Remstal-Gartenschau Kleine Preise machen Politik schmackhaft

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Bei der Remstal-Gartenschau gibt es mehr als Blumen: Vor dem Bürgerhaus Rommelshausen vermittelt die Landeszentrale für politische Bildung spielerisch Europa-Wissen, während drinnen musikalische Unterhaltung lockt – mit Schlagern von einst.

Die Croonies präsentieren im Bürgerhaus alte Schlager.Foto: Brigitte Hess Foto:  
Die Croonies präsentieren im Bürgerhaus alte Schlager.Foto: Brigitte Hess

Rommelshausen - Da schlendert man am Wochenende vom Anblick der Blumenschau in Rommelshausen beglückt in Richtung Bürgerhaus – und läuft dort in die Arme von Lisa Kuch und Lydia Holland. Mit samtweichen Stimmen locken die beiden freien Mitarbeiterinnen der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg Passanten an ihren Stand.

Wo findet die Europawahl statt?

„Möchten Sie nicht mal das Glücksrad drehen?“, wirbt Lisa Kuch. Gerne. Bei der Zwei bleibt es stehen. Bekomme ich nun zwei Kugeln Eis? Nein, Lisa Kuch scrollt auf ihrem Laptop in einem Europa-Quiz zur zweiten von 36 Fragen, getestet wird politisches Wissen. Wo findet die Europawahl statt? Vier mögliche Antworten gibt der Computer vor: in Brüssel, im Internet, in den Hauptstädten oder in den Mitgliedsstaaten? Nun, die Europawahl ist noch nicht lange her – natürlich kann man in allen Mitgliedsstaaten wählen. Das war einfach.

Auf Einladung besuchen die Mitarbeiterinnen auch Schulen

Während der Remstal-Gartenschau sind Linda Kuch und ihre Kollegin Lydia Holland jeden Samstag in einer anderen Kommune im Einsatz, um dem Publikum Politik schmackhaft zu machen. Spielerisch kann jeder sein Wissen überprüfen und sich mit Info-Material eindecken. Wer will mehr wissen zum freiwilligen sozialen Jahr, wen interessiert das Thema „Zivilcourage gegen Extremismus“? Ein Faltblatt feiert „100 Jahre Frauenwahlrecht“, eine Landkarte von Baden-Württemberg lädt dazu ein, sich einen Überblick zu verschaffen. „Unser Angebot ist riesig, Lehrer können sich auf unserer Homepage auch Unterrichtsmaterial herunterladen. Leider wird das viel zu selten in Anspruch genommen“, sagt Lisa Kuch.

Welches ist die meistgesprochene Muttersprache in Europa?

Auf Einladung besuchen die Mitarbeiterinnen auch Schulen und lassen, je nach Altersstufe, Kinder etwa bei einem Planspiel in die Rolle eines Politikers schlüpfen. Auch am Glücksrad gibt es Kinderfragen. Das sind dann 36 der einfacheren Kategorie. Ein Beispiel: Welches Meer liegt zwischen Europa und Afrika? „Heute sind nicht viele Kinder gekommen“, zieht Lydia Holland eine Bilanz für den Stand in Rommelshausen, „dafür viele Rentner.“ Ein kleines Deutschland- oder Europapuzzle gefällig, ein Lineal, Blumensamen, Kulis oder Luftballons? Auch wer keine Fragen beantworten mag, darf ein kleines Präsent mitnehmen. So schnell geben sich nicht alle zufrieden, vor dem Griff in die Geschenke-Box also erst eine Frage: Welches ist die meistgesprochene Muttersprache in Europa? Signe Engel und ihr Mann sind stehengeblieben und entscheiden sich zwischen Spanisch, Deutsch, Englisch und Französisch richtig – für Deutsch. Seifenblasen wählt Signe Engel als Preis: „Für die Enkel.“

Wofür um Himmels Willen stehen die zwölf Sterne auf der Europaflagge?

Wem die Politik zu trocken ist: „Wir haben auch geografische, kulinarische und kulturelle Fragen dabei“, sagt Lydia Holland. Wofür um Himmels Willen stehen die zwölf Sterne auf der Europaflagge? Mitgliedsstaaten gibt es doch viel mehr (28), und Gründungsstaaten waren es nur sechs. „Die Zwölf ist eine Symbolzahl, sie steht für Einheit und Frieden“, erklärt Lydia Holland.

Jetzt mal ein bisschen den Kopf auslüften und ran ans großformatige Deutschland-Puzzle. Der siebenjährige Ben Schlotterbeck ist ein Puzzlefan, und sein Opa hilft ihm ein wenig. Als Belohnung bekommt Ben ein Deutschland- und gleich noch ein Europapuzzle im Spielkartenformat geschenkt.

Und was ist die schwierigste Frage nach Meinung der beiden jungen Politikwissenschaftlerinnen? Die hier: Welche der vier Motoren für Europa beteiligen sich an der Eusalp-Strategie? Die Antwort verraten sie nicht, wie gemein. Jetzt raucht der Schädel. Also rein ins Bürgerhaus und entspannen bei den Croonies und ihren Schlagern der 20er, 30er und 40er Jahre. Da reimt sich „denken“ auf „schenken“ und „müssen“ auf „küssen“. Und beim Top-Schlager von 1934, „Wenn die Sonja russisch tanzt“, sind als Ausgleich für draußen die Beine gefragt, nicht der Kopf.