Rems-Murr-Helfer bei der Flut Menschen per Radlader aus Gebäuden geholt

Einige Orte im  Katastrophengebiet konnten nicht mehr angefahren werden Foto: /DRK
Einige Orte im Katastrophengebiet konnten nicht mehr angefahren werden Foto: /DRK

Einige Helfer des DRK aus dem Rems-Murr-Kreis berichten vom Einsatz in Katastrophengebieten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.

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Waiblingen - Mit einem Großaufgebot an Einsatzkräften hat das Rote Kreuz Baden-Württemberg bereits am Donnerstag die Menschen in den Katastrophengebieten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen unterstützt. Auch ehrenamtliche Einsatzkräfte aus dem Rems-Murr-Kreis waren in der Akutphase vor Ort, berichtet Pressesprecher Christian Siekmann.

Krankenhaus und Pflegeheim evakuiert

Isabell Hoffmann und Hannes Häbich vom DRK-Ortsverein Sulzbach, sofort am Donnerstag im Notfallkrankentransportwagen ins Krisengebiet nach Rheinland-Pfalz gefahren, erhielten am späten Donnerstagabend den Auftrag, ein Krankenhaus zu evakuieren. Kurz vor Mitternacht folgte in Bad Neuenahr-Ahrweiler die Räumung eines Pflegeheims. Das Erdgeschoss war überschwemmt. Es galt, gemeinsam mit Feuerwehr und THW die 56 Bewohner aus dem ersten und zweiten Stock eines Pflegeheims zu holen – um zwei Uhr nachts, bei Starkregen und ohne Strom. Rettungshelferin Isabell Hoffmann: „Die Leute wurden mit Radlader aus dem Gebäude geholt“.

Nahrungsmittel und Lebensmittel, die für die Helfer gedacht waren, wurden noch in der Nacht an die Menschen verteilt. „Da waren Menschen, die hatten nichts mehr. Ihr Haus war weggeschwemmt worden oder bis in die zweite Etage von Wasser und Schlamm überschwemmt“, erzählt Isabell Hoffmann. Nichts habe mehr funktioniert: Keine Grundversorgung, Strom weg, Brücken weg, Häuser weg, Straßen weg, Internet weg. Mitunter kein Funk oder Telefon. „Im Epizentrum der Katastrophe herrschten Chaos und Verwüstungen, aber die Leute waren freundlich, die Hilfsbereitschaft beeindruckend.“

Lob für die Zusammenarbeit

Irgendwann sei ihr klar geworden, dass unter einigen Trümmerbergen Leichen liegen dürften. Dankbar ist sie daher, dass sie nach ihrer Rückkehr am Freitag ein Gesprächsangebot der Mitarbeiter der psychosozialen Notfallversorgung des DRK Rems-Murr erhielt, das sie am Samstag annahm. Die Zusammenarbeit vor Ort und auch im Nachgang sei hervorragend gewesen.

Bereits am Samstag machte sich ein zweites Team aus dem Rems-Murr-Kreis, ebenfalls nach Aufforderung aus dem Innenministerium Baden-Württemberg auf den Weg ins Katastrophengebiet. Ein Helfer-Duo des DRK-Ortsvereins Winnenden, an Bord eines Notfallkrankentransporters, den das Land zur Verfügung stellte. Da ihr Verband aus 32 Krankentransportwagen geschlossen agieren sollte, standen sie die ersten Stunden in Wartestellung, um flexibel reagieren zu können. Später übernahmen sie die Gebietsabsicherung, betreuten die Menschen vor Ort, versorgten sie und gaben Nahrung und Getränke aus. „Je nach Lage ist die Situation vor Ort wie im Krieg“, schildert auch Zugführer Christian Franck, der gemeinsam mit Rettungssanitäterin Carolin Häußer von Samstag bis Dienstagnacht in Rheinland-Pfalz tätig war. Erschüttert ist er über die Zustände im Katastrophengebiet. Ortsteile seien nicht oder kaum anfahrbar, überall hätten Krankentransportwagen gestanden, um vor Ort eingreifen zu können.

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Im Rems-Murr-Kreis bereitete sich derweil der DRK-Einsatzstab darauf vor, bei Anforderung durch die Katastrophenschutzbehörden weitere Einsatzmittel in das Katastrophengebiet zu schicken. Die ehrenamtlichen Einsatzkräfte sind 24 Stunden täglich und innerhalb kürzester Zeit einsatzbereit, erläutert dazu Kreisbereitschaftsleiter Heiko Fischer die Strukturen. „Insgesamt kann das DRK Rems-Murr auf mehrere Hundert Ehrenamtliche zurückgreifen.“




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