Rekord in Baden-Württemberg Mit 21 Jahren Bürgermeister – Vom WG-Zimmer ins Rathaus

Jan Jäckel ist neuer Bürgermeister von Asselfingen. Foto: privat/Imago/Herrmann

Jan Jäckel, 21 Jahre alt, setzte sich überraschend gegen drei Mitbewerber durch. Ein Blick auf den jungen Studenten, der wohl Deutschlands jüngster hauptamtlicher Rathauschef wird.

Jan Jäckel, der neu gewählte Bürgermeister von Asselfingen, dürfte mit „an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ der jüngste hauptamtliche Bürgermeister Deutschlands sein. Das hat zumindest das „Netzwerk junge Bürgermeister*innen“ herausgefunden: Dieses führt eine Liste von immerhin mehr als 1000 Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern in ganz Deutschland, die bei ihrer Wahl jünger als 40 Jahre alt waren. Das berichtet die Südwest Presse. 

 

Und auf dieser Liste ist Jan Jäckel nach Worten des Netzwerk-Geschäftsführers Henning Witzel mit vier Jahren Abstand zu einem Amtskollegen aus Thüringen der jüngste. Witzel erklärt auch, dass die meisten Innenministerien der Länder die Geburtsdaten der Bürgermeister nicht erfassen, daher führt das Netzwerk mit Sitz in Berlin besagte Liste.

Jäckel studiert in Ludwigsburg

Jäckel, seines Zeichens Student und parteilos, hat am vergangenen Sonntag, 30. November, überraschend die Wahl zum hauptamtlichen Bürgermeister in Asselfingen gewonnen. „Ich wollte schon immer Bürgermeister werden“, erzählt Jäckel. „Deshalb habe ich mich damals für mein Studium entschieden.“ Der 21-Jährige studiert derzeit noch Public Management, also öffentliche Verwaltung, in Ludwigsburg, abschließen wird er es im Februar nächstes Jahr. Frühzeitig hielt er Ausschau nach passenden Stellen – und stieß auf die Anzeige, in der das kleine Asselfingen mit gut 1040 Einwohnern einen neuen Bürgermeister sucht. „Ich habe dann etwa zwei Wochen drüber geschlafen“, erzählt er. „Dann habe ich mir irgendwann gedacht: Jetzt gibst du einfach Gas.“

Interessanterweise kommt Jäckel gar nicht aus der Gegend, sondern aus dem knapp 900 Einwohner zählenden Dietmanns, einem Teilort von Bad Wurzach im Landkreis Ravensburg. Das mache ihn so dorfverbunden: „Ich mag es, wenn man miteinander schwätzen kann“, sagt der designierte Bürgermeister. Die Gemeinde habe ihn einerseits wegen ihrer soliden finanziellen Situation angesprochen - Amtsinhaber Armin Bollinger hinterlässt ihm eine schuldenfreie Kommune - andererseits wegen der Gespräche vor Ort. „Ich wurde von Tag eins wahnsinnig herzlich aufgenommen“, berichtet Jäckel. „Da war ich wirklich verblüfft.“

Sport als Ausgleich

Das sehr gute Wahlergebnis von knapp 84 Prozent stärke ihm „ungemein den Rücken“ – entsprechend groß sei die Vorfreude auf den Amtsantritt und die ersten Wochen im Rathaus. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 72 Prozent. Die Gemeinde wolle er mit ihrer soliden Finanzbasis in bewährter Weise weiterentwickeln, gleichzeitig aber auch eigene „Fingerabdrücke hinterlassen“. Besonders wichtig sei ihm, die Vereine, die bereits „tolle Dorfgemeinschaft“ sowie Gewerbe und Landwirtschaft weiter zu stärken.

Noch wohnt Jäckel in einer WG in Ludwigsburg, und an den Wochenenden ist er häufig in seinem Heimatort Dietmanns. Im kommenden Frühjahr jedoch wird er gemeinsam mit seiner langjährigen Partnerin, die Grundschullehramt studiert, nach Asselfingen ziehen. Sportlich ist der 21-Jährige übrigens ebenfalls aktiv: Noch spielt er in Biberach Basketball, aber auch in der Ulmer Region gebe es ja passende Möglichkeiten, diesem Hobby weiter nachzugehen. Außerdem ist Jäckel leidenschaftlicher Triathlet.

Bollinger bestätigt „sehr, sehr engagierten Wahlkampf“

Gratulation kommt vom Landrat des Alb-Donau-Kreises, Heiner Scheffold, der betont, dass die abgesenkte Altersgrenze für Bürgermeister „nun im Alb-Donau-Kreis zum Tragen kommt“ (siehe Infokasten). Er freue sich darauf, Jäckel persönlich kennenzulernen und wünsche ihm viel „Erfolg, Tatkraft und Entschlossenheit“.

Amtsinhaber Armin Bollinger ist drei Jahre länger im Amt als Jan Jäckel alt ist. Natürlich sei das Alter seines Nachfolgers außergewöhnlich, findet der 63-Jährige. Aber Jäckel wirke nicht wie 21, zumal sein Wahlkampf in den vergangenen Wochen „sehr, sehr engagiert“ gewesen sei, wie Bollinger weiter erzählt: „Er war fast jeden Tag in Asselfingen“. Dass es bei der Wahl am Sonntag tatsächlich mehrere Bewerber gegeben hat, die Bürgerinnen und Bürger damit eine echte Wahl hatten, habe ihn besonders gefreut. „Und natürlich sind fast 84 Prozent der Stimmen ein tolles Ergebnis.“ Mit einem so deutlichen Ergebnis hätte wohl niemand gerechnet.

Bollinger, dessen Amtszeit in Asselfingen Mitte Februar endet, wird seinem Nachfolger bei der Einarbeitung selbstredend helfen. Wann Jäckel das Amt antritt, stehe noch nicht fest, er selbst sei da völlig flexibel, sagt Bollinger, das könne schon Mitte Februar sein oder auch erst Anfang April. Armin Bollinger geht dann in den Ruhestand.

Mindestalter für Bewerber wurde erst 2023 auf 18 gesenkt

Bürgermeisterwahl
Bis Juli 2023 musste eine Bewerberin oder ein Bewerber in Baden-Württemberg mindestens 25 Jahre alt sein, um bei einer Bürgermeisterwahl anzutreten. Zum 1. August 2023 wurde das Gesetz geändert, seither gilt ein Mindestalter von 18 Jahren. Wie das baden-württembergische Innenministerium auf Anfrage mitteilt, ist das Mindestalter von 18 rechtlich schon deshalb erforderlich, „da der Bürgermeister als gesetzlicher Vertreter der Gemeinde uneingeschränkt geschäftsfähig sein muss“. Wählen dürfen bei einer Kommunalwahl alle ab 16.

 

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