Rekordverdächtig FC Gerlingen erzielt 90 Tore – und steigt nicht auf

Josip Kulijer (Mi./im Testspiel gegen den SV Prag Stuttgart) erzielte 21 Saisontore für den FC Gerlingen II Foto: Andreas Gorr

Der FC Gerlingen II hat in der abgelaufenen Saison von allen Mannschaften im Altkreis die meisten Treffer erzielt – trotzdem gab es in der Kreisliga B 6 eine Mannschaft, die bessere Werte hatte.

Statistisch gesehen besteht eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, mit 90 Treffern in einer Saison Meister in seiner Liga zu werden – erst Recht, wenn die nur aus zehn Mannschaften besteht. Das hat in der abgelaufenen Saison der Kreisliga B 6 der FC Gerlingen II geschafft.

 

Im Schnitt schossen die Gerlinger in den 18 Begegnungen genau fünf Tore. Dennoch reichten 47 von 54 möglichen Punkten und ein Torverhältnis von plus 65 (90:25) nicht zum Meistertitel – weil der VfB Tamm II noch bessere Werte aufzuweisen hatte: 49 Punkte und ein Torverhältnis von 97:13.

Dass 90 Tore nicht zum Meistertitel reichen, dieses Schicksal teilte der FC Gerlingen II mit drei Vizemeistern aus den großen europäischen Spitzenligen: Arsenal London wurde mit 91 geschossenen Toren ebenso nur Zweiter in der englischen Premier League hinter Manchester City wie Feyenoord Rotterdam (92 Treffer) in der niederländischen Eredivisie hinter dem PSV Eindhoven und Fenerbace Istanbul, das in der türkischen Süper Lig sogar 99 Tore erzielte, aber in der Endabrechnung dem Stadtrivalen Galatasaray den Vortritt lassen musste.

Einen Bestwert stellen die 90 Treffer dennoch dar: Kein anderer Verein aus dem Altkreis hat in der abgelaufenen Saison so oft den Ball im gegnerischen Tor versenkt wie der FC Gerlingen II. In zwei Partien trafen die Gerlinger zweistellig (10:1 gegen Türk Gücü Möglingen, 10:4 bei den TSF Ditzingen II). Der Erfolg gegen Türk Gücü Möglingen war mit dem 9:0 gegen den TSV Malmsheim II der höchste Saisonsieg.

Torjäger mit eingebautem Fairplay

Goalgetter Nummer eins beim FC Gerlingen II war der 33-jährige Josip Kulijer, der in der Saison zuvor vom Württembergischen Fußballverband (WFV) für eine vorbildliche Fairplay-Aktion ausgezeichnet worden war. Er hatte den Ball frei vor dem Tor ins Aus gespielt, nachdem er im Augenwinkel wahrgenommen hatte, dass ein Gegenspieler böse umgeknickt war. Mit 21 Treffern belegte er in der Torjägerliste Rang zwei hinter Timo Krumbein (SV Gebersheim II), der auf 32 Treffer kam. In Gurwinder Singh (12) und Robin Cortesi (10) trafen zwei weitere Gerlinger zweistellig, Patrick Götz und Adrian Rapp (jeweils 9) verpassten den Wert knapp.

Trotz des verpassten Sprungs in die Kreisliga A ist Trainer Daniel Bersaglio mit der Saison mehr als zufrieden. „Den Aufstieg hatten wir ohnehin nicht eingeplant. Wir sind viel mehr überrascht, welch tolle Entwicklung die Mannschaft genommen hat“, sagt der Coach. Es habe sich eine tolle Eigendynamik entwickelt, die zu einem nicht für möglich gehaltenen Ergebnis geführt habe.

Ausgleicht erst in Nachspielzeit

Den Ausschlag für den verpassten Meistertitel gaben zwei Aspekte: zum einen der direkte Vergleich zwischen dem FC Gerlingen II und dem VfB Tamm II. Im Hinspiel unterlagen die Gerlinger im Duell der bis dato verlustpunktfreien Teams 1:5. Maximilian Graf hatte mit seinem Anschlusstreffer zum 1:2 (55.) nur kurz für Spannung sorgen können. „Das Ergebnis spiegelt den Spielverlauf aber nicht richtig wider“, findet Bersaglio. Ein möglicher Ausgleichstreffer sei vom Schiedsrichter nicht anerkannt worden. Am Ende habe das Team angesichts des knappen Rückstands ein bisschen zu risikoreich agiert und sei untergegangen.

Im Rückspiel kam der FC auf eigenem Platz nicht über ein 2:2 hinaus und hatte Glück, dass dem kurz zuvor eingewechselten Jean Claude Manishimwe in der sechsten Minute der Nachspielzeit der 2:2-Ausgleichstreffer gelang. Auch hier geben die Zahlen in den Augen von Coach Bersaglio die Kräfteverhältnisse nicht richtig wieder: „Wir waren eigentlich das stärkere Team und hatten deutlich mehr Ballbesitz. Tamm hat aus zwei Chancen zwei Tore gemacht“, erkennt der Trainer an. Wie stark der VfB Tamm II in dieser Saison sein würde, hatten die Gerlinger schon in der Qualifikationsrunde zum Bezirkspokal erfahren, als sie nach einer 1:0-Führung noch mit 1:3 unterlagen.

Zwei Punkte Differenz

Der zweite Aspekt, der den Gerlingern zum Verhängnis wurde, war das 2:2 beim Tabellendritten SV Gebersheim II am letzten Spieltag 2023 – neben dem Remis gegen den VfB Tamm II die zweite Punkteteilung. „Auch da haben wir uns selbst um den möglichen Erfolg gebracht, weil wir auf einem schwer bespielbaren Platz vier Großchancen liegen gelassen haben“, erinnert sich Trainer Bersaglio. Die Tammer leisteten sich daneben nur noch einmal einen Punktverlust – bei der einzigen Saisonniederlage am zweiten Rückrundenspieltag beim TSV Korntal II mit 1:3. In der Partie beim SV Gebersheim II setzten sie sich dank eines späten Treffers in der 85. Minute mit 2:1 durch und hatten am Saisonende somit zwei Zähler Vorsprung vor dem treffsichersten Altkreisteam.

Höher, größer, schneller – in unserer Serie „Rekordverdächtig“ stellen wir Orte in der Region Stuttgart vor, die auf besondere Weise herausragend sind.

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