Rems-Murr-Kreis Corona-Lage spitzt sich zu

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Trotz noch vergleichsweise guter Coronazahlen bereitet sich der Rems-Murr-Kreis auf eine kritische Lage vor. In Fellbach setzt das Landratsamt erstmals ein „Infektomobil“ ein.

Das Infektomobil vor dem Landratsamt mit dem Ersten Landesbeamten Peter Zaar,  der Sozialdezernentin Stefanie Böhm Landrat Richard Sigel Foto: Rems-Murr-Kreis
Das Infektomobil vor dem Landratsamt mit dem Ersten Landesbeamten Peter Zaar, der Sozialdezernentin Stefanie Böhm Landrat Richard Sigel Foto: Rems-Murr-Kreis

Rems-Murr-Kreis - Noch ist die kritische Zahl nicht erreicht, in den vergangenen sieben Tagen wurden im Rems-Murr-Kreis bezogen auf 100 000 Einwohner „nur“ 18 Coronainfektionen registriert. Von 35 an müsste der Kreis mit Maßnahmen reagieren, etwa mit Restriktionen für private Feiern. Doch diese Zahl könne – wie in Esslingen oder Stuttgart bereits der Fall – schnell erreicht sein, warnt der Landrat Richard Sigel. Die Lage spitze sich zu: „Ein, zwei lokale ,Hotspots’ können genügen, dann erreicht auch der Rems-Murr-Kreis die Vorwarnstufe“.

Mobiler Einsatz in Flüchtlingsheim

Man habe sich auf dieses Szenario aber frühzeitig vorbereitet. Bereits im Sommer, als die Zahlen relativ niedrig waren, habe man sich besonders für den Umgang mit Einrichtungen wie Schulen, Kitas, Seniorenheimen und Flüchtlingsunterkünften gewappnet. Das Konzept, an dem laut dem Landrat auch der Pandemiebeauftragte der Kreisärzteschaften, der Allgemeinarzt Jens Steinat aus Oppenweiler, federführend beteiligt war, sieht unter anderem ein sogenanntes Infektomobil vor. Mit diesem Fahrzeug sollen bei regionalen Schwerpunkten schnell und flexibel Tests durchgeführt werden können.

Bisher war dies eine ungenutzte Option. Am Freitag allerdings ist das Infektomobil erstmals zum Einsatz gekommen: In einer Fellbacher Flüchtlingsunterkunft habe eine mobile Einsatztruppe gemeinsam mit einem niedergelassenen Arzt eine größere Anzahl an Abstrichen vorgenommen, teilt das Landratsamt mit.

Das Fahrzeug, das in der Regel mit einem Arzt und einem Helfer der Notfallpraxis am Schorndorfer Krankenhaus besetzt ist, soll zunächst vor allem auf der Remsschiene zum Einsatz kommen, um die Arztpraxen zu entlasten. Im Raum Backnang könnten die niedergelassenen Ärzte den Testbedarf momentan noch selbst abdecken, heißt es aus dem Landratsamt. Aber auch dort gebe es als Notfallplan Überlegungen, das Infektomobil zu nutzen oder Reihentests in der Notfallpraxis Backnang durchzuführen.

Ein dringender Appell

„Schon jetzt zeichnet sich aber ab, dass die dauerhafte Besetzung mit ärztlichem Personal nur dann leistbar bleibt, wenn die Zahl der Abstriche auf das wirklich Notwendige beschränkt wird“, sagt der Landrat und appelliert an die Bevölkerung, sich unbedingt an die Abstands- und andere Coronaregeln zu halten. Sigel: „Nur so können wir die Ausbreitung des Virus’ im Griff behalten. Nicht alles, was man tun darf, sollte man zurzeit mit Blick auf Corona auch tun.“ Die aktuellen Corona-Zahlen für den Rems-Murr-Kreis findet man hier.




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