Religion in Stuttgart Kirche will 34 Gemeinden streichen

Die katholischen Kirchen kämpfen mit einem Mitgliederschwund. Foto: Zweygarth
Die katholischen Kirchen kämpfen mit einem Mitgliederschwund. Foto: Zweygarth

Stadtdekan Hermes legt ein millionenschweres Sparkonzept vor. Geplant ist die Konzentration auf zwölf Großeinheiten. Auch die Immobilien stehen auf dem Prüfstand. Dagegen soll die Zahl der Pfarrstellen bleiben. Und es soll auch Neues entstehen.

Lokales: Viola Volland (vv)
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Stuttgart - Die katholische Kirche reagiert auf den beständigen Mitgliederschwund mit einem Konzept, das Stadtdekan Christian Hermes zufolge „Signalwirkung“ für die gesamte Diözese hat. So verbindet das Konzept „Aufbrechen“ eine Neuausrichtung, wie sich die Kirche in Stuttgart aufstellt, mit der Haushaltskonsolidierung. „Ich mag keine halben Sachen – wenn, dann wollen wir es gleich richtig machen“, sagt Hermes.

Der Vorlage zufolge sollen die Gemeindegrenzen verändert werden und die 46 Gemeinden in zwölf Großgemeinden aufgehen, um Verwaltungskosten zu sparen. Dem untergeordnet stehen die „Teil-Kirchengemeinden“. Das bedeutet: das Seelsorgeangebot bleibt erhalten, die Verwaltungen werden zusammengelegt. Außerdem will sich die Kirche von Immobilien trennen. Die Kosten für den Unterhalt der Immobilien sollen um 40 Prozent, die Personalkosten um zehn Prozent bis 2018 reduziert werden.

Investitionen sind geplant

Das Konzept sieht durchaus auch vor, dass investiert wird: So sollen neue Zentren entstehen. Hermes nennt diese Zentren „neue pastorale Orte“, mit denen die Kirche im Stuttgarter Stadtleben präsent sein will. Zwei Beispiele solcher Zentren gebe es bereits mit dem Haus der Katholischen Kirche in der Königstraße und dem Hospiz St. Martin in Degerloch. Hermes schweben zudem Zentren für Kinder und Familien vor, ein jugendpastorales sowie ein spirituelles Zentrum, aber auch die Einrichtung eines sogenannten Kolumbariums: eine Kirche würde als Bestattungsort für Urnenbestattungen genutzt. Eine Zielgruppe seien beispielsweise Menschen ohne Angehörige.

Vorerst handele es sich bei „Aufbrechen“ um eine „Beratungsvorlage“, betont der Stadtdekan, dieses werde nun in den Gemeinden beraten – die letzten Beschlüsse sollen Ende 2013 fallen. „Es ist uns wichtig, die Menschen in Stuttgart zu beteiligen“, betont Hermes. „Es gibt so viel Beteiligung wie möglich und so viele Vorgaben wie nötig“, verspricht der Stadtdekan, der auch der Projektleiter von „Aufbrechen“ ist. Wobei eine Vorgabe für ihn unmissverständlich klar ist: zu sparen. Das Einsparziel von „Aufbrechen“ beträgt knapp vier Millionen Euro pro Jahr.

Am Dienstag hat Hermes die Beratungsvorlage an die Gemeinden geschickt. Bisher habe es keinen Sturm des Protests gegeben. Nun seien die Gemeinden gefordert. Sie sollen ein Profil bilden, das zu ihrem Umfeld passt. „Dieses Profil macht die Gemeinde erkennbar und unterscheidbar im gesellschaftlichen Umfeld“, steht in der Beratungsvorlage.

Verwaltungskosten sparen

Der Stadtdekan betont auch, dass es darum gehe, Verwaltungskosten zu sparen, nicht, die Seelsorge einzuschränken. So sei nicht vorgesehen, Pfarrstellen zu streichen. Die Sekretariate sollen zusammengelegt werden, es solle nur einen Kirchengemeinderat pro Gemeinde geben.

Was die Immobilien angeht, hat Hermes keine Liste vorgelegt, welche Gemeindegebäude und Kirchen aufgegeben werden sollen. Aber es sei ein Bewertungsinstrument entwickelt worden mit einem Punktesystem, das alle Gebäude durchlaufen. Am Ende dessen steht auch, „Standorte ohne kirchliche Funktion“ aufzugeben. Hermes kann sich aber auch vorstellen, auf großen Grundstücken kleinere Neubauten zu errichten, die der Zahl der Gemeindemitglieder angemessen ist – und den Rest des Grundstücks zu verkaufen.

Freiräume für die Seelsorge

Bei seinen Vorhaben weiß er Bischof Gebhard Fürst hinter sich. „Manches, was in den vergangenen Jahrzehnten gewachsen und uns lieb und teuer geworden ist, wird so nicht fortgesetzt werden können“, schreibt der Bischof in einem aktuellen Brief an die „Schwestern und Brüder im Stadtdekanat Stuttgart“. Einfachere und modernere Verwaltungsstrukturen würden gebraucht, um Freiräume für eine Seelsorge zu schaffen, die den Menschen nahe ist, so Fürst weiter in seinem Brief.

Bei der evangelischen Kirche ist nicht geplant, mit einem ähnlichen Konzept nachzuziehen. Natürlich seien auch ihnen die sinkenden Mitgliederzahlen bewusst, sagt Klaus Käpplinger vom evangelischen Stadtdekanat. In 20 Jahren hätten sich die Gemeindemitgliederzahlen halbiert. „Aber wir sind gut aufgestellt“, befindet Käpplinger. Das eigene Konsolidierungsprogramm laufe seit 1999 – man habe sich bereits von Gebäuden getrennt, Pfarrstellen reduziert, Gemeinden zusammengelegt. Und der Prozess geht weiter: So werden die Heilandskirchengemeinde und die Gemeinde Stuttgart-Berg fusionieren. „Was die katholische Kirche plant, kommt mir alles sehr bekannt vor“, meint Käpplinger.




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