Renaturierung in Plieningen Der Bach soll sein Korsett verlieren

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Die Stadträte haben die weitere Renaturierung des Ramsbachtals auf den Weg gebracht. Der erste Abschnitt ist auf der Höhe der Plieninger Kläranlage. Der Clou: Das Land gibt einen großzügigen Zuschuss.

2008 wurde  mit der Freilegung des Ramsbachs in Degerloch begonnen. Nun steht eine Renaturierung auch in Plieningen an. Foto: Archiv Regine Warth
2008 wurde mit der Freilegung des Ramsbachs in Degerloch begonnen. Nun steht eine Renaturierung auch in Plieningen an. Foto: Archiv Regine Warth

Degerloch - Die Grünen hätten in diesem Fall wenig Überzeugungsarbeit leisten müssen, meint die Stadträtin Gabriele Munk. Sie ist froh, dass die Renaturierung des Ramsbachs auf Plieninger Gemarkung mit den Beschlüssen der Haushaltsberatungen nun auf den Weg gebracht worden ist. Der Bach soll sukzessive in den kommenden Jahren von seinem Korsett befreit werden.

Die Stadt befreite den Ramsbach bereits 2008 auf einer Länge von 1,7 Kilometern von der Einmündung des Tränkebachs auf Degerlocher Gemarkung bis kurz vor der Einmündung des Weidachbachs aus seiner Betonschale und verhalf ihm zu einem naturnahen Bachlauf. Die Arbeiten kosteten damals 800 000 Euro, von denen die Stadt letztlich 160 000 Euro tragen musste, da die Renaturierung als Ausgleich für den Flughafenausbau galt. Ein Jahrzehnt später soll nun in drei Bauabschnitten auf einer Fließstrecke von 2,2 Kilometern Ähnliches geschehen. Der erste Abschnitt wird dabei auf Höhe der Kläranlage in Plieningen sein. Die Planungen für die Arbeiten sollen im kommenden Jahr beginnen. Mit dem Beginn der Realisierung sei nicht vor Ende 2019 zu rechnen, teilt eine Sprecherin der Stadt mit.

Der Anfang ist gemacht

Doch der Anfang sei gemacht, sagt Gabriele Munk. Dies sei ganz wesentlich der Wasserrahmenrichtlinie des Landes zu verdanken. Diese sieht eine gesetzliche Verpflichtung des Landes vor, Verbesserungen beim Gewässerschutz mit 85 Prozent zu bezuschussen. „Die Stadt trägt selbst nur 15 Prozent der Kosten“, sagt Stadträtin Munk. In Zahlen ausgedrückt bedeutet das, dass das Land 1,5 Millionen für das Vorhaben ausgeben wird. Die Stadt muss aus ihrem Budget 121 000 Euro für die Kosten von insgesamt 1,62 Millionen Euro aufbringen. Die Stadt könne das derzeit einzige Projekt in Sachen Gewässerschutz in der Periode des Haushalts 2018/2019 aus Sicht Munks also einmalig günstig realisieren.

Eine Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2013 hat bereits skizziert, wie das gesamte Vorhaben Renaturierung in drei Abschnitten umgesetzt werden kann. Im ersten, 590 Meter langen Abschnitt auf der Höhe der Plieninger Kläranlage soll der Bach in den Taltiefpunkt verschwenkt und mit einem naturnahen Verlauf in die Körsch gelenkt werden.

Der zweite Abschnitt unterhalb der Brücke am Unteren Haldenweg wird 910 Meter lang sein. Naturnahe Sicherungsbauweisen sollen dabei angebracht werden. Ingenieure verstehen darunter zum Beispiel Matten aus Jute, die vor Erosion schützen sollen. Der dritte Abschnitt zwischen der Querung Birkacher Straße und der Einmündung des Auener Bachs umfasst nur 60 Meter. Doch auf dieser kurzen Strecke ist eine Laufverlegung des Ramsbachs vorgesehen.

Stadträtin rechnet auch künftig mit einer Förderung

Die Machbarkeitsstudie schätze 2013 die Gesamtkosten der Renaturierung inklusive Planung auf 5,2 Millionen Euro. Leider ließen sich die Arbeiten nur nacheinander ausführen, meint Munk. „Dabei handelt es sich ja um Eingriffe in die Natur. Außerdem hätte das Tiefbauamt auch nicht das Personal, um das alles auf einmal zu machen.“

Doch die Stadträtin ist durchaus zuversichtlich, was auch die künftige Förderung des Vorhabens durch das Land Baden-Württemberg betrifft. Der Ramsbach gilt in den Bewirtschaftungsplänen der europäischen Wasserrahmenrichtlinie als sogenannte Programmstrecke für die Gewässerstruktur. Dies bedingt, dass sie nach den Förderrichtlinien Wasserwirtschaft des Landes stets bevorzugt in den Genuss von Zuschüssen kommen sollen. „Die Förderung gibt es ja schließlich auch schon eine Weile. Ich habe keine Signale von der Verwaltung, dass sich daran in absehbarer Zeit etwas ändern wird“, sagt Munk.

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