Rena dreht Geldhahn zu Hager  + Elsässer sucht nach Insolvenz Investor

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„Die Mitarbeiter sind stinksauer“, heißt es beim Anlagenbauer Hager + Elsässer. Der Grund: das Stuttgarter Unternehmen gehört zu einer Gruppe von Tochterfirmen, für die die Muttergesellschaft Rena aus dem Südschwarzwald Insolvenz angemeldet hat.

In Stuttgart werden Aufbereitungsanlagen für Wasser hergestellt. Foto: Hager + Elsässer
In Stuttgart werden Aufbereitungsanlagen für Wasser hergestellt. Foto: Hager + Elsässer

Stuttgarter - „Die Mitarbeiter sind stinksauer“, heißt es beim Anlagenbauer Hager + Elsässer. Der Grund: das Stuttgarter Unternehmen gehört zu einer Gruppe von Tochterfirmen, für die die Muttergesellschaft Rena aus Gütenbach im Südschwarzwald Insolvenz angemeldet hat. Rena will den rote Zahlen schreibenden Töchtern kein Geld mehr zuschießen. Bei Hager + Elsässer, einem Hersteller von Aufbereitungsanlagen für Prozesswasser in der Industrie, sind 190 Mitarbeiter beschäftigt. Das Stuttgarter Unternehmen zeigt sich für deren Arbeitsplätze optimistisch: „Es gibt eine ganze Reihe von Investoren, mit denen wir im Gespräch sind.“

Dies bestätigt auch ein Sprecher des Mannheimer Anwalts Tobias Hoefer. Der vorläufige Insolvenzverwalter habe sich bereits bei den einzelnen Unternehmen der Gruppe umgesehen und „einen positiven Eindruck gewonnen.“ Es gäbe Interessenten, die zumindest an Teilen interessiert seien. Denkbar sei etwa, dass Hager + Elsässer und die ebenfalls zur Gruppe gehörende ehemalige Firma Stulz, die auch Kläranlagen herstellt, getrennt verkauft würden. Ob es zu einer Aufteilung komme, auch wie viele Arbeitsplätze letzten Endes erhalten blieben, hänge von den Investoren ab. Bei diesen sei man weder auf deutsche Geldgeber noch auf eine bestimmte Branche festgelegt. Die Produktion bei der insolventen Gruppe mit ihren 700 Mitarbeitern laufe weiter.

„Wir fragen uns, wo unser Geld geblieben ist“

Neben Stuttgart gibt es ein weiteres großes Werk im südbadischen Grafenhausen. Zu Problemen bei dieser Gruppe kam es nach den Angaben eines Sprechers von Rena wegen Stornierungen oder Verzögerungen bei einzelnen größeren Projekten.

Die insolventen Tochterunternehmen sind in der SH+E-Gruppe gebündelt, die aus Hager + Elsässer sowie dem ehemaligen Unternehmen Stulz in Grafenhausen im Südschwarzwald besteht. Mitte 2012 hatte Rena diese Gruppe erworben. Hager + Elsässer war 2006 von Stulz gekauft worden. „Wir fragen uns, wo unser ganzes Geld geblieben ist“, sagt ein Mitarbeiter. Beim Einstieg von Stulz jedenfalls sei Hager + Elsässer noch ein gesundes Unternehmen mit genügend Rücklagen gewesen.

Von Note B auf CC

Durch die Insolvenz der Tochtergesellschaften könnte auch die Muttergesellschaft Rena mit ihren insgesamt 2200 Beschäftigten in Gefahr geraten. Die Ratingagentur des Unternehmens, Euler Hermes, hat dieses inzwischen von B auf die Note CC herabgestuft. Die Agentur befürchtet, dass Rena möglicherweise nicht in der Lage sein könnte, die Verpflichtungen der Tochtergesellschaften zu erfüllen. Rena stellt Anlagen zur Bearbeitung von Solarzellen oder Leiterplatten her und hat außerdem Kunden in der Medizintechnik.

Im Jahr 2012 stieg der Umsatz nach Angaben von Rena – auch wegen des Kaufs der SH+E-Gruppe – von 318 Millionen Euro auf 387 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank aber bereits von mehr als 69 Millionen Euro auf 34,5 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss ging 2012 von 50 Millionen Euro auf 17,2 Millionen Euro zurück.

Deutlich an Wert verloren

Das vergangene Jahr, für das noch keine Zahlen vorliegen, wurde aber schon in einer Prognose für 2013 Jahr als schwierig eingestuft. Auch zwei von Rena ausgegebene Mittelstandsanleihen haben bereits deutlich an Wert verloren. Zudem werden für eine davon im Sommer Zinszahlungen in Höhe von 2,8 Millionen Euro fällig .

Mehr als die Hälfte des Umsatzes erzielt Rena mit dem Bau von Anlagen für die Bearbeitung von Solarzellen und Solarwafern. In diesem Bereich sieht sich das Unternehmen nicht nur als Weltmarktführer, sondern auch wieder im Aufwind. Die Hälfte aller Solarzellen weltweit würden auf Anlagen von Rena bearbeitet, sagt ein Sprecher. Um ein besseres Rating zu bekommen und die Verpflichtungen der Töchter zu bewältigen, werde Rena die eigenen Abläufe verbessern, aber auch den Standort GeisingenGutmadingen im Schwarzwald-Baar-Kreis bis Ende 2014 schließen. Die Rena-Gruppe befindet sich in Privatbesitz.