Renaturierung der Rems Winterbach Kampagne für lebensfrohe Gewässer

Von Harald Beck 

Am Beispiel der Renaturierung der Rems bei Winterbach stellt das Land die frisch gestartete Landschaftsinitiative mit Namen „Blaues Gut“ vor.

Franz Untersteller und Wolfgang Reimer (von rechts) erläutern eine der Infotafeln an der Rems. Foto: Frank Eppler 9 Bilder
Franz Untersteller und Wolfgang Reimer (von rechts) erläutern eine der Infotafeln an der Rems. Foto: Frank Eppler

Rems - Nein, es sei kein Zufall, dass er binnen zweier Tage zwei Mal am Ufer der Rems weile, hat der Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) bei der Vorstellung der Initiative Blaues Gut an eben jenem Ufer nahe Winterbach betont. Neben den lobenswerten Fortschritten beim Hochwasserschutz tue sich eben auch in Sachen Renaturierung zwischen Schwäbisch Gmünd im Ostalbkreis und Waiblingen einiges. Und zwar an einem Flussabschnitt, dem einst vor gut 80 Jahren ein den Abfluss beschleunigendes, geradliniges und trapezförmiges Flussbett verpasst wurde, das allen Erfordernissen sicherer und ökologischer Gewässergestaltung Hohn spricht.

Rems wieder auf eigenem Weg durch die Natur

Wo die Rems – wie eben hier am für die Remstal-Gartenschau im vergangenen Jahr renaturierten Lauf – früher nur monoton geradeaus floss, habe sich das Gewässer wieder in einen echten Fluss verwandelt, der zum Verweilen einlade, sagte der Umweltminister. Die Rems suche sich nun wieder ihren eigenen Weg durch die Natur. „Nichts ist mehr vorgegeben, sie mäandriert in schönen und natürlichen Formen – das Leben ist in die Rems zurückgekehrt“.

Es gebe inzwischen im ganzen Land zahlreiche wunderschöne Renaturierungen wie in Winterbach, wo sich auch das Leben im Fluss wieder entfaltet habe und Fische und Pflanzen eine Heimat fänden. „Wir wollen und müssen Gewässer wieder zu intakten Lebensräumen mit einer guten Wasserqualität machen“, betonte Untersteller. Aber die Flüsse zu renaturieren reiche nicht aus: „Wir müssen die Gewässer vielmehr ganzheitlich betrachten.“ Beispielsweise müsse der Nährstoffgehalt reduziert werden. Und ganz wichtig sei die Beseitigung von Wanderhindernisse für die Fische sowie die Sicherstellung, dass immer ausreichend Wasser fließe.

Die Gewässer sollen erlebbar werden

Gerade weil diese Dinge in diesem Bereich der Rems perfekt erfüllt worden seien, stelle er, Untersteller, auch hier in Winterbach die neue Initiative des Umweltministeriums vor: „Blaues Gut – wir machen Gewässer besser“ ist deren Motto und Name. Das Ziel ist es, die Menschen mit Infotafeln und im Internet für die Flüsse und Bäche im Land zu begeistern, ihnen die Gewässer und das Leben drumherum näher zu bringen und sie erlebbar zu machen. „Wir wollen mit unserer Initiative nicht nur das Fachpublikum erreichen, sondern die breite Öffentlichkeit, von Schülern über Familien, vom Spaziergänger oder Radfahrer bis hin zum Wassersportler. Sie alle sollen spüren, dass es der Seele guttut, sich an lebendigen Gewässern aufzuhalten“, so Untersteller.

Ganz uneigennützig geschehe das Ganze natürlich nicht, gab der Minister – in Begleitung des Regierungspräsidenten Wolfgang Reimer und des Bürgermeistes Sven Müller – beim kurzen Spaziergang entlang der Rems freimütig zu: „Nur wer seine Gewässer kennt und liebt, wird uns bei unserer Arbeit auch unterstützen.“ Er hoffe zudem, dass die Initiative, deren Internetseite „blauesgut.de“ zum Initiativenstart freigeschaltet wurde, andere Gemeinden in Baden-Württemberg dazu ermunterte, mitzumachen, auch ihre Flüsse zu renaturieren oder die sonst notwendigen Maßnahmen zu ergreifen. Maßnahmen für die – wie in Winterbach – erkleckliche Zuschüsse aus den entsprechenden Fördertöpfen des Landes winken. Untersteller: „Unsere Initiative soll dafür die nötige Unterstützung bieten.“

Ein Thema beim Treffen an der Rems war auch die intensive touristische Nutzung des ökologischen Schmuckstücks, die ihres Ausmaßes wegen während der Gartenschau und auch jetzt im, was die Freizeitgestaltung betrifft, alternativarmen Corona-Sommer zu Kritik geführt hat. Der Appell von Regierungspräsident und Minister: Im Sinne der Natur möge nicht jeder, der sie genieße, alle Bereiche betreten und seine Füße in den Fluss stecken.




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