Renaturierung bei Winterbach Die Rems ist kaum wiederzuerkennen

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Die Renaturierung des Flussgebiets zwischen Winterbach und Remshalden ist weitgehend abgeschlossen. Die einst begradigte Rems darf sich wieder ausbreiten.

Bis zur Fertigstellung der Renaturierung wird noch ein Weg befestigt und Erde abtransportiert. Foto: Frank Eppler
Bis zur Fertigstellung der Renaturierung wird noch ein Weg befestigt und Erde abtransportiert. Foto: Frank Eppler

Winterbach - Wie bestellt zischt der blauschillernde Eisvogel direkt vor den Besuchern über die Wasseroberfläche. Gleich mehrere neue Nisthöhlen sind an den Steilwänden der Rems zu finden. Enten planschen in der Strömung. Auf dem Hochwasserschutzwall, entdeckt Hans-Peter Sieg, technischer Geschäftsführer des Wasserverbands Rems, kleine Erdhügel von Schermäusen.

Seit anderthalb Monaten erst sind die Arbeiten an der Rems zwischen Winterbach und Remshalden abgeschlossen, und schon ist die Natur dabei, das Terrain zu erobern. Vor fast einem Jahr hat mit den ersten Baumrodungen die 1,1 Kilometer lange Renaturierung der Rems begonnen. Der Abschnitt ist nicht mehr wiederzuerkennen. Wer wissen möchte, wie der befreite Fluss noch vor kurzem aussah, sollte an der ersten Zugangsstelle bei Winterbach in Richtung Osten blicken: Dort fließt die Rems nach wie vor eingezwängt zwischen meterhohen Wällen.

Eiszeitlichen Kies gefunden

Stromabwärts darf sich der Fluss auf einer Breite von 90 Metern bewegen. „Hier gibt es kein monotones Fließen, sondern es ist für jeden was dabei. Versteck- und Unterschlupfmöglichkeiten, einfach mehr Lebensraum“, erklärt Aida Köhler vom Regierungspräsidium Stuttgart, das die Bauleitung hatte. Es gibt stehende und fließende Bereiche, kleine und große Inseln, steile und abgeflachte Böschungen und auf Höhe der Kleingartenanlage einen großen Kiesstrand. „Das war Glück, dass wir tatsächlich eiszeitlichen Remskies gefunden haben“, erläutert Hans-Peter Sieg. Auch an vielen weiteren Stellen wurde mit dem Material gearbeitet, das die Baggerführer ausgebuddelt haben: „Die flachen Sitzsteine stammen direkt von hier“, sagt Sieg, der den groben Plan für die Umgestaltung gemacht hat. Die Feinprofilierung blieb den Baggerfahrern überlassen, „die wir entsprechend geschult haben“, sagt Aida Köhler.

Der Bauingenieurin ist eines wichtig: „Wir haben nun die Grundlage geschaffen, dass die Natur sich entwickeln kann, wie sie möchte“, sagt sie. Deswegen wurde auf den Einsatz von Kokosmatten oder anderer Befestigungsmaterialien verzichtet. Der Fluss darf die Landschaft verändern, darf Inseln abtragen und neue schaffen. Zwar wurden einige Bäume und an vereinzelten Stellen Röhricht oder Büsche angepflanzt. „Aber nur, damit man bei der Remstal-Gartenschau schon etwas sieht. Eigentlich braucht es das gar nicht“, sagt Aida Köhler.

Ein kleines Hochwasser wäre jetzt gut

So nützlich es war, dass es während der Bauzeit kaum Regen und damit wenig Wasser in der Rems gab, so gut wäre jetzt zumindest ein kleines Hochwasser: „Dabei wird sich feines Schwebmaterial absetzen, das jede Menge Saatgut enthält“, sagt Hans-Peter Sieg. Zurzeit sind mangels Bewuchs noch alle Bereiche der renaturierten Rems gut zu sehen. Doch das wird sich ändern: Angedacht ist, dass zugewucherte und unzugängliche Zonen entstehen. „Wir werden nur die zwei Zugangsstellen pflegen und offen halten“, sagt Hans-Peter Sieg und berichtet, dass vor allem am Wochenende bereits viele Spaziergänger und Radfahrer an der umgestalteten Rems auf Entdeckungstour gehen. An den beiden Zugängen sollen demnächst Infotafeln angebracht werden. Zudem muss noch der Weg auf der nördlichen Seite der Rems befestigt und die restliche Erde abtransportiert werden. „Die Erde ist belastet, das ist getrockneter Klärschlamm, den wir ausgegraben haben. Diesen müssen wir auf einer Deponie entsorgen“, sagt Sieg.

Erst dann wird sich herausstellen, wie viel die Renaturierung tatsächlich gekostet hat, „aber wir gehen davon aus, dass wir den geplanten Kostenrahmen von 3,5 Millionen Euro halten“, sagt Aida Köhler. In ihren Augen eine lohnende Investition: Eine Renaturierung dieser Länge und Breite sei selten zu verwirklichen. „Durch solche Projekte findet ein Umdenken statt: Die Menschen bekommen wieder einen Zugang zur Rems“, sagt Hans-Peter Sieg.




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