Rems-Murr-Kreis Mit Elektromotor den Römern auf der Spur

Von wei 

Vor fast 2000 Jahren haben die Römer den obergermanisch-rätischen Limes gebaut – teilweise schnurgerade durch die hügelige Landschaft. Durch eine E-Bike-Strecke, die der Landkreis ausgewiesen hat, wird es jetzt leichter, das Bauwerk mit dem Rad zu erfahren.

Die neue E-Bike-Strecke  führt auch durch Welzheim. Das dortige Ostkastell lässt die Lebensweise der alten Römer erahnen. Foto: Eppler/Archiv
Die neue E-Bike-Strecke führt auch durch Welzheim. Das dortige Ostkastell lässt die Lebensweise der alten Römer erahnen. Foto: Eppler/Archiv

Rems-Murr-Kreis - Beim Bau des obergermanisch-rätischen Limes haben die alten Römer an vieles gedacht: Alle paar hundert Meter stellten sie einen Wachturm auf, der die Grenze optimal überblicken konnte. Eine Palisade, ein Wall und ein Graben verhinderten unbemerktes Eindringen in ihr Reich. Doch Radfahrer hatten die Römer ziemlich sicher nicht im Hinterkopf, als sie das gigantische Bauwerk teilweise schnurgerade durch die Landschaft zogen. Ein wenig Hilfe durch Elektrokraft können historisch Interessierte also durchaus gebrauchen, wenn sie den Grenzwall abfahren wollen. Das Landratsamt Rems-Murr hat daher seine Strecke für die E-Bike-Region Stuttgart (siehe „Mit dem Pedelec durch den Rems-Murr-Kreis“) in weiten Teilen am Verlauf des Limes orientiert.

Auf einem Teil der Route werden auch Pedelec-Touren mit Führung angeboten. Auf einer Testfahrt dabei sind Stephan Bender vom Limesinformationszentrum Baden-Württemberg und Hartmut Frey. Letzterer ist Limes-Cicerone und hat es sich zur Aufgabe gemacht, römische Geschichte anschaulich zu vermitteln – unter anderem als Soldat Cornelius Libertus verkleidet. Noch trägt er allerdings zivil, von den Legionärssandalen abgesehen.

Für 25 Jahre Wachdienst gab’s das Bürgerrecht

Nach einer kurzen Einweisung am Startpunkt, dem Wachturm beim Kloster Lorch, geht es schon aufs Pedelec und ab in den dichten Wald, immer dem Verlauf des römischen Grenzwalls nach. Wer ein wenig Fantasie hat, kann sich gut vorstellen, dass gleich hinter der nächsten Biegung des Wegs ein Hinterhalt der Germanen lauern könnte. Doch Hartmut Frey beruhigt – ­schon zur Römerzeit sei so etwas sehr unwahrscheinlich gewesen: „Der Limes war keine Verteidigungslinie, sondern diente vor allem dazu, den Personen- und Güterverkehr zu kontrollieren.“ Gut gerüstet waren die Römer hier trotzdem. Zum Beispiel im Ostkastell in Welzheim, wo 500 berittene Bogenschützen stationiert waren, die sich schnell verlegen ließen.

Nach fast 2000 Jahren muss man unterwegs schon ein gutes Auge haben, um die Überreste des römischen Grenzwalls noch zu erkennen. Zum Glück streuen die beiden Experten immer wieder ihr Wissen ein. Stephan Bender erläutert etwa, wie es an den Durchlässen im Limes zugegangen sein könnte: „Das müssen regelrechte Nadelöhre gewesen sein. Germanen, die auf römisches Gebiet wollten, wurden dort kontrolliert. Möglicherweise mussten sie beim Passieren auch ihre Waffen abgeben und Geld bezahlen.“ Wie die Durchgänge ausgesehen haben, ist aber nicht geklärt. An einem Haltepunkt erscheint doch noch ein römischer Soldat mit Kurzschwert, Speer und Kettenhemd: Der Cicerone Hartmut Frey hat sich in Schale geworfen und erzählt etwas über seine Ausrüstung: „Am ovalen Schild erkennt man, dass es sich um einen Krieger eines unterworfenen germanischen Stamms handelt.“ Denn leistete ein Germane 25 Jahre lang Wachdienst, bekam er das begehrte römische Bürgerrecht. Der Militärdienst erforderte allerdings hohe Disziplin. Vier bis acht Mann, erklärt Frey, hätten auf jedem Wachturm gelebt. Schon die vorgeführte leichte Ausrüstung wog fast 20 Kilogramm.

Erst im Norden weicht der E-Bike-Weg vom Limes ab

Ein Wachsoldat wäre also über ein bisschen Elektroantrieb zur Fortbewegung sicher dankbar gewesen. Das sind auch die Teilnehmer der Tour: Zum Ende des geführten Ausflugs in Welzheim sind alle noch ziemlich fit. Doch wer noch genug Kraft, Zeit und Akku hat, kann weiterfahren. Denn die vom Landratsamt ausgewiesene E-Bike-Strecke geht noch weiter nach Norden – fast bis Mainhardt, wo die Schilder dann vom Verlauf des Limes abweichen und in westlicher Richtung nach Großerlach, Spiegelberg und Aspach und weiter durch den Rems-Murr-Kreis führen.

Strecke:
Die Route für Pedelecs im Rems-Murr-Kreis lehnt sich an den Deutschen Limes-Radweg an. Die genaue Streckenführung inklusive GPS-Daten und Ladestationen gibt’s im Internet unter www.e-bike-region-stuttgart.de. Die Karte „E-Bike-Region Stuttgart“ ist für 8,95 Euro auch im Handel erhältlich. Historische Informationen zu besonders sehenswerten Punkten gibt es unter anderem vom Verein Deutsche Limes-Straße im Internet unter www.limesstrasse.de.

Führung:
Termine für die geführte Tour mit dem Limes-Cicerone Hartmut Frey sind jeweils sonntags, 23. August und 13. September von 13.30 Uhr an. Die Strecke führt vom Wachturm in Lorch zum Ostkastell in Welzheim. Die Teilnahme kostet 38 Euro, ein Leihpedelec ist inklusive. Die Tour dauert ungefähr drei Stunden. Weitere Informationen und Anmeldung unter Telefon 0157 / 77 88 53 08.

E-Bike-Region Stuttgart:
Das Projekt wurde vom Landratsamt Rems-Murr mit angestoßen. Durch fünf Landkreise zieht sich eine besonders für Pedelecs geeignete Strecke von insgesamt 400 Kilometern Länge. Auf dem ausgeschilderten Weg finden sich Übernachtungsmöglichkeiten, E-Bike-Verleiher und Ladestationen für die Akkus.