Rekordtransfer von Neymar Das sind die teuersten Transfers der Fußballgeschichte

Neymar wechselt von Barcelona nach Paris. Foto: AFP 12 Bilder
Neymar wechselt von Barcelona nach Paris. Foto: AFP

Der Wechsel von Neymar für die Rekordsumme von 222 Millionen Euro ist Anlass genug für einen Überblick über die bisherigen Spitzensummen, die bisher im Fußball gezahlt worden sind.

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Barcelona - 42 Minuten brauchte Neymar Júnior, um eine Ära zu beenden. Die eines gloriosen Dreizack, dem vielleicht besten Sturmtrio der Geschichte zusammen mit Lionel Messi und Luis Suarez, das in einer einzigen Saison mal 131 gemeinsame Tore schoss. Die Ära staunenswerter Dribblings und nonchalanter Demütigungen auch der grimmigsten und besten Verteidiger. Eine Ära aber auch mit jeder Menge Ärger. Schon sein Weg zum großen FC Barcelona war von solch dubiosen Manövern gepflastert, dass er einen Clubpräsidenten das Amt und den Verein Strafzahlungen in zweistelliger Millionenhöhe kostete. Er beschäftigt immer noch die spanische Justiz.

Ob es sich mit seinem Abgang vier Jahre später genauso verhalten wird, war im Verlauf des gestrigen Tages noch nicht abzusehen. Fest stand, dass er 42 Minuten nach seiner morgendlichen Ankunft an Barças Übungsgelände wieder abfuhr und sich in dieser Zeit von Trainer und Teamkollegen verabschiedet hatte. Rund eine Stunde später wiederholte sich das Prozedere auf der Geschäftsstelle mit Präsident und Vorständen. Der Club selbst teilte mit, dass der Brasilianer Neymar (25) ihn verlassen wolle und vom Training freigestellt worden sei, um seine Zukunft zu klären. Man habe ihn jedoch daran erinnert, dass für eine dauerhafte Aufhebung seiner Vertragspflichten die Zahlung der Ausstiegsklausel „in ihrer Gänze“ erforderlich sei: 222 Millionen Euro.

Diese Summe macht den Fußball kirre, seit Neymars Sehnsucht nach Veränderung vor einigen Wochen publik wurde. Sie übertrifft den bisherigen Rekordtransfer (Paul Pogba, Juventus Turin zu Manchester United, 105 Millionen) um mehr als das Doppelte. Neymar zieht es nach Frankreich. Bei dem aus Katar alimentierten Paris St. Germain kann er aus dem Schatten des übermächtigen Lionel Messi treten, sich für Ehren wie den Weltfußballer empfehlen und außerdem noch mehr Geld verdienen. Das sind die Ziele.

Während sich der Spieler zum „Abschalten“ nach London verabschiedete, erklärte der mit seinen Angelegenheiten beauftragte Spieleragent Wagner Ribeiro: „Der PSG wird die Klausel bezahlen und den Spieler gegen Ende der Woche präsentieren.“ Bereits an diesem Samstag starten die Franzosen mit einem Heimspiel gegen Amiens in die Ligasaison, da würde man das neue Luxusexponat natürlich gern ausstellen. Doch jetzt, da die Katalanen den Spieler offiziell verloren geben, haben auch sie einen gewissen Zeitdruck. Sie brauchen ja Ersatz, wobei sie offenbar nicht zuletzt Dortmunds Ousmane Dembélé interessiert.

Schenken, so viel ist klar, werden sich der FC Barcelona und PSG nichts. Das Verhältnis beider Vereine gilt als miserabel, wobei das denkwürdige 6:1 in der Champions League vorigen März nicht mal die Hauptrolle spielt. Vielmehr ärgerte sich Barça wiederholt über die strikte Weigerung von PSG-Clubchef Nasser Al-Khelaifi, über den Verkauf von Profis wie den Verteidiger Marquinhos oder den Mittelfeldmann Verratti zu verhandeln. Nun haben sich die Vorzeichen umgekehrt: Paris ist plötzlich auf ein Entgegenkommen Barças angewiesen.

Bei Zahlung einer der in Spanien üblichen Ausstiegsklauseln muss das Geld den Statuten nach vom Spieler beim Ligaverband LFP hinterlegt werden. Üblicherweise einigen sich die Vereine darauf, diesen bürokratischen Umweg zu vermeiden und den Vorgang zum Transfer zu erklären. Paris hat daran ein gesteigertes Interesse, weil das französische Finanzamt die Erstattung der Ausstiegsklausel an Neymar als Prämienzahlung werten und dafür Steuern verlangen könnte, die das Gesamtvolumen des Geschäfts auf rund 300 Millionen Euro erhöhen würde. Und weil der LFP-Chef Javier Tebas zuletzt klipp und klar gesagt hat, er würde die Zahlung der Ausstiegsklausel nicht annehmen, da es sich beim PSG um einen „Staatsclub“ handele, der mit unlauterem „Finanzdoping“ aus Katar seine eigentlich defizitären Konten schönrechne.

Während Barça zudem erklärte, eine ursprünglich für den 31. Juli fällige Prämie an Neymars Vater fürs Erste eingefroren und bei einem Notariat hinterlegt zu haben, scheint dem Abtrünnigen wenigstens sein bisheriger Lehrmeister nicht böse. „Es war ein enormes Vergnügen, all diese Jahre mit dir geteilt zu haben, mein Freund“, schrieb Lionel Messi zu einem eigens angefertigten Abschiedsvideo. „Ich wünsche dir viel Glück auf deiner neuen Lebensetappe. TKM.“ Das Akronym steht für Te Quiero Mucho – „Ich liebe dich sehr“. Neymar antwortete darauf knapper: „Danke, Bruder. Ich werde dich vermissen, Kumpel.“ Aktuell scheint es so, als dass er Barça mehr fehlen wird als umgekehrt.




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