Remstalrebell und Obstbaurevoluzzer „Der originale Palmer-Schnitt“ ganz neu verlegt

Helmut Ritter, laut Palmer sein „bester Schüler“, hält heute noch Schnittkurse ganz im obstbaufachlichen Sinne des Geradstettener Pomologen. Foto: Gottfried Stoppel

Gudrun Mangold ist die Tochter des Remstal-Rebellen Helmut Palmer. Mit ihm hat sie ein Buch über den Oeschberg-Schnitt und den Obstbaukrieg geschrieben, das jetzt im eigenen Verlag neu erschienen ist.

Obstbau - Der Palmengarten – so heißt der neue Verlag der Journalistin, Autorin und Filmemacherin Gudrun Mangold, die ab sofort alle ihre Bücher selbst auf den Markt bringt. Der Name des Verlags, so sagt sie selbst, spielt unter anderem mit dem Namen Palmer – Gudrun Mangold ist schließlich die in Laichingen auf der Alb aufgewachsene Tochter von Helmut Palmer, dem Remstal-Rebell, Pomologen und höchst eigenwilligen Bürgerrechtler aus Geradstetten.

 

Neu gestaltet und großzügiger bebildert

Zusammen mit Helmut Palmer hat sie einst das Buch „Der originale Palmer-Schnitt – Spitzenerträge im Streuobstbau“ geschrieben, das jetzt als großzügig bebilderte Neuausgabe im neuen Verlag erscheint, für den sie, so sagt Gudrun Mangold, all ihre Buchrechte von den bisherigen Verlagen zurückgeholt hat. So erscheint im Verlag Der Palmengarten praktisch gleichzeitig mit dem Werk über den schwäbischen Obstbaukrieg ihr persönlicher Bestseller „Hunger ist der beste Koch – karge Zeiten auf der rauen Alb“. Der Hintergrund der neuen verlegerischen Selbstständigkeit: Der Kosmos- und der Silberburg-Verlag, in denen die Vorläufer-Titel publiziert wurden, seien an größere Münchner Verlagshäuser gegangen. „Zu groß und damit zu anonym, um sich wirklich für meine Themen zu interessieren“, sagt Gudrun Mangold.

Neben völliger Neugestaltung sei ihr an ihren neuen Ausgaben ein klarerer Aufbau und vor allem die ausgiebigere großformatige Bebilderung, um zum Beispiel in Sachen Baumschnitt die Sache auch wirklich anschaulich zu machen. Wichtig sei ihr außerdem die Art der Herstellung. Weg von Plastik-Kaschierung der Cover, keine langen Transportwege und auch kein Plastik-Füllmaterial in den Bücherkartons. Ach ja, erzählt die Palmer Tochter beim Telefonat zwischen Zweitheimat Provence und Remstal: „Ich arbeite an einer Edition La Palmeraie“ – sie will die Titel aus dem Verlag Der Palmengarten zusätzlich auf Französisch edieren und auch auf den dortigen Buchmarkt bringen.

Ein Kapitel über Helmut Palmer als Politrebell und Wahlkämpfer

„Der originale Palmer-Schnitt – Spitzenerträge im Streuobstbau“, so heißt im Palmengarten wiederum das neue, deutlich umfangreicher gewordene Lehrbuch für den Obstbau, das selbstverständlich auch die Politik streifen muss. „Die Oberen stutzen, damit die Unteren Licht bekommen“ – diese Devise habe ihrem Vater gleich gut für den einen wie für den anderen Bereich getaugt, sagt Gudrun Mangold. Entsprechend ist – neben dem wohlwollend-einfühlsamen Vorwort von Stuttgarts Ex-OB und Palmer Wahlkampfgegner Manfred Rommel – auch ein Kapitel mit allerlei Wahlkampfbildern aus Palmers wilden 1970ern. Natürlich auch zum legendären Wahlerfolg in Schwäbisch Hall anno 1974, als Palmer dort bei der OB-Wahl in beiden Wahlgängen mehr als 40 Prozent der Stimmen erkämpfte.

„Mein Anspruch ist wie immer journalistisch – das profunde pomologische Wissen meines Vaters versuche ich in klaren Worten und mit aussagekräftigen Bildern zu erklären“, sagt Mangold zum Hauptpart über Palmers Oeschberg-Schnitt. Minutiös erklärt ist nicht nur das in die Breite weisende Grundprinzip von mittiger Spindel, Leit- und Fruchtästen. Details sind gefragt, etwa welche Wirkung das zentral wichtige „Umkehraugenverfahren“ auf den Wuchs eines Zweiges und die Baumentwicklung hat. Die neue Triebe versprechenden Augen innen und seitlich weg, das Wachstum an der Außenseite des Zweigs erzieht den Baum in die richtige Richtung – eben großflächig nach außen.

Das Buch soll – wie schon einst die 2002 zur damaligen Frankfurter Buchmesse erschienene Erstausgabe – Fachleute wie Amateure gleichermaßen inspirieren. „Jeder sein eigener Baumwart“, so lautete schließlich im Obstbau die Palmersche These Nummer eins.

Mit im Buch vertreten ist da natürlich auch der Mann, der von Strümpfelbach aus am Palmerschen Baumpflegeerbe weiter schafft: Helmut Ritter von Palmer höchst selbst als sein bester Schüler bezeichnet, gibt noch heute jährlich rund ein Dutzend Schnittkurse für Obstbäume – natürlich mit dem einst aus der Schweiz importierten Oeschberg-, dem „originalen Palmer-Schnitt“.

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