Dr. Harald Bareth, hier mit seiner Ehefrau bei der Abschiedsfeier in der Rems-Murr-Klinik, war einst Gründungsmitglied der Rockband Anyone’s Daughter, bei der er als Sänger und Bass-Gitarrist wirkte. Foto: RMK/Lichtgut/Julian Rettig
Der langjährige Radiologie-Chef war nicht nur Mediziner – seine Abschiedsfeier in der Rems-Murr-Klinik in Schorndorf verriet eine völlig andere Seite von ihm.
Zwanzig Jahre lang stand Dr. Harald Bareth an der Spitze der Radiologie der Rems-Murr-Klinik Schorndorf. Nun hat er den Staffelstab weitergegeben, an einen vertrauten Kollegen. Seit dem 1. Januar ist Dr. Tobias Wingert neuer Chefarzt der Abteilung für Diagnostische und Interventionelle Radiologie.
Wie die Rems-Murr-Kliniken mitteilen, ist dieser Wechsel mehr als eine Personalrochade. Er sei das wohlüberlegte Ergebnis einer vorausschauenden Nachfolgeplanung.
Abschied mit Musik und Stolz: Bareths Vermächtnis bleibt
Bareth, der die Abteilung seit 2004 aufgebaut und geprägt hat, wurde mit einer kleinen Feier verabschiedet. Die Zeremonie, wie sie in einer Pressemitteilung beschrieben wird, war offenkundig von Wertschätzung, Musik und einem leisen Stolz geprägt: auf das, was war, und auf das, was kommt.
„Ein Chefarzt, wie man ihn sich wünscht“, würdigte Landrat Richard Sigel den scheidenden Mediziner – nicht nur für seine fachliche Expertise, sondern auch für seine menschliche Zugewandtheit. Bareth habe mit seinem Wirken „die Rems-Murr-Klinik Schorndorf im positivsten Sinne geprägt“. Besonders die Wirbelsäulenmedizin, die heute als eines von europaweit nur 45 sogenannten Exzellenzzentren für Wirbelsäulenchirurgie gilt, trage deutlich seine Handschrift.
Auch Klinik-Geschäftsführer André Mertel betonte Bareths Bedeutung für die gesamte medizinische Zusammenarbeit: „Er hat unserer Radiologie ein Gesicht gegeben und war ein wertvoller Sparringspartner auf Augenhöhe.“
„Ideallösung“: Dr. Wingert übernimmt mit Empathie und Teamgeist
Dr. Tobias Wingert kennt die Klinik, das Team und die Strukturen und war seit 2024 als leitender Oberarzt eng eingebunden. Mertel spricht von einer „Ideallösung“, auch weil Wingert medizinische Expertise mit Empathie und Teamgeist verbinde.
Der neue Chefarzt denkt nach vorn: „Medizin entwickelt sich stetig weiter, und wir müssen uns mit ihr weiterentwickeln.“ Auf seiner Agenda stehen der Ausbau moderner Diagnostik, die Einführung neuer Therapieverfahren, die Ausbildung des medizinischen Nachwuchses und die engere Verzahnung mit dem Standort Winnenden.
Ein Chefarzt mit Rocker-Vergangenheit: Bareth überrascht
Am Ende seiner Amtszeit griff Bareth zur Gitarre und brachte der Festgesellschaft ein Ständchen. Dabei enthüllte sich, was längst nicht alle wussten: Der Mediziner war in den 1980er Jahren Mitgründer der Rockband „Anyone’s Daughter“. Und die liege, verriet Landrat Sigel, aktuell mit einem Hit namens „Moria“ in den SWR-Charts noch immerhin auf Platz 444.
Auch der Ruhestand wird für ihn kein stiller sein. In einer Waiblinger Radiologiepraxis will der 66-Jährige weiterhin sein Wissen einbringen, wenn auch in reduzierter Form.
„Vor Ihnen steht ein glücklicher Mensch“, soll er zum Abschied gesagt haben. Ein Satz, der bleibt. Wie die Spuren seiner Arbeit und die Musik, mit der er ging.