Remstal Gartenschau Die Exponate stecken in 140 Gemüsekisten

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Im Stadtmuseum wachsen jetzt Blumen und Salatköpfe. Die neue Sonderausstellung „Die Gärtner von Fellbach“ punktet aber vor allem mit spannenden Geschichten – etwa wie die Nelke von Fellbach aus Deutschland erobert hat.

Zwölf Hochbeete voll mit  Blumen, Kräutern und anderen Pflanzen  stehen auf dem Vorplatz des Museums. Foto: Patricia Sigerist 16 Bilder
Zwölf Hochbeete voll mit Blumen, Kräutern und anderen Pflanzen stehen auf dem Vorplatz des Museums. Foto: Patricia Sigerist

Fellbach - Brauchen die Tomaten noch Wasser? Ursula Teutrine, die Leiterin des Fellbacher Stadtmuseums, steckt die Hände in die Erde, um zu prüfen, ob sie noch mal gießen muss. Zwölf Hochbeete voll mit Blumen, Kräutern und anderen Pflanzen stehen auf dem Vorplatz des Museums. Eine kleine grüne Oase, die zum Anfassen und Schnuppern einlädt, aber auch viel Pflege braucht.

Die Ausstellung will an die große Tradition Fellbachs als Stadt der Gartenbaubetriebe und Gärtnereien erinnern

An diesem Samstag wird die Sonderausstellung mit dem Titel „Die Gärtner von Fellbach“ im Stadtmuseum eröffnet. „Die Ausstellung haben wir in Gemüsekisten gepackt“, erklärt Ursula Teutrine. 140 Kisten sind es ganz genau. Aber in ihnen stecken nicht nur Blumen und Salatköpfe, sondern viele spannende und auch skurrile Geschichten.

Die Macher der Ausstellung wollen an die große Tradition Fellbachs als Stadt der Gartenbaubetriebe und Gärtnereien erinnern. Und dafür ist das Stadtmuseum optimal geeignet, denn bis in die 1970er-Jahre wurde das Haus von wechselnden Familien als Gärtnerei genutzt. Diese haben sogar zum Teil Geschichte geschrieben: So lernte der älteste Sohn von Albrecht Dorner bei Verwandten in Amerika die Nelkenzucht kennen. Im heimischen Hausgarten wurden dann die ersten Pflanzversuche unternommen, bevor die Nelke von Fellbach aus Deutschland eroberte und zum Verkaufsschlager wurde.

Auf einem großen Wandbild im Foyer ist die Alte Kelter von innen zu sehen

Viele Schwarz-Weiß-Fotos dokumentieren bunte Geschichten. So führte Blumen Schick am 14. Februar 1964 den Valentinstag in Fellbach ein. „Zunächst stießen sie mit dem damals ungewohnten Brauch allerdings auf großes Unverständnis in der Stadt“, erzählt Ursula Teutrine. Erst langsam konnte sich diese Tradition auch in Fellbach durchsetzen.

Auf einem großen Wandbild im Foyer ist die Alte Kelter von innen zu sehen. Hunderte von Gemüsekisten stapeln sich unter dem hölzernen Gebälk. „Im Zweiten Weltkrieg wurde die Gemüseversteigerung nach Fellbach verlegt, weil die Räumlichkeiten in Stuttgart zerbombt worden waren“, erklärt die Museumsleiterin die historische Aufnahme.

Im großen Sonderausstellungsraum dreht sich alles um die Firma Samen-Pfitzer, die schon 1910 in der Nähe des Fellbacher Bahnhofs eine Großgärtnerei mit Samenzucht eingerichtet hat. Ursula Teutrine zeigt einen der größten Schätze der Ausstellung: In einem alten Karteikasten befinden sich Fotos, die die Firma selbst angefertigt und geführt hat. „Reichsgartenschau 1939 in Stuttgart“ oder „Flora-Schauen“ steht auf den Reitern geschrieben. „Die Bilder sind Leihgaben eines Fellbachers, der sie vor der Vernichtung gerettet hat“, sagt die Museumsleiterin.

In den oberen Stockwerken können die Besucher ein außergewöhnliches Projekt bestaunen

Auch Medaillen und Pokale sind ausgestellt, die die Firma Samen-Pfitzer in all den Jahren bekommen hat. Und auch ihre Werbefigur ist in der Ausstellung zu sehen: Das sogenannte „Pfitzermännchen“ strahlt als Bleistiftzeichnung mit Sonnenhut und Pfeife den Betrachter an.

Der kleinere Sonderausstellungsraum widmet sich den Gärtnern aus Fellbach. Bekannte Namen reihen sich wie Perlen aneinander: Mergenthaler, Schneck, Schönemann, Koch, Schwarzkopf, Schick und andere. Zur Recherche hat Ursula Teutrine viele alte Adressbücher gewälzt: „Im Jahr 1929 gab es allein in Fellbach 45 Gärtnereien – das war Rekord“, erzählt die Museumsleiterin.

In den oberen Stockwerken können die Besucher ein außergewöhnliches Projekt bestaunen, das Studenten der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd ausgetüftelt haben: dreidimensionale Porträts von Dichterpersönlichkeiten. So verändert etwa eine überdimensional große Dahlie aus Papier ihre Farbe zu einem Blumengedicht vom französischen Lyriker Paul Marie Verlaine.