Remstal-Gartenschau Comedy-Festival Wortkünstler und ihre Schwabenklischees

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Michael Mittermeier, Florian Schröder, Ernst & Heinrich sowie Sascha Korf bringen 800 bis 900 Menschen im Stettener Schlossgarten zum Lachen. Dabei beweist sich Mittermeier als der geistvollste Comedian des Abends.

Viele Comedy-Fans  im Schlosspark: Bei der Veranstaltung unter freiem Himmel sind die Stuhlreihen gut besetzt.Foto: Patricia Sigerist Foto:   17 Bilder
Viele Comedy-Fans im Schlosspark: Bei der Veranstaltung unter freiem Himmel sind die Stuhlreihen gut besetzt.Foto: Patricia Sigerist

Stetten - Zwischen 800 und 900 Leute haben bei der Comedy-Veranstaltung im Schlosspark einen Abend lang herzlich gelacht, aber müssen bei solchen Gelegenheiten eigentlich immer Schwabenwitze gerissen werden?

Zum Glück können die Schwaben über die Eigenheiten ihres Volksstamms entspannt lachen

Drei herrliche Komödianten und ein Duo hat der Radiosender SWR1 am Sonntag in Stetten versammelt, Michael Mittermeier, Florian Schröder, Ernst & Heinrich sowie Sascha Korf. Sie alle haben, in kürzeren oder längeren Bemerkungen, Schwabenklischees verbraten, die das Publikum durchaus lustig fand. Zum Glück können die Schwaben über die Eigenheiten ihres Volksstamms entspannt lachen, sind sie doch überzeugt, dass nur der Nachbar gemeint ist, nicht sie selbst, wie Florian Schröder bemerkte. Da scheint was dran zu sein.

Das Lachen ist vielen aber dann doch im Halse stecken geblieben, als Florian Schröder nicht mehr als begnadeter Stimmenimitator sich über die Redeweise von Prominenten und Politikern wie Jogi Löw, Angela Merkel, Winfried Kretschmann und Günther Oettinger hermachte, sondern aus der Sicht eines hippen Berliners aus dem Prenzlauer Berg die dortige Schwabenkolonie niedermachte. Da gab es Pfiffe zu hören. Nach einem Ausflug auf angeblich noch unerträglichere Spanier, Amerikaner, Engländer weit unterhalb der Realität und aller Geschmacksgrenzen wurde erst langsam klar, warum er solche Szenen mangelnder Toleranz vorführt. Sein „Ausnahmezustand“, so der Titel seines neuen Programms, enthält geradezu rassistische Passagen, um Zuhörern klarzumachen, wie das ist, von fehlender Toleranz und Rassismus betroffen zu sein. Auch das ist Kabarett.

Herrlich die Passagen über unsinnige Versicherungsverträge und über seine Studien Michael MittermeierPatricia Sigerist

Michael Mittermeier – sicherlich der geistvollste Comedian des Abends – sprühte geradezu von teilweise absurden Assoziationen, aber auch genauen Beobachtungen eines gelegentlich absurden Alltags. Herrlich die Passagen über unsinnige Versicherungsverträge und über seine Studien, was Menschen aus seinem Publikum mit dem Stichwort „Sicherheit“ verbinden. Jeder mag aber selber entscheiden, ob Fahrradkuriere als „Gefährder“ und „Taliban auf Rädern“ zu bezeichnen sind.

Sascha Korf, der den Anfang machte, gelang das Kunststück, das riesige Publikum sofort für sich einzunehmen. Insbesondere behandelte er die Menschen, die er als Assistenten aus dem Publikum holte, mit Respekt, nicht als Zielscheibe seiner Witze. „Die Leute sind alle auf deiner Seite“, sagte er einfühlsam zu einem jungen Mann, der sich sichtlich unwohl auf der Bühne fühlte. Wenn Korf jetzt noch darauf verzichtet, sich über Vor- oder Nachnamen, für die die Menschen ja nichts können, lustig zu machen, würden ihm noch mehr Sympathien zufliegen.

Neben den Wortkünstlern nahm das Musiker-Duo Ernst & Heinrich eine Sonderstellung ein. Mit einem Augenzwinkern gaben sie in Dialekt-Liedern ein regionales Bekenntnis ab. Demnach verspürt der Schwabe selbst noch in der amerikanischen Fast-Food-Kette den Wunsch nach der gewohnten Küche, sprich nach „Mac-Leberkäs‘“ und „Mac-Ochsenmaulsalat“. Man heißt hier Nägele oder sonst wie auf „le“ und fährt reimgetreu ein „Jahreswägele“, was sogar in einer „Regionalhymne“ festgehalten ist. Witzig besangen sie auch einige „Obsessiönle“.