Rekord-Tourismusbilanz 2019 Urlaub im Land liegt im Trend

Von  

Zum neunten Mal in Folge wartet der Tourismus in Baden-Württemberg mit einem Rekordergebnis auf. Der Südwesten punktet vor allem bei inländischen Gästen – noch.

Ende 2020 soll das  Besucherzentrum am Ruhestein im Nationalpark Schwarzwald eröffnet werden – und den Tourismus in der Region zusätzlich ankurbeln. Die Animation zeigt den Endausbau. Foto: bloomimages 6 Bilder
Ende 2020 soll das Besucherzentrum am Ruhestein im Nationalpark Schwarzwald eröffnet werden – und den Tourismus in der Region zusätzlich ankurbeln. Die Animation zeigt den Endausbau. Foto: bloomimages

Stuttgart - Den Bayern hat es Baden-Württemberg im vergangenen Jahr gezeigt. Bei den Übernachtungen legte der Südwesten gegenüber 2018 um 4,2 Prozent zu und damit fast doppelt so stark wie der Nachbar im Osten. Nun sind die Bayern, was die absoluten Zahlen angeht, mit mehr als 100 Millionen Übernachtungen 2019 deutschlandweit der unangefochtene Spitzenreiter. Baden-Württemberg folgt aber mit 57,2 Millionen Übernachtungen auf Platz zwei.

Die Topdestination im Südwesten ist der Schwarzwald, fast 40 Prozent der Übernachtungen wurden dort registriert. Am kräftigsten zugelegt haben im vergangenen Jahr das württembergische Allgäu und Oberschwaben (plus 37,2 Prozent) auf 4,4 Millionen Übernachtungen: Der Leutkircher Ferienpark Center Parcs, der im Herbst 2018 eröffnet wurde, erweist sich offenbar für die Region trotz des holprigen Starts als Zugpferd.

Tourismus als Förderprogramm für den ländlichen Raum

„Tourismus stärkt den ländlichen Raum“, sagte der für Justiz, Europa und Tourismus zuständige Minister Guido Wolf (CDU) am Mittwoch bei der Präsentation der Tourismusbilanz. Immerhin stelle die Tourismusbranche landesweit 390 000 Arbeitsplätze und sei damit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Um diesen Sektor stark und zukunftsfähig auszurichten, „nehmen wir richtig viel Geld in die Hand“, sagte Wolf. Im aktuellen Doppelhaushalt stehen rund 20 Millionen Euro für Tourismusmarketing und den Ausbau der touristischen Infrastruktur zur Verfügung. Das ist mehr als doppelt so viel als noch vor vier Jahren.

Mit 57,2 Millionen Übernachtungen erzielt das Land 2019 das neunte Jahr nacheinander ein Rekordergebnis bei den Übernachtungen. Auch bei der Gästezahl hat sich der Südwesten erneut gesteigert. Die Statistiker verzeichneten im Vorjahr 23,3 Millionen Ankünfte. Das ist ein Plus von 3,8 Prozent gegenüber 2018. Dabei ist Baden-Württemberg ein beliebtes Ferienziel für Gäste aus Deutschland. Mehr als drei Viertel der Übernachtungen (44,9 Millionen) sind von inländischen Besuchern. Das sind 4,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Offenbar machen dabei die Baden-Württemberger besonders gerne Urlaub daheim: „An allererster Stelle der Statistik steht im Südwesten der baden-württembergische Gast“, sagte Andreas Braun, der Geschäftsführer der Tourismus Marketing GmbH.

Die Zahl der ausländischen Gäste steigt stetig

Doch die Touristen aus dem Ausland sind im Kommen. 12,2 Millionen Übernachtungen ausländischer Gäste wurden 2019 registriert. Das entspricht einem Plus von 3,3 Prozent gegenüber 2018 und ist anderthalbmal so viel wie vor zehn Jahren. Die mit Abstand größte Gruppe stellen dabei die Schweizer (2,7 Millionen Übernachtungen), gefolgt von den Niederländern (1,3 Millionen Übernachtungen) und den Franzosen (eine Million) – alle mit steigender Tendenz. Ein kräftiges Minus von mehr als sechs Prozent gibt es indes bei Besuchern aus dem brexitgeplagten Großbritannien und aus China.

Wegen der Coronavirus-Krise scheint sich der Trend noch zu verstärken, das sind jedenfalls die Signale der Branche ans Ministerium. Die Asiaten sind mit einem Anteil von nur 3,4 Prozent aller ausländischen Besucher zwar nur eine kleine Gruppe. Dafür geben sie aber laut Braun drei- bis viermal mehr Geld aus bei ihren Visiten als inländische Gäste.

Regionale Akteure sollen besser zusammenarbeiten

Um den Tourismus zu stärken, will das Land erreichen, dass regionale Akteure besser kooperieren. „Wir sehen da Handlungsbedarf“, sagte Wolf. Die wachsende Beliebtheit des Landes unter Einheimischen wertet er als Reaktion auf den Klimawandel. Dieser Herausforderung stellten sich auch die Regionen, sagte Braun. Im Schwarzwald etwa habe man viel Geld investiert, um sich vom Skifahren unabhängiger zu machen und sich als Wellness- und Winterwandergebiet zu etablieren. Mit Erfolg: Das Topziel im Land hat auch 2019 bei den Übernachtungen ein Plus von 2,5 Prozent vorweisen können.