Remseck - Ein paar Akten, die irgendwann ins neue Stadtarchiv umziehen sollen, lagern noch darin. Ansonsten steht das Rathaus im Remsecker Stadtteil Neckargröningen leer, seitdem die Verwaltung in ihrem zentralen Neubau am Zusammenfluss von Rems und Neckar residiert. Das Neckargröninger Gebäude aus dem Jahr 1969, in dem die Finanzverwaltung der Stadt arbeitete – die Remsecker Verwaltung war bisher auf Gebäude in mehreren Ortsteilen verteilt –, soll bald ganz verschwinden.
An seine Stelle treten Wohnen und Büronutzung. Eine Jury hat in dem von der Stadt ausgeschriebenen Konzeptvergabeverfahren jetzt einstimmig den Zuschlag an das ortsansässige Unternehmen Bauideen 21 vergeben. Es wird das Areal kaufen und zusammen mit dem Stuttgarter Architekturbüro Steinhoff/Haehnel Architekten neu bebauen.
Schönberger: „Eine Win-Win-Win-Situation“
Entschieden worden sei dies freilich ohne Kenntnis davon, welcher Entwurf von welchem Bewerber gekommen sei, sagte Oberbürgermeister Dirk Schönberger am Montagabend bei der Bekanntgabe der Juryentscheidung. Die sechs eingereichten Bewerbungen seien anonym begutachtet worden.
Nun sei der Entscheid eine „Win-win-win-Situation“. Die Stadt bekomme für das Grundstück mehr, als sie veranschlagt habe – das waren rund 750 000 Euro. Um wie viel der Kaufpreis darüber liegt, dazu gab es keine Auskunft. Auch städtebaulich sei der Entwurf ein absoluter Gewinn, so Schönberger. Und in Hinsicht darauf, dass man einem Gewerbe eine Zukunftsmöglichkeit bieten könne, ebenfalls. Bauideen 21, schon jetzt in Neckargröningen beheimatet, wird selbst in die Büroräume einziehen, die im Erdgeschoss eines der Mehrfamilienhäuser entstehen sollen, berichtete Geschäftsführer Walter Depner am Montagabend. Man arbeite derzeit räumlich beengt, die nächste Generation sei auf Expansionskurs.
Namhafte Mitbewerber waren im Rennen
Im Rennen um das Gelände waren auch Bauträger wie die Bietigheimer Wohnbau oder Wüstenrot gewesen. Der Siegerentwurf gehe aber am besten auf die gewachsene Umgebungssituation ein und habe den öffentlichen Raum und das Grün am klügsten mitbedacht, führte Architekt Thomas Herrmann aus, der dem Bewertungsgremium vorgesessen hatte. Auch sei der Entwurf der einzige gewesen, der eine Gewerbenutzung eingeplant habe.
In den zwei Mehrfamilienhäusern, für die der Investor nachhaltige und langlebige Materialien verwenden und 50 Prozent der Dachflächen für Solarthermie und Fotovoltaik nutzen will, sind neben den Büroräumen 14 Wohnungen in verschiedenen Größen geplant, drei davon im vergünstigten Segment. Ein Gemeinschaftsraum soll sowohl für die Büromitarbeiter als auch für die künftigen Bewohner zur Verfügung stehen.
Wann die Abrissbagger kommen, ist noch unklar
Wann das alte Rathaus abgerissen wird – der Stadt hätte eine teure Sanierung bevorgestanden, wenn es weiterhin gebraucht worden wäre – , steht noch nicht fest. „Dieses Jahr rollen die Bagger eher nicht mehr“, schätzt Baubürgermeisterin Birgit Priebe. Die entsprechenden Verfahren müssten noch ihren Gang gehen und der Kaufvertrag abgeschlossen werden. In zwei bis drei Jahren, so Walter Depner, wolle man das neue Quartier aber auf den Weg gebracht haben.
Beim Verwaltungsgebäude hatte es früher auch eine Selbstbedienungsfiliale der Kreissparkasse Ludwigsburg gegeben. Doch mit der Aufgabe des Rathausstandortes wurde auch sie in die Neue Mitte verlegt: Mit der Volksbank Remseck eröffnete die KSK dort im Juli 2020 einen gemeinsamen Selbstbedienungsstandort.