Rekordwetter in Stuttgart Rekord-Andrang im Freibad führt zu Rekord-Wartezeiten

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Im Freibad Rosental in Stuttgart verzeichneten die Bäderbetriebe am vergangenen Mittwoch so viele Badegäste wie noch nie. Vor dem Sprung ins kühle Nass mussten die Badegäste aber viel Geduld beweisen...

Hier ist Geduld gefragt: Vor dem Sprung ins kühle Nass mussten die Badegäste am Mittwoch teils lange Schlangen stehen. Foto: Eyb
Hier ist Geduld gefragt: Vor dem Sprung ins kühle Nass mussten die Badegäste am Mittwoch teils lange Schlangen stehen. Foto: Eyb

Filder - Zwei Stunden habe ihr Sohn am Mittwoch an der Kasse angestanden, berichtet Sandra Salveter. Der Elfjährige wollte sich zusammen mit einem Freund nach der Schule abkühlen. Bis das den Kindern möglich war, verging allerdings einige Zeit. Erst nach 17 Uhr hätten es die Kinder an den Kassen vorbeigeschafft, viel Badezeit blieb ihnen dann nicht mehr. „Die Jungs waren verständlicherweise gefrustet“, erzählt Salveter. Das Freibad im Rosental hat drei Kassen. Allerdings seien am Mittwoch nicht alle besetzt gewesen, sagt die Mutter aus Echterdingen. „Wenn so ein Wetter angekündigt ist, muss man das doch besser organisieren können, mehr Personal einplanen“, so Salveter.

Die Stuttgarter Bäderbetriebe werben derweil für Verständnis. „Mittwoch war Großkampftag“, sagt der Sprecher Jens Böhm. In Zahlen ausgedrückt heißt das, dass 12 710 Besucher die Kassen im Freibad Rosental passierten. „Das ist der absolute Höchstwert. So viele Badegäste hatten wir noch nie im Rosental“, so Böhm. Zum Vergleich: der Spitzenwert im vergangenen Sommer lag bei 6839 Besuchern.

Großkampftag für das Freibad Rosental

Auch am Möhringer Freibad bildete sich am Mittwochnachmittag eine Schlange von der Kasse bis auf den Parkplatz. Dort waren beide Kassen besetzt gewesen, mehr war also nicht möglich. „Dort hatten wir mit 5579 Badegästen auch weit weniger Besucher als in Vaihingen“, sagt Böhm. „Und das ist kein Wert, bei dem wir nicht mehr hinterher kämen.“ Die Wartezeit in Möhringen sei „nicht allzu lang“ gewesen.

Warum ausgerechnet am Mittwoch so viele Badegäste in die Freibäder strömten, dafür hat der Pressesprecher keine Erklärung. „Wir wussten, dass es eine heiße Woche wird. Aber am Dienstag waren circa 7800 Besucher im Rosental, am Donnerstag 6500 – also deutlich weniger als Mittwoch.“ Es seien nur zwei der drei Kassen besetzt gewesen. Teilweise habe der Schwimmbadleiter an der dritten Kasse ausgeholfen. „Aber erstens hat auch das bei diesem Ansturm nicht ausgereicht, und zweitens wurde seine Person dann im Bad gebraucht“, sagt Böhm. Von zwei Stunden Wartezeit will er indes nicht sprechen. Nach Rücksprache mit den Mitarbeitern in Vaihingen seien es eher eine, maximal anderthalb Stunden gewesen.

Mit der Dauerkarte an der Schlange vorbei

Personal stehe in diesem Sommer genug zur Verfügung – zumindest für den „normalen“ Betrieb. „Mit mehr als 12 000 Badegästen konnten wir unmöglich rechnen“, sagt der Sprecher der Bäderbetriebe. Für die Mitarbeiter sei das natürlich eine Herausforderung. Für das Wochenende allerdings ist man gewappnet. „Wir werden am Samstag alle drei Kassen besetzen“, sagt Böhm. Es springe eine Kollegin ein, die eigentlich frei gehabt hätte. „An dieser Stelle möchte ich allen Mitarbeitern danken, die an solchen Tagen alles geben. Bei diesen Temperaturen ist das ein Knochenjob.“ Er plädiert an die Badegäste, ihren Frust nicht am Personal auszulassen, wenn es an den Kassen mal länger dauert.

Die Bäderbetriebe haben noch einen Tipp für die Badegäste: Es gibt in jedem Freibad Mehrfachkarten beziehungsweise Saisonkarten. „Damit kann man an der Kassenschlange vorbei gehen und die Tickets direkt entwerten“, sagt Böhm. Man spart sich also das lange Anstehen.

Modernere Systeme für die Stuttgarter Freibäder

Sandra Salveter überlegt derweil, das nächste mal wieder das Fildorado anzusteuern, dort seien immer genug Kassen offen. „Da waren die Schlangen noch nie so lang wie am Mittwoch in Vaihingen“, sagt die Echterdingerin. Fakt ist, dass es im Rosental eben nur drei Kassen gibt. Bei den Bäderbetrieben weiß man um den Optimierungsbedarf. „Im Zuge des Bäderentwicklungsplans 2030 wollen wir auch die Sommerbäder angehen“, sagt Böhm. Die Eingangsbereiche sollen moderner und leistungsfähiger werden, es soll die Möglichkeit bestehen, Onlinetickets zu erwerben. „Wir wollen die Gäste zügiger ins Bad bringen“, sagt der Sprecher. Das lasse sich aber nicht überall gleichzeitig umsetzen.

Stuttgart hat fünf Freibäder. Wann genau Vaihingen und Möhringen dran sind, darüber kann Böhm keine Auskunft geben. Zunächst müssten erst Mittel für die Modernisierung bereitgestellt werden, der Bäderausschuss des Gemeinderats müsse dem Vorhaben zustimmen. „Aber wir wollen alle Stuttgarter Freibäder mit modernerer Technik ausstatten“, versichert Böhm. „Das würde vieles einfacher machen.“ Und lange Schlangen wie am Mittwoch wären damit hoffentlich passé.

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