Über eine Dating-Plattform kommt ein Rentner in Kontakt mit einer vermeintlichen Trading-Expertin. Als er für sie Geld abheben will, nehmen die Dinge ihren Lauf.

Rems-Murr: Phillip Weingand (wei)

In Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) wäre ein 71-jähriger Mann fast zum Opfer eines Anlagebetrugs geworden. Dank eines aufmerksamen Bankmitarbeiters und der Polizei konnte der Betrug verhindert und ein Tatverdächtiger festgenommen werden.

 

Laut dem Polizeipräsidium Aalen war der Rentner über eine Dating-Plattform in Kontakt zu einer angeblichen Investmentbankerin gekommen. Die Frau gab vor, 32 Jahre alt zu sein. Im Laufe der Zeit wurde der Mann in mehrere Messenger-Gruppen aufgenommen, in denen sich zahlreiche Personen und Experten über Aktienhandel und Trading austauschten. Die Polizei geht jedoch davon aus, dass es sich auch bei diesen Chats um ein Fake handelte.

Beim Geldabheben sprechen zwei Polizisten den Mann an

Die Polizei warnt vor Finanzeberatung via Messenger. Foto: Yui Mok/PA Wire/dpa

Die angebliche Investmentbankerin stellte dem 71-Jährigen eine gemeinsame Zukunft in Aussicht – allerdings verbunden damit, dass er unter ihrer Anleitung in Aktien investieren solle. Als der Mann einen Termin in seiner Bankfiliale vereinbarte, um 35.000 Euro abzuheben, wurde ein Mitarbeiter des Instituts allerdings misstrauisch und alarmierte die Polizei.

In einem ersten Gespräch mit den Beamten zeigte sich der Mann noch überzeugt von der Geschichte der falschen Expertin. Kriminalpolizisten ermittelten allerdings weiter – der Verdacht erhärtete sich. Am Mittwoch sprachen zwei Beamte den Rentner erneut an, als er das Geld in einer Bankfiliale in Stuttgart-Bad Cannstatt abholen wollte, und klärten ihn eingehend über den Betrug auf. Schließlich kamen auch dem Mann Zweifel. Er hob das Geld nicht ab, blieb unter Anweisung der Kriminalpolizei aber mit der angeblichen Bankerin in Kontakt.

Am Donnerstag wurde die Übergabe des Geldes vereinbart – zuhause bei dem Rentner. Dort nahm die Kriminalpolizei den Abholer fest. Der 26-jährige malaysische Staatsangehörige sitzt nun in Untersuchungshaft, die weiteren Ermittlungen zu möglichen Hintermännern laufen.

Immer wieder schwere Fälle von Anlagebetrug in der Region Stuttgart

Es war nicht der erste Fall von Anlagebetrug im Rems-Murr-Kreis. Erst neulich wurde ein Mann aus Weinstadt über eine betrügerische Whatsapp-Community zum Überweisen von 300.000 Euro bewegt – statt den versprochenen Millionengewinn einzufahren, war er das Geld los. Anfang Oktober lockte ein vermeintlicher Börsentipp auf Telegram eine Frau aus Schorndorf in die Falle. Im Glauben, in Kryptowährungen zu investieren, überwies sie Betrügern Geld – hier war die Beute mit einem dreistelligen Betrag noch vergleichsweise gering.

Damit nicht genug: Anfang August geriet eine Rentnerin aus Kernen in die Fänge von Betrügern. Sie war über ein Fake-Werbevideo eines vermeintlichen Fernsehstars auf Instagram in Kontakt mit den Kriminellen gekommen und meldete sich auf einem Trading-Portal an. Zur Auszahlung eines angeblichen fünfstelligen Gewinns sollte sie eine TAN-Nummer angeben – woraufhin ihr dieser Betrag abgebucht statt ausgezahlt wurde.

Schutz vor Anlagebetrug: Die Polizei gibt Ratschläge

Die Polizei warnt vor derartigen Betrugsmaschen. Sie rät:

  • Misstrauen bei Traumrenditen. Hohe Gewinne ohne Risiko gibt es nicht.
  • Nur seriöse Anbieter wählen. Referenzen zeigen lassen, Firmensitz und Rechtsform prüfen.
  • Nicht unter Druck setzen lassen. Zeit nehmen, niemals zu schnellen Abschlüssen drängen lassen.
  • AGBs und Risiken genau lesen. Nachfragen, wie das Geld abgesichert ist und ob ein Totalverlust droht.
  • Unabhängige Stellen nutzen. Verbraucherzentrale oder spezialisierte Anwälte einschalten und Angebote prüfen lassen.