Rems-Murr-Kreis Flaute beim Windkraftausbau

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Die Windräder auf dem Goldboden zwischen Schorndorf und Winterbach stehen seit Dezember und drehen sich seither kaum. Wir haben nachgeforscht, warum das so ist – und, wie es um die weiteren Windkraft-Projekte im Landkreis steht.

Rems-Murr-Kreis - Wind hat es in den vergangenen Wochen mehr als genug gegeben. Und doch haben sich die drei neuen Windräder am Goldboden bei Winterbach bisher kaum gedreht. In den sozialen Netzwerken sorgte das für Verwunderung, aber das hat offenbar seinen Grund: „Wir sind noch im Probebetrieb“, erläutert Dagmar Jordan, die Pressesprecherin des Betreibers EnBW.

Die Techniker überprüften alle Funktionen der Windkraftanlagen: etwa, ob die Sensoren richtig arbeiten oder die Flügel einwandfrei und gleichmäßig laufen. „Wir gehen davon aus, dass die Anlagen Ende Januar in den Regelbetrieb gehen werden“, sagt Jordan. Sobald die Witterung passt, soll zudem die Baustelle aufgelöst werden: „Wir benötigen zwar Platz für Instandhaltungsmaßnahmen, aber ein guter Teil der Flächen kann renaturiert werden“, sagt Dagmar Jordan.

Wer sich dafür interessiert, kann von Frühjahr an verfolgen, wie viel Strom der Windpark produziert: Dann soll dieser in die E-Cockpit-App der EnBW aufgenommen werden. Diese zeigt aktuell, was die Anlagen im Bereich Fotovoltaik, Wasser- und Windkraft leisten.

Windkraft am Standort Urbach

Während dieses Windkraftprojekt der EnBW damit nahezu abgeschlossen ist, sieht es bei einem anderen im Rems-Murr-Kreis ganz anders aus. Der Energieversorger hat Ende November den Standort auf dem ehemaligen Bundeswehrdepot oberhalb von Urbach übernommen. Der vorherige Betreiber, die Kooperationspartner Wind Energie Baden-Württemberg (WEBW), Hellenstein SolarWind GmbH und Stadtwerke Stuttgart, hatten bereits 2016 einen Antrag für diesen Standort beim Landratsamt eingereicht. „Nachdem nun aber ein anderer Windradtyp aufgestellt werden soll, werden vermutlich in einigen Bereichen neue Begutachtungen notwendig sein. Ich denke, dass wir wieder mehr oder weniger am Anfang des Verfahrens stehen“, sagt Peter Zaar, der zuständige Dezernent beim Landratsamt. Auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände etwa 1,6 Kilometer nordöstlich von Urbach sollten laut den bisherigen Plänen zwei Windräder des Typs Vestas V126 mit einer Nabenhöhe von 149 Metern entstehen.

Windkraft am Standort Plüderhausen

Übernommen hat die EnBW auch den Standort Hohberg bei Plüderhausen, der vom vorherigen Investor unter anderem wegen fehlender Zufahrtsstraßen und wegen des problematischen Untergrunds verworfen worden war. „Wir möchten diesen Standort nicht ganz aus den Augen lassen, werden uns in erster Linie aber auf die Fläche konzentrieren, für die bereits ein Genehmigungsantrag eingereicht ist“, sagt Dagmar Jordan von der EnBW.

Windkraft am Standort Unterberken

Ein bisschen weiter fortgeschritten ist dagegen das Genehmigungsverfahren für GP-03, so die offizielle Bezeichnung für den Windkraftstandort auf dem ehemaligen Bundeswehrdepot zwischen Schorndorf-Unterberken und Wangen. Im vergangenen März hatte es zu diesem Projekt eine große Erörterungsverhandlung des Landratsamtes gegeben. „Ein zentrales Thema war der Artenschutz. Da sind noch Fragen offen geblieben“, sagt Peter Zaar. Der Antragsteller, eine Kooperation aus der Energieversorgung Filstal sowie den Stadtwerken Fellbach und Schorndorf, habe daraufhin Begehungen durchgeführt, zudem habe eine Bürgerinitiave ein Gutachten erstellen lassen. „Beide kommen zu dem gleichen Ergebnis: Es gibt eine andere Dichte an Vögeln, als aus einem früheren Gutachten hervorgeht.“ Darunter befindet sich auch der geschützte Rotmilan.

In den kommenden Monaten möchte der Antragsteller deswegen genau untersuchen lassen, welches Aufkommen und welches Raumnutzungsverhalten es tatsächlich gibt. „Diese Analyse geht sehr ins Detail. Es wird zum Beispiel nicht nur geschaut, ob es im Umfeld Horste gibt, sondern auch, ob die Tiere in Richtung Windkraftstandort fliegen“, erläutert Zaar. Mit Ergebnissen werde im Herbst gerechnet, dann werde über den weiteren Fortgang des Verfahrens entschieden. „Wir sind nach wie vor der Meinung, dass der geplante Standort für den Betrieb eines Windparks gute Voraussetzungen bietet“, teilen die Kooperationspartner mit.

Windkraft am Standort Zollstock-Springstein

Im vergangenen Jahr hat der Investor, die W-I-N-D Energien aus Kirchheim, mitgeteilt, dass nur noch ein Windrad an dem Standort realisiert werden kann. Ursprünglich sollten dort einmal sechs Windkraftanlagen entstehen. Seit der Antrag modifiziert worden ist, hat sich in dem Genehmigungsverfahren nichts mehr getan.




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