Rekord beim TVB Stuttgart Warum Fynn Nicolaus Handball-Geschichte schreibt

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Handball-Bundesligist TVB Stuttgart kann einen Rekord vermelden: Fynn Nicolaus ist mit 16 Jahren jüngster Spieler in der Bundesliga-Geschichte.

Fynn  Nicolaus, hier bei einem Spiel in der A-Jugend-Bundesliga  gegen Frisch Auf Göppingen, zählt zu den größten Handballtalenten in Deutschland.  Foto: imago/Jens Körner Foto:  
Fynn Nicolaus, hier bei einem Spiel in der A-Jugend-Bundesliga gegen Frisch Auf Göppingen, zählt zu den größten Handballtalenten in Deutschland. Foto: imago/ Jens Körner

Stuttgart - Diese Woche war kalendarisch Weihnachten – für Fynn Nicolaus gewissermaßen zum zweiten Mal in diesem Jahr, nach dem 19. September. Der junge Handballer des TVB Stuttgart wurde an diesem Tag in der Schlussphase der Bundesligapartie gegen die TSV Hannover-Burgdorf eingewechselt und schrieb damit Geschichte. Denn er war erst 16 Jahre alt und damit jüngster Spieler in der Bundesliga. „Mir geht es nicht darum, Rekorde aufzustellen“, betont er.

Im Elite-Kader des DHB

Zuletzt wurde er zudem in den Elite-Kader des DHB berufen, was eine große Auszeichnung ist, schließlich kommen aktuell nur 15 Talente (weiblich und männlich) in diesen Genuss. Und auch dort ist er aktuell der jüngste Spieler. Andere Bestwerte könnten folgen – auch wenn die Verantwortlichen des TVB bewusst versuchen, den (Hand-)Ball flach zu halten. Schließlich gibt es im genug Beispiele für vermeintlich Talente aus der Junioren-Nationalmannschaft, denen später der Sprung in die Bundesliga versagt blieb. „Aber wenn er weiter so ehrgeizig und fokussiert bleibt, hat er auf alle Fälle des Potenzial für die Bundesliga“, sagt Michael Schweikardt, der ehemalige TVB-Profi, der Nicolaus’ Weg nicht nur seit Jahren verfolgt, sondern aktuell auch wöchentlich noch ein zusätzliches Fördertraining mit ihm (und anderen Talenten des Vereins) einlegt, um gewisse Defizite – ja, auch die gibt es – aufzuarbeiten und den Spielern generell mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Ohne dass sie – außer beim Sprungwurf – gleich die Bodenhaftung verlieren.

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Damit das so bleibt, dafür sorgen auch die bodenständigen Eltern, die beide Handball gespielt haben, der Vater sogar einst beim VfL Pfullingen, und ihm so die Gene mit in die Wiege legten, obwohl sich Fynn erst in der C-Jugend endgültig vom zunächst mehr geliebten Fußball trennen konnte. Nicht aber von Familie und Freunden. Deshalb hat er auch ein Angebot aus Berlin abgelehnt, dort ins Internat zu gehen. Jetzt ist er dafür in Stuttgart am Schickhardt-Gymnasium, einer so genannten Eliteschule des Sports, weil es sonst schwierig gewesen wäre alles unter einen Hut zu bringen.

Enger Zeitplan

Doch auch so ist der Zeitplan eng gestrickt. Morgens um halb sieben geht von Heimatort Großbottwar nach Stuttgart und zurück, mit der S-Bahn oder auch mal der Mama. Meist trainiert und spielt er als B-Jugendlicher bei den A-Junioren, gelegentlich kann er im Bundesligateam mittrainieren – und mal im Kader sein. „Wir versuchen ihn behutsam aufzubauen“, sagt Chefcoach Jürgen Schweikardt, das gleiche gilt beispielsweise auch für Luis Foege, was zeigt, dass der Verein versucht, auf Eigengewächse zu setzen. Nicolaus’ Vertrag läuft bis 2022, das korrespondiert mit der Schule – wobei der strebsame Handballer seine Pläne geändert hat und nun schon ein Jahr früher sein Abitur machen will. Hintergrund: der Wechsel auf die Eliteschule hat sich auch bei den Noten bemerkbar gemacht, positiv versteht sich.

Kurzeinsatz gegen Hannover

„Natürlich war ich aufgeregt“, erinnert sich Nicolaus an den Kurzeinsatz gegen Hannover, „aber als ich dann auf dem Feld stand, war ich entspannter als vorher.“ Wobei er als Linksaußen eingesetzt wurde, was schon ein wenig die Vielseitigkeit des Spielers verdeutlicht. Normalerweise agiert er im Rückraum oder aber am Kreis. Was ungewöhnlich ist, aber auch seine Begabung aufzeigt. „Ich spiele beides gerne“, sagt der 16-Jährige – aber die Tendenz geht nun doch etwas zum Kreis.

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Aus einem einfachen Grund: Der DHB sieht auf dieser Position seine Stärken und Zukunft. Michael Schweikardt: „Für sein Alter ist er körperlich schon sehr weit, aber auch technisch – und auch von seinem Handball-Intellekt.“ Als die Mannschaft vor der Saison einen kognitiven Test für Körper und Kopf absolviert hat, habe er von allen Bundesligaspielern mit am besten abgeschnitten.

In Baku am Ball

Und nach der Teilnahme an den Olympischen Jugendspielen 2019 in Baku kam die Berufung in den Elitekader erst auf Probe, jetzt fest. Wobei auch beim DHB wird nicht nur auf Handball Wert gelegt wird, sondern auch auf die charakterliche Entwicklung eines Spielers. „Mit der Eliteförderung wollen wir die Netzwerke aus Arbeit, Ausbildung und Handball in engem Austausch mit den Vereinen, Lehrern und Dozenten oder Arbeitgebern optimal zusammenfassen“, sagt der Leiter Wolfgang Sommerfeld, „damit Handball im Zentrum stehen kann.“

TVB am Sonntag gegen Berlin

Dafür steht Fynn Nicolaus aktuell nicht mehr so im Mittelpunkt, seit der TVB-Kader komplett ist. Dennoch ist vor dem abschließenden Heimspiel 2019 an diesem Sonntag (13.30 Uhr) in der ausverkauften Porsche-Arena gegen die Füchse Berlin sicher: Der erste Einsatz wird nicht sein letzter in der Bundesliga gewesen sein.

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