Stuttgart - Protzen ist nicht seine Art. Rainer Franke ist einer, der seine Ziele beharrlich verfolgt, aber eher geräuschlos erreichen will. Seit dem Jahr 2007 leitet er die Hochschule für Technik (HFT) am Stuttgarter Unipark – als Rektor, nicht als Hochschulmanager, wie er betont. Jetzt, mit 65, geht er in den Ruhestand. Die Bilanz seiner zwei Amtszeiten kann sich sehen lassen. Auch, aber nicht nur in Zahlen.
Denn in diesen 13 Jahren hat sich die Zahl der Studierenden von 2161 auf 3926 fast verdoppelt. Und von den mittlerweile 32 Studiengängen wurden neun in Frankes Amtszeit eingerichtet. Zu den Besonderheiten gehört, dass die Mehrheit davon Masterstudiengänge sind: 18 sind es. „Das war für uns noch mal ein Sprung in der Qualität“, meint Franke im Blick auf die höhere Zahl an Studiensemestern – auch im Vergleich zum Diplom.
Doch das Qualitätsniveau bei den Studierenden zu halten, deren Voraussetzungen immer unterschiedlicher seien, hatte der Rektor bereits bei seiner Wiederwahl vor sieben Jahren als wichtiges Ziel genannt. Dass diese einstimmig erfolgt war, darauf ist er heute noch stolz. Und dass am Ziel gearbeitet wurde, dazu tragen noch bis zum Jahresende die Mittel aus dem Qualipakt Lehre bei, die die HFT für ihr Konzept aus dem Bund-Länder-Programm ziehen konnte.
Dabei habe sich nicht nur der Schwerpunkt in der Matheförderung für angehende Ingenieure bewährt. Durch eine Vorgriffsprofessur konnte ein promovierter Mathe-Gymnasiallehrer dafür gewonnen werden. Doch auch die Unterstützung der Anfänger in der Studieneingangsphase sei nützlich: „Man streckt zwei auf drei Semester – dadurch kriegen sie Luft, um ihre Defizite auszugleichen“, so Franke.
Manche Stipendiaten mussten zuvor zur Bewerbung erst überredet werden
Luft verschaffen vielen Studenten auch die Stipendien. Mehr als tausend seien es seit dem Jahr 2011 gewesen. Allein im vergangenen Jahr habe man für die 179 Stipendiaten weit mehr als 400 000 Euro ausgeschüttet. 102 von ihnen wurden per Deutschlandstipendium gefördert, 79 durch die hochschuleigene Stiftung, die die HFT 2011 ins Leben gerufen hat. „Das motiviert sie unheimlich“, weiß Franke. Aber nicht alle Studenten strotzen vor Selbstbewusstsein. „Wir mussten viele erst mal überreden, sich zu bewerben.“
Stolz ist der scheidende Rektor auf die Forschungsvorhaben, die die HFT als Hochschule für angewandte Wissenschaften einwerben konnte, darunter so gewichtige wie das M4_Lab, wo es um energieeffiziente Stadtentwicklung, nachhaltiges Wirtschaften und Produzieren in der Metropolregion Stuttgart geht. Oder auch iCity, wo es um die intelligente, lebenswerte und nachhaltige Stadt der Zukunft geht und das Bundesforschungsministerium gerade weitere 4,5 Millionen Euro bewilligt hat. Bei solchen Themen – auch Verkehr, Flächenverbrauch, Wohnungsmarkt – werde der Beitrag der Hochschulen immer wichtiger, meint Franke – nebenbei erhöhe es auch ihre Sichtbarkeit. Und: „Wir sind keine Kostenfaktoren, wir sind Investitionen.“ Die erklärte Lieblingsgrafik Frankes zeigt die eingeworbenen Drittmittel. Das Balkendiagramm reicht von 2,1 Millionen Euro im Jahr 2008 bis zu 7,4 Millionen Euro im Jahr 2019.
Das Ende der Raumnot und ein autofreier Campus bleiben vorerst Wunschträume
Nicht gelungen ist es Franke, den Raumengpass der HFT zu beseitigen. „Wir haben aktuell einen Fehlbedarf von 8000 Quadratmetern – trotz des Neubaus.“ Aber der zweite Bauabschnitt scheint nicht zuletzt durch Corona in weite Ferne gerückt. Auch die Idee eines autofreien Campus konnte noch nicht verwirklicht werden. „Dabei würde der gut zu einer klimaneutralen Hochschule passen, die wir werden wollen“. Die Stadt habe gesagt, Tempo 30 reicht – „uns nicht“, hält Franke dagegen. Die von ihm und auch von den Nachbarn – Uni Stuttgart und Duale Hochschule Baden-Württemberg – erhoffte Aufwertung des Quartiers hat Franke noch nicht verloren gegeben. Angeblich soll es mit dem Masterplan vorangehen. Dabei hilft auch gute Nachbarschaft. Jedenfalls entwickle man gerade mit Uni und DHBW ein Raumkonzept für ein Lernhaus neben der Bibliothek.
Womit der Rektor gar nicht gerechnet hätte: „Wir sind gerade als digitale Hochschule von Studycheck ausgezeichnet worden.“ Dabei habe Corona die HFT „lawinenartig“ getroffen. Aber via Instagram habe man sofort direkten Kontakt mit den Studierenden halten können. Und dass die 380 Lehrbeauftragten sich derart reingehängt haben. „Das hat mich schwer beeindruckt“, so Franke.
Am 1. September übernimmt Katja Rade die Amtsgeschäfte von Franke. Als erste Frau an der Spitze der HFT und gleich im ersten Wahlgang von Hochschulrat und Senat gewählt. Beides freut Franke.