Rems-Murr-Kreis Zwei Radschnellwege werden geprüft

Das Land wünscht sich Radschnellwege wie hier im niedersächsischen Göttingen. Foto: dpa
Das Land wünscht sich Radschnellwege wie hier im niedersächsischen Göttingen. Foto: dpa

Der Verkehrsausschuss ermächtigt das Landratsamt, Machbarkeitsstudien in Auftrag zu geben. Allerdings gibt es schon vor deren Ergebnissen erhebliche Zweifel an der Umsetzung.

Rems-Murr : Frank Rodenhausen (fro)
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Waiblingen - Der Rems-Murr-Kreis will den Bau von zwei Radschnellwegverbindungen im Remstal prüfen lassen. Der Verkehrsausschuss des Kreistags hat die Verwaltung jetzt bevollmächtigt, Machbarkeitsstudien für die Strecken zwischen Waiblingen und Ludwigsburg sowie Waiblingen und Schorndorf in Auftrag zu geben. Die Aufträge sollen noch in diesem Jahr erteilt werden. Ungeachtet der Ergebnisse, die spätestens in einem Dreivierteljahr vorliegen sollen, hat man indes erhebliche Zweifel an einer Umsetzung der Pläne.

Zehn Expressrouten bis 2025

Bis zum Jahr 2025 sollen in Baden-Württemberg insgesamt zehn Expressrouten für Radfahrer gebaut werden. Das ist das erklärte Ziel des Verkehrsministers Winfried Hermann, der sich von den möglichst kreuzungsfreien und Radfahrer bevorzugenden Routen eine Attraktivitätssteigerung des Verkehrsmittels und damit einen wesentlichen Beitrag zu einer nachhaltigen Mobilität verspricht. Das Land hat die Städte und Landkreise aufgefordert, lokale Machbarkeitsstudien durchzuführen und dafür eine Kostenübernahme von bis zu 80 Prozent in Aussicht gestellt.

„Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, sagt der Landrat Richard Sigel – und dabei auch noch den Nachbarlandkreis Ludwigsburg mit ins Boot genommen, der es offenbar versäumt hatte, seinen Antrag fristgerecht einzureichen. Jeweils knapp 80 000 Euro werden die Machbarkeitsstudien laut einer bereits durchgeführten Ausschreibung kosten. Das Land habe schriftlich bestätigt, insgesamt 125 000 Euro zuschießen zu wollen, sagt der Straßenbauamtsleiter Matthias Straus. Den Eigenanteil für die Strecke von Waiblingen nach Ludwigsburg werde man sich mit dem Nachbarlandkreis teilen.

Typisch schwäbische Diskussion?

Vor allem vor dem Hintergrund der vergleichsweise niedrigen eigenen Kosten ist die Beauftragung der Studien im Kreistagsausschuss letztlich ohne größere Bedenken durchgewunken worden. Daran, dass eine der Radautobahnen auch tatsächlich realisiert werden kann, hat aber selbst der Landrat seine Zweifel: So wünschenswert die Radwege wären, ihr Bau könne seiner Ansicht nach aber nicht Aufgabe der Kreise sein. „Und da fehlt uns leider das wichtige Signal des Landes, wer die Sache finanzieren soll.“ Im Gremium ist man eher pessimistisch. Christoph Jäger, CDU-Kreisrat und Bürgermeister von Großerlach: „Es ist sehr fraglich, ob davon je etwas realisiert wird.“ Jedenfalls im Rems-Murr-Kreis: „Die träumen von sechs Meter breiten Radwegen, während wir hier im Raum seit Jahren fruchtlose Diskussionen über sechs Meter breite Autostraßen führen.“ Nur Klaus Riedl (SPD) zeigte sich rigoros-visionär: „Wir führen hier eine typisch schwäbische Diskussion – wie vor 30 Jahren über Fußgängerzonen oder vor zehn Jahren über Tempo 30. Es wird kommen, Punkt!“




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