Rems-Murr-Landrat gewählt Ein Mann mit Potenzial

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Richard Sigel ist im zweiten Wahlgang zum neuen Landrat des Rems-Murr-Kreises mit deutlicher Mehrheit gewählt worden. Der 37-jährige Finanzdezernent im Böblinger Landratsamt galt bereits früh als Favorit. Seine beiden Mitbewerber erreichten respektable Ergebnisse.

Richard Sigel wird im August neuer Chef des Waiblinger Landratsamts. Foto: Pascal Thiel
Richard Sigel wird im August neuer Chef des Waiblinger Landratsamts. Foto: Pascal Thiel

Waiblingen - Der jüngste Bewerber hat überraschend deutlich das Rennen gemacht. Richard Sigel wird mit 37 Jahren Chef über 1735 Mitarbeiter und 56 Fachbereiche. Dass ihn die Mehrheit der Kreisräte gewählt hat, kann als Vertrauensbeweis in seine fachlichen Qualitäten gewertet werden. Wolfgang Faißts vergleichsweise geringe Stimmenzahl dürfte parteipolitische Gründe haben, er ist von den Freien Wählern zu früh und äußerst ungeschickt auf deren eigenen Schild gehoben worden. Dirk Braune sind wohl seine mangelnde Verwaltungserfahrung und sein mitunter etwas zu lockeres Auftreten zum Verhängnis geworden.

Richard Sigel hingegen wird an einem etwas überzeugenderen Auftreten arbeiten müssen. Zwar hat er im Vorfeld der Wahl nicht verhehlt, dass er in der Behörde auf einen demokratischen Führungsstil setzen werde, doch von einem Landrat muss man auch erwarten, dass er die Richtung vorgibt und zur Not mal mit der Faust auf den Tisch haut.

Kann Richard Sigel das?

Bei der Beantwortung der Frage drängen sich Parallelen zu seinem Vorgänger auf. Wer hätte dem zwar deutlich erfahreneren, aber doch auch eher zurückhaltenden Urbacher Schultes Johannes Fuchs am Anfang seiner Landratskarriere eine solche Durchsetzungskraft zugetraut? Auch Fuchs hat einen deutlich demokratischeren Stil im Landratsamt eingeführt, als ihn sein wenig Widerspruch duldender Vorgänger Horst Lässing gepflegt hatte.

Doch selbst mit seinem Vorvorgänger hat Sigel etwas gemein: Beide haben ihre Landratslaufbahn in der Großbehörde im vergleichsweise zarten Alter von 37 Jahren gestartet. Und Sigel könnte den Rekordhalter auf dem Chefsessel (28 Jahre) sogar noch überflügeln. Die Klausel, auch über das Rentenalter hinaus eine Amtsperiode voll machen zu können, hat es in der Ära Lässing noch nicht gegeben. Er musste mit 65 abdanken. Doch bis dahin muss Richard Sigel erst noch lernen, wie man mit der Faust auf den Tisch haut.