Remsrenaturierung bei Winterbach Neues Wohngebiet für Biber, Hecht und Co.

Von Annette Clauß 

Die Renaturierung der Rems bei Winterbach schafft Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Am Donnerstag ist der offizielle Startschuss für das ehrgeizige Projekt gefallen, das rund 3,5 Millionen Euro kostet.

Noch wirkt  die Rems bei Winterbach wie ein Kanal, aber bald darf  sie  sich auf fast 100 Metern Breite ausdehnen. Foto: Gottfried Stoppel
Noch wirkt die Rems bei Winterbach wie ein Kanal, aber bald darf sie sich auf fast 100 Metern Breite ausdehnen. Foto: Gottfried Stoppel

Winterbach - Der Biber wird hier irgendwann auftauchen, da ist sich Markus Moser ziemlich sicher. Moser, der als Referatsleiter für Hochwasserschutz beim Regierungspräsidium Stuttgart arbeitet, stellt der Gemeinde Winterbach noch weitere Neubürger in Aussicht: den Sumpfrohrsänger und den Gelbspötter zum Beispiel, aber auch Aal, Hecht und Rotauge. Sie alle dürfte das neue Wohngebiet der etwas anderen Art anlocken, das in den kommenden Monaten zwischen Winterbach und Remshalden-Hebsack entsteht.

Am Donnerstag ist mit dem offiziellen Spatenstich und allerlei politischer Prominenz der Startschuss für die Renaturierung der Rems auf einer Länge von gut einem Kilometer gefallen. Künftig soll der Fluss in diesem Bereich nicht mehr monoton und fast schnurgerade fließen, sondern auf einer Breite von knapp 100 Metern mäandern dürfen. Flachwasserzonen und Steilufer werden angelegt, der Fluss soll eine eigenständige Dynamik entwickeln. Für Sven Müller, den Winterbacher Bürgermeister, ist das eine „enorme ökologische Aufwertung und ein besonderes Highlight der Remstalgartenschau“. Er dankte dem Land Baden-Württemberg, das als Bauherr fast die kompletten Kosten, ungefähr 3,5 Millionen Euro, übernimmt.

Eine ganz besondere Maßnahme

„Das ist eine ganz besondere Maßnahme, 1,1 Kilometer sind eine gewaltige Sache“, sagte der Regierungspräsident Wolfgang Reimer (Grüne). Dadurch erreiche man eine dauerhafte ökologische Aufwertung und schaffe zugleich eine Erholungslandschaft für die Bürger. Möglich sei das dank einer „genialen Idee“ des Umweltministers und Parteigenossen Franz Untersteller: „Er hat die Zweckbindung des Wasserpfennigs eingeführt“ – und damit Gelder für solche Maßnahmen gesichert.

„Die Chance, 1,1 Kilometer eines Gewässers erster Ordnung in einem so dicht besiedelten Raum zu renaturieren, ist nicht alltäglich. Diese Maßnahme hat eine besondere Strahlwirkung“, sagte auch der so gelobte Umweltminister. Und lobte seinerseits die Wasserrahmenrichtlinie der EU, die den Schwerpunkt weg von der reinen Wasserqualität und hin zur Gewässerqualität verlagert und somit das große Ganze im Blick habe. Das Wasserentnahmeentgelt, vormals Wasserpfennig, das für die Entnahme von Grund- und Oberflächenwasser bezahlt werden muss, sei eine über Jahre sichere finanzielle Grundlage für solche Renaturierungen, sagte Untersteller. Im vergangenen Jahr habe das Land zum Wohle der Gewässerökologie rund 15 Millionen Euro investiert, 2018 werde ähnlich viel Geld in solche Projekte fließen.

Auch Renaturierungen in Schorndorf und Weinstadt

Ein Teil davon wird auch Schorndorf und Weinstadt zugute kommen. Der Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer (SPD), der auch Vorsitzender des Wasserverbands Rems ist, erwähnte die Umgestaltung des Gebiets Baurenwasen und die Pläne der Stadt Weinstadt, welche die Mühlwiesen und die Mündung des Heppachs in die Rems naturnah umgestalten wird. „Jeder Euro ist gut investiertes Geld“, findet Klopfer.

„Wir freuen uns“, sagte auch Robert Auersperg, der Sprecher des Landesnaturschutzverbands. Im Vorfeld habe man einige Punkte mit dem Planer des Projekts, Hans-Peter Sieg vom Wasserverband Rems, abgeklärt. „Wir sind froh, dass der Zugang auf zwei Stellen konzentriert ist und keine wilden Partyzonen entstehen.“ Positiv sei auch, dass die stark gefährdete Neckarschwarzpappel gepflanzt werde. Die Stellen, an denen Besucher Zutritt haben, würden begrünt, erläuterte Markus Moser. Ansonsten sei die Umgestaltung des Ufer als Initialzündung gedacht: „Der Fluss wird sich danach selbst weiterentwickeln und bei Hochwasser verändern.“