Remstal-Gartenschau Jazzclubs wagen eine Premiere

Von Luitgard Schaber 

Drei Clubs im Remstal tun sich anlässlich der Landesgartenschau erstmals zusammen, um ein mehrtägiges Jazzfest steigen zu lassen. Geworben wird dafür mit einer ganz besonderen Aktion.

Die SWR Big Band kommt ins Remstal. Foto: Veranstalter
Die SWR Big Band kommt ins Remstal. Foto: Veranstalter

Rems-Murr-Kreis - Die Remstalgartenschau verbindet die Kommunen entlang des Flusslaufs – und das nicht nur durch Kanutouren, Wander- oder Radwege. So planen auch die drei Jazzclubs im Tal – Session 88 in Schorndorf, Jazz-Mission in Schwäbisch Gmünd und Armer Konrad in Weinstadt –, zusammen Großes auf die Beine zu stellen. Das allererste Remstaljazzfest wird vom 4. bis zum 7. Juli in den drei Städten steigen. Die drei Clubs kooperieren erstmalig auf so umfangreiche Weise. Zuvor habe man sich lediglich hinsichtlich der jeweiligen Programme etwas abgestimmt, berichtet Luz Weber, der Vorsitzende des Jazzclubs Armer Konrad (Jak): „Damit nicht eine Band kurz hintereinander in allen Clubs auftritt und wir uns gegenseitig Konkurrenz machen.“

Celine Bonacina tritt in Schorndorf auf

Auch beim Remstaljazzfest will man sich nicht gegenseitig übertrumpfen. Dennoch ist an jedem der Veranstaltungstage in allen drei Städten abends etwas geboten. Wie geht das zusammen? „Indem jeden Abend nur ein Highlightkonzert stattfindet“, erklärt Weber. Den Anfang mache am 4. Juli die Jazz-Mission, die das Pablo Held Trio um 19.30 Uhr auf die Remspark-Bühne im Stadtgarten in Schwäbisch Gmünd holt. Dieses gelte als „eine der lebendigsten und bedeutendsten Formationen des europäischen Jazz, die durch die Zusammenarbeit mit internationalen Stars wie Chris Potter, John Scofield und Ralph Towner große Aufmerksamkeit erregt“, kündigt der Club sein Highlight an. Für seinen Auftritt in Schwäbisch Gmünd hat sich das Trio mit dem brasilianisch-französischen Gitarristen Nelson Veras musikalische Unterstützung geholt.

Frauenpower gibt es am Tag darauf auf der Schlossbühne im Schorndorfer Schlosspark – und zwar mit Celine Bonacina. Die Französin beherrscht das Baritonsaxofon als Soloinstrument wie keine andere. Mit „Vitalität, Leidenschaft und Schönheit“ hat der Jazzclub Session 88 ihren Auftritt überschrieben und auf den Punkt gebracht, was das Publikum erwartet, wenn Bonacina von 20 Uhr an mit dem aus Madagaskar stammenden Schlagzeuger Hary Ratsimbazafy und dem mit Jazz- und Weltmusik erfahrenen E-Bassisten Oliver Carole auftritt.

Am Samstag gibt es eine weltweite Uraufführung

Nicht weniger als eine „Welturaufführung“ kündigt Luz Weber für den Samstag an, wenn die SWR Big Band ihr neues Programm „Queens of Soul“ von 20 Uhr an auf den Mühlwiesen in Weinstadt-Großheppach darbietet. Dieses verspricht ein Mix zu werden aus Soulklassikern von Aretha Franklin, Diana Ross und Natalie Cole und aus modernen Titeln, etwa von Amy Winehouse, Beyonce, Incognito und Angie Stone. Dabei wirkten gleich drei Sängerinnen mit, hebt Weber hervor: „Onita Boone aus den USA, die auch schon mit Whitney Houston, Patti Labelle oder Elton John auf Tournee gewesen ist, Ida Sand aus Schweden und die Stuttgarter Soul-Königin Fola Dada.“

Doch ist Fola Dada nicht die Einzige aus der Region, die sich beim Remstaljazzfest präsentiert. Aufgrund eines großen Zuschusses der Baden-Württemberg-Stiftung habe man bewusst auch hiesige Musiker engagiert, erläutert Weber. So stehen beim Abschlusskonzert am Sonntag in Schorndorf mit der Gruppe Jazz Hits Folk auch mehrere Musiker des örtlichen Jazzclubs mit auf der Bühne. Und beim Highlight-Abend des Armen Konrad spielt als Vorgruppe ab 18 Uhr das Marco Leibach Quintett mit Studenten der Musikhochschule Stuttgart, mit welcher der Club auch sonst kooperiert. Auf andere Bande des „Jak“ verweist der Auftritt der Budapest Ragtime Band am Sonntag. Denn seit Anbeginn unterhält der Club enge Beziehungen nach Osteuropa.

Der Jazzbus tourt durch den Rems-Murr-Kreis

So erfreulich der Zuschuss der Stiftung für die drei Clubs ist: Das Risiko für die Veranstaltungspremiere tragen diese allein. Deswegen hat man sich etwas Besonderes einfallen lassen, um sie zu bewerben. Für kommenden Samstag, 29. Juni, hat man den Jazzbus der Interessengemeinschaft Jazz Stuttgart gechartert. Mit Musikern an Bord wird das historische Gefährt durch das gesamte Remstal touren, immer wieder Station machen für spontane Auftritte und so einen Vorgeschmack auf das Fest am darauffolgenden Wochenende bieten.

Geht es nach den drei Clubs, soll die Zusammenarbeit keine Eintagsfliege bleiben, sondern wiederholt werden – auch wenn die viertägige Veranstaltung einen immensen Aufwand erfordert. Zwischen 100 und 150 Freiwillige seien allein in Weinstadt notwendig, um die Konzerte auf die Beine zu stellen.