Renault Zu zweit ohne Dach im Wind sitzen

Von Paul-Janosch Ersing 

Mit einem neuen Cabrio stößt Renault in eine Marktlücke. Das Dach schließt in zwölf Sekunden.

Optisch fällt der Renailt Wind allemal auf. Das kleine Klappdach macht ihn eher zum Targa als zum Cabriolet. Foto:  Renault
Optisch fällt der Renailt Wind allemal auf. Das kleine Klappdach macht ihn eher zum Targa als zum Cabriolet. Foto: Renault

Mit einem neuen Frischluft-Zweisitzer stößt Renault in eine derzeit offene Marktlücke. Das pfiffige Klappdach öffnet und schließt den kleinen Renault Wind, der auf dem Twingo basiert, in nur zwölf Sekunden.

Der Zeitpunkt scheint günstig: Opel Tigra Twin Top – im vergangenen Jahr eingestellt, Ford Streetka – nach nur dreijähriger Bauzeit inzwischen fast vergessen, Mitsubishi Colt CZC und Nissan Micra C+C kürzlich ausgelaufen. Bleiben für die Freunde erschwinglicher offener Zweisitzer derzeit nur das kurze Smart-Cabrio und der exotische Daihatsu Copen. Am 17. September wird das anders: Dann weht nämlich der neue Wind zu den Renault-Händlern, ein Auto, für das man sich das Mischwort Coupé-Roadster ausgedacht hat.

Bis auf eine etwas eigenwillig verlaufende Dachlinie am Heck hat der Wind allerdings nichts von einem klassischen Coupé, und mit Roadster heben seine Schöpfer wohl auf die offene Zweisitzigkeit ab. Wenn der Begriff nicht von Porsche besetzt wäre, könnte man angesichts der feststehenden Heckscheibe von einem Targa sprechen. Vorn verzichtet Renault – wie auch beim Twingo – komplett auf einen oberen Kühllufteinlass. Die weit in die Kotflügel hineinragenden Scheinwerfer sehen im ausgeschalteten Zustand aus wie hochwertige Bi-Xenon-Leuchten, werden jedoch mit konventionellen Halogenleuchten befeuert.

Von der Seite aus betrachtet setzt der Wind dank seiner nach hinten ansteigenden hohen Gürtellinie voll und ganz auf Keilform. Ein gewölbter Heckspoiler, der gemeinsam mit den sichelartig geschnittenen Rückleuchten ein flaches Oval bildet, macht den Wind von hinten unverwechselbar. Mit seiner Länge von 3,83 Metern liegt er zwischen seinen beiden Brüdern Twingo und Clio, aus deren Baukästen sich die Renault-Ingenieure eifrig bedient haben. So entstammt beispielsweise das Fahrwerk dem Twingo Sport, die geschwindigkeitsabhängige elektrische Servolenkung kommt vom Clio.

Dem Himmel näher ist man im Wind zweifellos: Wenn das Dach mittels eines Drehgriffs entriegelt ist, klappt es sich auf Knopfdruck auf einer Achse in Höhe der zweiten Dachsäule um 180 Grad nach hinten, bis es mit der Oberseite nach unten auf der Heckklappe aufliegt und schließlich unter der ebenfalls automatisch schwingenden Dachabdeckung verschwindet. Der gesamte Vorgang im Stand dauert nur zwölf Sekunden, ein rekordverdächtiger Wert. Bemerkenswerter Nebeneffekt der neuartigen Klapptechnik ist ein verhältnismäßig geringes Gewicht. Nur 22 Kilogramm zusätzlich bringen Elektromotoren, Scharniere und Verriegelungen auf die Waage. Zum Vergleich: Bei anderen Klappdach-Cabriolets sind das mitunter bis zu 100 Kilogramm Mehrgewicht. Zusätzlich zur gläsernen Heckscheibe hält Renault als Zubehör ein eigenartig geformtes Windschott bereit, dessen Preis bei rund 200 Euro liegen soll. Mit dem Ding gewinnen die Franzosen zwar garantiert keinen Designpreis, es wirkt hinsichtlich unangenehmer Luftverwirbelungen allerdings Wunder.

Im Cockpit durften sich die Designer ein bisschen austoben: Die direkt vor dem Fahrer platzierten Rundinstrumente sind durch tiefe Zylinder aus silbrigem Kunststoff eingefasst, darüber spannt sich eine in verschiedenen Farben erhältliche halb transparente Abdeckung, Türschlaufen aus Leder gehen als nette Spielerei durch. Das etwas klobige Lenkrad erinnert einen allerdings daran, dass der Wind keine Rennsemmel, sondern ein ganz gewöhnlicher offener Zweisitzer ist.

Letzteres wird auch beim Blick unter die weit nach vorn gezogene Haube deutlich. Für den Antrieb sorgt dort in der Einstiegsversion für 16900 Euro ein 74 kW (101 PS) starker 1,2-Liter-Benziner mit Turbolader, der nach der Norm 6,3 Liter Super auf einhundert Kilometern verbraucht und das 1206 Kilogramm schwere Wägelchen in 10,5 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt. Wer 1400 Euro mehr auf den Tisch legt, erhält ein Aggregat mit 1,6 Liter Hubraum und 98 kW (133 PS). Der stärkere Benziner kommt ohne Turbo aus, zeigt seine Kraft jedoch lediglich bei hohen Drehzahlen. Wer es darauf anlegt, kann auf deutschen Autobahnen die Zweihunderter-Marke knacken: Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 201 km/h.

Renault meint übrigens, mit dem in fünf Farben lieferbaren Wind, seinen Preisen und seiner Alltagstauglichkeit vor allem junge Frauen zu beeindrucken. Ein Satz zum praktischen Nutzwert ist daher angebracht: Das Gepäckabteil fasst 270 Liter und damit nur 18 Liter weniger als das des Clio.