werden könnte.

Bereits am Montag fliegt Richard Vogel weiter zu einem Turnier nach Los Angeles – in die Stadt, die in drei Jahren der nächste olympische Gastgeber sein wird. Spätestens dann will Vogel wieder zurückkehren nach Kalifornien. „In unserem Sport muss man sehr langfristig planen“, sagt er, „Los Angeles 2028 ist mein großes Ziel.“ Schließlich ist Paris längst noch nicht vergessen: „Ich habe mit den Olympischen Spielen noch eine Rechnung offen.“

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