Rems-Murr-Kreis will eigenes Glasfasernetz aufbauen Backbone fürs schnelle Surfen

Der Kreis will die Versorgung mit Glasfaserkabeln selbst in die Hand nehmen. Foto: dpa
Der Kreis will die Versorgung mit Glasfaserkabeln selbst in die Hand nehmen. Foto: dpa

Die Grobplanung für ein eigenes Zubringernetz zum flächendeckenden Anschluss von zukunftsfähigen Internetverbindungen steht. Der Rems-Murr-Kreis müsste dafür gut 13 Millionen Euro investieren.

Rems-Murr : Frank Rodenhausen (fro)
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Waiblingen - Als erster Landkreis in der Region hat der Rems-Murr-Kreis eine Grobplanung zur Erstellung eines eigenen Glasfaser-Hauptnetzes für den Anschluss von schnellen Internetverbindungen vorgelegt. Die Kosten für die Zubringer-Datenautobahnen, die ähnlich wie überregionale Straßen das Rückgrat – englisch: Backbone – der Internetverbindungen bilden sollen, werden nach Abzug von Fördermitteln auf 13 bis 15 Millionen Euro geschätzt. Der vom Landkreis beauftragte Gutachter, die Backnanger TKT Teleconsult, empfiehlt, in drei ersten Ausbaustufen, die zurzeit vergleichsweise schlecht versorgten Gemeinden im Norden und Osten des Kreises anzubinden.

300 Kilometer Leitungen werden benötigt

Um jede Kommune im Kreis an ein Backbone-Netz anzuschließen, wird laut der Kalkulation des Gutachters eine Strecke von rund 300 Kilometern Länge benötigt. Ein Drittel davon könnte in vorhandenen Glasfasertrassen privater Anbieter angemietet oder über bereits gelegte Leerrohre bestückt werden. Diese Variante ist auch jene, welche die Experten von TKT gegenüber einem komplett selbst erstellten Leitungssystem vorziehen würden, weil sie am schnellsten umgesetzt werden könne.

Zeit kann dabei nämlich durchaus auch Geld sein, denn die Berechnungen der Gutachter basieren auf den aktuellen Förderbedingungen des Landes, das von den tatsächlichen Kosten für die Schaffung eines Backbone-Netzes im Rems-Murr-Kreis – in der bevorzugten Variante knapp 30 Millionen Euro – rund 65 Prozent übernehmen würde. Weil der Landkreis aber auch nach Abzug des Förderanteils das Vorhaben kaum in einem Paket schultern könnte, lautet die weitere Empfehlung, das Vorhaben zunächst in drei Abschnitten anzugehen, was im Norden und Osten des Kreises einen 126 Kilometer weiten Bogen von Aspach bis Alfdorf schlagen würde. 13 Kommunen könnten so angebunden werden, knapp sechs Millionen Euro müsste der Kreis dafür in die Hand nehmen. Langfristig soll sich die Investition durch Pachteinnahmen refinanzieren. Voraussetzung – wie im übrigen auch für die Landeszuschüsse – wäre, dass die öffentliche Hand die Aufgabe des Netzbetreibers übernimmt.

13 Kommunen sollen rasch profitieren

Damit freilich ist noch kein schneller Internetanschluss geschaffen. Denn in den 13 Kommunen müssten laut Berechnung der Gutachter weitere 17,2 Millionen Euro investiert werden, um die bestehenden Versorgungslücken zu schließen, kreisweit wären es sogar 45 Millionen Euro. Genau in diesen Summen sehen Skeptiker auch die Gefahr für ein Scheitern des Modells. „Das ist von uns kleinen Kommunen nicht zu schaffen“, sagt etwa der Großerlacher Bürgermeister Steffen Jäger. Er und seine Kollegen aus den Nachbargemeinden Sulzbach, Murrhardt und Althütte wollen möglicherweise einen anderen Weg beschreiten, um den Breitbandausbau im Schwäbischen Wald voranzutreiben.

Bereits im vergangenen Jahr hatten die vier Kommunen vom Bund einen Zuschuss in Höhe von 50 000 Euro erhalten, um entsprechende Beratungsleistungen in Anspruch nehmen zu können. Im Zuge einer Machbarkeitsstudie wurde unter anderem das sogenannte Wirtschaftlichkeitslückenmodell gegen ein Betreibermodell abgewogen. Während beim einen ein komplett eigenständiges Netz aufgebaut werden muss, wird beim anderen nur gezielt subventioniert, wenn der Anschluss für einen privaten Anbieter unwirtschaftlich wäre. In allen vier Kommunen wurde die Empfehlung ausgesprochen, so zu verfahren.

Entscheidung steht noch aus

Für den Kreis sollte das indes kein Grund sein, von dem Vorhaben abzulassen, sagt der Freie-Wähler-Kreisrat und Auenwalder Bürgermeister Karl Ostfalk: „Wenn wir außen nichts drum rum haben, können wir innen auch nichts ausbauen.“ Laut Landrat Richard Sigel soll nun mit den Städten und Gemeinden der Ausbaustufen eins bis drei eine verbindliche Ausbauplanung erarbeitet und abgestimmt werden. Diese könne dann als „Grundlage für die Entscheidungsfindung auf Landkreisebene“ herangezogen werden.

Offen ist auch noch, in welche Organisationsform der künftige Betreiber des Backbone-Netzes gegossen werden soll. Denkbar ist, dass dies landkreisübergreifend geregelt wird. In den kommenden Monaten soll es dazu Abstimmungsgespräche mit den Landkreisen, der Landeshauptstadt, dem Verband Region Stuttgart und den Sprechern der Bürgermeister geben.




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