Oftmals ist es nicht einfach, einen Nachfolger für eine Firma zu finden. Doch die Städte helfen dabei mit unterschiedlichen Herangehensweisen (Symbolfoto). Foto: IMAGO/Henricus Lüschen
Die Städtischen Wirtschaftsförderungen versuchen Firmen bei Nachfolgeregelungen zu unterstützen, wo sie können. Fellbach wurde für sein diesbezügliches Engagement sogar ausgezeichnet.
Luitgard Schaber
08.02.2026 - 09:00 Uhr
Wie in Weinstadt setzt man auch in den übrigen Großen Kreisstädten des Rems-Murr-Kreises beim Thema Nachfolgereglung auf einen intensiven Austausch mit örtlichen Betrieben, nicht nur in den Innenstädten, wie Marc Funk, der Geschäftsführer der Waiblinger Gesellschaft Wirtschaft, Tourismus und Marketing (WTM) berichtet: „Das Thema Unternehmensnachfolge geht alle Branchen an und ist auch immer wieder Gegenstand der Gespräche mit Betriebsinhabern.“
Erst jüngst habe man dabei wieder einen mittelständischen Betrieb mit einem potenziellen Nachfolger und Übernehmer in Verbindung bringen können. „Letztlich greifen wir bei diesem Thema stark auf unsere eigenen Netzwerke zurück und prüfen, ob es hier geeignete Kandidaten für Unternehmensnachfolgen gibt. Nachdem diese Themen immer hoch vertraulich sind, agieren wir dort stets abseits der Öffentlichkeit.“
Initiativen und Netzwerke fördern Unternehmensnachfolge
Außerdem weise man auf verschiedene Initiativen hin, wie etwa die Nachfolgenetzwerke der Kammern, die Online-Börse nexxt Chance, welche der Deutsche Industrie- und Handelskammertag und der Zentralverband des Deutschen Handwerks zusammen mit dem Bundeswirtschaftsministerium und verschiedenen Banken geschaffen hat, sowie auf die Landesinitiative Nachfolge BW. „Was den Einzelhandel angeht, so spielt hier zudem immer eine Rolle, dass bundesweit agierende Filialisten als Nachfolger in Frage kommen“, ergänzt Funk, der auch zu diesen Kontakte vermittelt.
Beraten, informieren, vernetzen – so geht man auch bei der Backnanger Wirtschaftsförderung vor. „Wir stellen Informationen zu rechtlichen, steuerlichen und organisatorischen Aspekten einer Nachfolge bereit und begleiten Unternehmer bei der Orientierung“, erklärt der städtische Wirtschaftsförderer Reiner Gauger. „Insbesondere im Einzelhandel beraten wir zu Mietmodellen und Zwischennutzungen, um Leerstände zu vermeiden und die Attraktivität der Innenstadt zu sichern.“ Darüber hinaus vermittle man Kontakte zu potenziellen Nachfolgern sowie zu Kammern, Banken und weiteren Beratungsstellen und informiere über regionale, landesweite und bundesweite Förderprogramme, die Unternehmensübernahmen unterstützen.
„Ein Impuls von außen eröffnet neue Perspektiven“
Mit gezielten Beratungen und Kontakten versucht man auch in Fellbach örtliche Betriebe bei der Nachfolgersuche zu unterstützen. „Gerade wenn im Betrieb bereits seit längerem ergebnislos über Nachfolgeregelungen nachgedacht wurde, ist ein Impuls von außen manchmal wichtig, um neue Perspektiven zu eröffnen“, sagt Thea Heinzler von der Wirtschaftsförderung der Stadt Fellbach. „Uns, der Wirtschaftsförderung, ist es wichtig, frühzeitig mit den Unternehmensvertretern im Gespräch zu sein und zu wissen, ob sie eine interne Lösung anstreben und für diese auch geeignete Bewerber haben. Wir unterstützen mit Gesprächen über das Projekt ‚Gründerfreundliche Kommune‘ auch mit Kontakten zu gründungsinteressierten Personen.“
Damit gehörte Fellbach nicht nur zu den 17 Städten und Gemeinden, die im Rahmen des Landeswettbewerbs „Start-up BW Local“ 2024 als gründungsfreundliche Kommunen ausgezeichnet wurden, sondern nahm bei dem vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg geförderten Projekt mit dem dritten Rang zudem einen Spitzenplatz ein. Auf Platz eins kam Ludwigsburg. Weitere Städte der Region unter den gründungsfreundlichen Kommunen sind Leinfelden-Echterdingen (Kreis Esslingen), Ludwigsburg, Sindelfingen (Kreis Böblingen) und Stuttgart.
In Weinstadt geht man das Thema offensiv an. Unter dem Titel „Gut übergeben, gut ankommen“ organisierte der Wirtschaftsförderer Thomas Müller im vergangenen November einen Infoabend mit dem Großheppacher Unternehmensberater Christoph Stumpp und dem Vorstand der Bürgerstiftung Weinstadt, Richard Heckert, als Referenten. „Oft geht es nur um die formalen Dinge. Wir haben die persönliche Situation mit reingenommen: Was tut der Unternehmer abseits von Übergabe oder Verkauf im Ruhestand.“
Dabei will Müller den Infoabend als Angebot verstanden wissen, ohne dass es dafür einen Anlass, etwa durch verstärkte Nachfragen seitens Unternehmern, gegeben hätte. Gleichwohl sei es in den vergangenen zwei Jahren, die er nun als Wirtschaftsförderer von Weinstadt tätig sei, immer wieder vorgekommen, dass Unternehmer in Sachen Nachfolgersuche sich an ihn gewandt hätten. Wenn es dabei um die Räumlichkeiten gehe, könne er unterstützen, für alle weiteren Aspekte gebe er Empfehlungen für Unternehmensberatungen.