Release-Party von Die Nerven in Stuttgart Alles so schön kaputt hier

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Die Nerven sind die aktuell wichtigste Band Stuttgarts. Am Donnerstag haben sie im Club Schocken ihr Album „Fun“ vorgestellt – in einem düsteren Keller. Doch der Raum passt gut zur Musik. Und man war schließlich nicht da, um gute Laune zu kriegen.

Wir gehen in den Keller, um mal gemeinsam zu leiden: Die-Nerven-Fans lassen bei der Release-Party des Albums „Fun“ im Schocken in Stuttgart alles raus. Weitere Bilder vom Konzert am Donnerstag zeigen wir in der folgenden Bilderstrecke. Foto: Jan Georg Plavec 16 Bilder
Wir gehen in den Keller, um mal gemeinsam zu leiden: Die-Nerven-Fans lassen bei der Release-Party des Albums „Fun“ im Schocken in Stuttgart alles raus. Weitere Bilder vom Konzert am Donnerstag zeigen wir in der folgenden Bilderstrecke. Foto: Jan Georg Plavec

Stuttgart - Warum nur? Warum feiern Die Nerven – also die derzeit am meisten (weil einzige?) im bundesdeutschen Pop-Feuilleton diskutierte Band Stuttgarts – ihre Album-Release-Party im Keller des Stuttgarter Clubs Schocken? Warum gehen sie in einen engen Raum mit schwarz angemalten Wänden und Löchern in der Decke, um ihr Album „Fun“ vorzustellen? Ein Album, das in der Popkritik als „eine der wichtigsten und besten deutschsprachigen Platten dieses Jahrzehnts“ („Spiegel Online“), „ehrlich und klug“ (plattentests.de), „pädagogisch wertvolles Ohrenbluten“ („Der Standard“),„eine prima ‚Fuck You’-Platte“ („Visions“), für die „Wirkung von unmittelbarer Kraft“ („Intro“) oder als „großartiges Epos spätadoleszenter Unsouveränität“ („Süddeutsche Zeitung“) gefeiert wird?

Darum. Und weil es zu Die Nerven passt.

Das Trio aus Stuttgart ist ja nicht angetreten, um den Leuten ein wohliges Gefühl im Bauch zu verschaffen. Zumindest nicht im herkömmlichen Sinn. Möglichst laut soll es zugehen, kaputt, düster und hoffnungslos. Man will sich nicht an Konventionen halten und – natürlich – auch niemandem gefallen, sich zumindest niemandem anbiedern. Insofern ist es konsequent, das besagte Album in einem dunklen Keller vorzustellen, in den siebzig Leute passen und auch nicht mehr reingelassen werden.

Außenseiter, Vertreter einer ganzen Generation?

Das klingt alles nach Punk, ist aber viel überlegter. Die Nerven werden mit ihrem „kaputt“ klingenden Noiserock gern als lärmende Außenseiter, zugleich aber typische Vertreter ihrer Generation wahrgenommen: Alles ist hin, keine Hoffnung, Wirtschaftskrise, aber wütend sind wir trotzdem. Es ist allerdings keine blinde Zerstörungswut, die da in zerhackten Gitarrenriffs und bohrendem Bass-Sound ausgedrückt wird; eher eine nach innen gekehrte, resignative Wut.

Das klingt dann so:

 

„Alles wie gehabt“, singt der Gitarrist und Sänger Max Rieger, „ich stehe morgens auf und gehe abends schlafen / Wolken versperren die Sicht“. Das klingt so dermaßen nach den Städten der betongrauen alten BRD, dass all das Gerede über revitalisierte Innenstädte, einen neuen Politikstil oder den allgemeinen Wohlstand nur noch wie bloße Propaganda klingt. „Nur für eine Minute schweben / alles wäre gut“, singt Rieger. Eine Drogenvision ist es nicht. Man will einfach mal wieder den Himmel sehen, die Sonne. Und Systemkritik steckt auch drin: „Nichts hat sich verändert / Alles wie gehabt /Ich liege gut, ich liege weich.“

Das ist also der Rahmen für den Donnerstagabend im Schocken-Keller, der von Angelo Fonfara eröffnet wird. Dem fällt gleich zu Beginn des Konzerts die Brille von der Nase und etwas später die Drummachine vom Ständer. Das macht die Solo-Show aber nur besser, zumal Fonfara inhaltlich mit Die Nerven voll auf Linie ist. „Die meisten Innenstädte sehen aus wie Vorstädte“, singt er zu monotonen Beats und zerhackten Gitarrenriffs.




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