Rems-Murr-Kliniken Die Grippewelle rollt: Wie ist die Lage im Rems-Murr-Kreis?

, aktualisiert am 10.02.2026 - 13:55 Uhr
Winterzeit ist Influenza-Zeit, die unter anderem mit Fieber, Husten, Schnupfen und Gliederschmerzen daher kommt. Wie sieht die Lage bei den Erkrankungen im Rems-Murr-Kreis aus? (Symbolfoto). Foto: IMAGO/Westend61

Die Grippewelle ist spürbar – doch wie hoch sind die Inzidenzen wirklich? Ärzte aus dem Rems-Murr-Kreis ordnen aktuelle Zahlen und Entwicklungen ein.

Volontäre: Marie Part (par)

Viele Krankschreibungen, volle Wartezimmer und steigende Infektionszahlen: Die Grippewelle nähert sich ihrem Höhepunkt – auch im Rems-Murr-Kreis. Anfang Februar rechnen Fachleute mit den höchsten Fallzahlen der Saison – eine Phase, die oft mit der Faschingszeit zusammenfällt. Viele Kontakte, volle Innenräume und Reisen begünstigen die Verbreitung von Influenza-Viren.

 

Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) und der AOK Baden-Württemberg belegen, dass die Grippe in diesem Winter wieder ordentlich umhergeht. Gleichzeitig mahnen Experten, den Zahlen eine zu große Bedeutung beizumessen.

Grippefälle im Rems-Murr-Kreis: Statistik zeigt nur Teil der Realität

Nach RKI-Daten lagen die im Labor diagnostizierten Influenza-Fälle in Baden-Württemberg in der vierten Kalenderwoche bei 24,1 pro 100.000 Einwohner. Für den Rems-Murr-Kreis lag der Wert mit 12,5 Fällen pro 100.000 Einwohner deutlich darunter. Diese Zahlen bilden jedoch nur einen Teil des tatsächlichen Infektionsgeschehens ab.

„Die Zahlen erfassen längst nicht alle Erkrankungen“, erklärt Dr. Torsten Ade, Leiter der Krankenhaushygiene der Rems-Murr-Kliniken. Denn nur ein Teil der Atemwegsinfekte werde überhaupt labortechnisch bestätigt. Viele Erkrankte ließen sich gar nicht testen oder nutzten Schnelltests zu Hause, die nicht in die Statistik einfließen.

Dr. Torsten Ade (links), Dr. Angela Rothermel (Mitte) und Prof. Dr. Ralf Rauch (rechts) ordnen die aktuelle Influenza-Lage ein. Foto: Gottfried Stoppel

Die Unterschiede zwischen den Landkreisen seien dem Zufall geschuldet, so Dr. Torsten Ade. „Einzelne Ausbrüche, etwa in Schulklassen oder Betrieben, können die Statistik kurzfristig deutlich verändern“, erklärt er. Aussagekräftiger sei der Verlauf über mehrere Wochen und der Blick auf größere Regionen.

Warum die meisten Grippekranken nicht in der Klinik landen

Wie hoch die Anzahl an Influenza-Fällen im Rems-Murr-Kreis tatsächlich ist, lässt sich anhand eines Blickes in die Kliniken nur schwer sagen. Denn in den Notaufnahmen und Stationen der Krankenhäusern kommen vor allem Patienten an, bei denen die Erkrankung schwer verläuft oder Vorerkrankungen vorliegen.

Das Rems-Murr-Klinikum Winnenden: In der Grippesaison behandeln Ärzte vor allem Patienten mit schweren Verläufen oder Vorerkrankungen. Foto: Gottfried Stoppel

„Wir sehen im Krankenhaus immer nur die Spitze des Eisbergs“, sagt Dr. Angela Rothermel, Chefärztin der Notaufnahme an der Rems-Murr-Klinik Schorndorf. Viele Erkrankte könnten sich zu Hause auskurieren, in die Klinik kämen vor allem Menschen mit einem sehr starken Krankheitsgefühl.

„Die echte Grippe überrascht viele Patienten“

Die häufigsten Symptome seien sehr hohes Fieber, starke Kopfschmerzen, Müdigkeit, Gliederschmerzen, trockener Husten und manchmal ein bisschen Schnupfen. „Viele Patienten sind überrascht. Die denken, so eine Erkältung, die hat man jedes Jahr – und dann kommt dann doch die echte Grippe“, sagt die Chefärztin. Die Infektion sei dann ungleich härter und schwerer als ein normaler, viraler Infekt.

Aktuell werden am Standort Schorndorf zehn Influenza-Patienten stationär behandelt. Am Standort Winnenden sind es 23, davon drei auf der Intensivstation. Eine Woche zuvor lagen dort 22 Patienten mit Influenza, vier davon intensivpflichtig. „Das ist ein fließendes Geschehen“, sagt Rothermel. „Die Zahlen ändern sich täglich, und wir bewegen uns im Rahmen dessen, was wir aus anderen Wintern kennen.“

Kinder besonders betroffen – aber kein Ausnahmejahr

Auch in der Kinderklinik am Rems-Murr-Klinikum in Winnenden ist Influenza ein präsentes Thema. Prof. Dr. Ralf Rauch, Chefarzt der Kinderklinik, berichtet, dass im vergangenen November und Dezember rund 100 Kinder ambulant wegen Influenza behandelt wurden. In diesem Zeitraum wurden zudem um die 65 Kinder stationär aufgenommen.

Doch „das ist für einen Winter nichts Ungewöhnliches“, sagt Rauch. Die aktuelle Saison unterscheide sich weder in der Schwere noch in der Häufigkeit deutlich von früheren Jahren. Deutlich spürbar sei allerdings die gleichzeitige Zirkulation mehrerer Erreger – darunter auch RSV, Covid-19 und bakterielle Infektionen wie Streptokokken. Gerade bei Säuglingen und Kindern mit Vorerkrankungen könne dies zu schweren Verläufen führen.

Impfung bleibt der wichtigste Schutz

In einem Punkt sind sich alle drei Mediziner einig: Die Influenza-Impfung bleibt der wirksamste Schutz vor schweren Verläufen. „Die schwer erkrankten Patienten sind überwiegend ungeimpft“, sagt Ralf Rauch. Während die Impfquote bei Menschen über 60 Jahren gestiegen sei, bleibe sie bei Jüngeren niedrig. „Viele unterschätzen die echte Grippe und verwechseln sie mit einem grippalen Infekt“, sagt Torsten Ade. Oft ändere sich diese Einstellung erst nach einer schweren Erkrankung.

Die Grippe-Saison beginnt üblicherweise Ende November und endet Anfang bis Mitte März – „also noch etwa vier bis sechs Wochen würde ich sagen“, so der Leiter der Krankenhaushygiene. Auch für Menschen, die diese Saison noch nicht gegen Grippe geimpft wurden, könne eine Impfung noch sinnvoll sein. „Die Wirkung setzt allerdings erst nach etwa zehn bis 14 Tagen ein.“

Grippe: Das i st jetzt wichtig

  • Bei hohem Fieber oder Atemnot: ärztlich abklären lassen
  • Risikogruppen besonders vorsichtig: Ältere, chronisch Kranke, Schwangere
  • Impfung lohnt sich weiterhin: Auch mitten in der Saison noch möglich
  • Hygiene hilft: Hände waschen, Abstand halten, Maske bei Symptomen

Für die drei Mediziner steht fest: Die aktuelle Grippesaison ist im Rems-Murr-Kreis spürbar, aber keine Ausnahmesituation. Die Zahl der Inzidenzen und Krankschreibungen können das tatsächliche Infektionsgeschehen nur unvollständig abbilden. Entscheidend bleibt, die Lage realistisch einzuordnen – für Patienten ebenso wie für die Kliniken.

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