Rendite mit Rubin, Smaragd & Co Taugen Edelsteine als Wertanlage?

Edelsteine als funkelndes Investment. Foto:  

Ein Rubin als Geldanlage? Der Österreicher Thomas Schröck handelt seit 35 Jahren mit Farbedelsteinen und hat viele Kunden in Baden-Württemberg. Auf was Privatanleger achten sollten.

Wirtschaft: Imelda Flaig (imf)

Als Privatanleger auf Edelsteine setzen, ist das eine gute Idee? Und auf was sollte man achten? Es sind nicht nur Vermögende, die in Edelsteine investieren. „Das beginnt beim Busfahrer, der 100 000 Euro auf dem Konto hat und 10 000 Euro in Edelsteinen anlegen will“, nennt Edelsteinhändler Thomas Schröck ein Beispiel.

 

Aber auch Ärzte, Freiberufler Rechtsanwälte und sehr betuchte Menschen zählen zu seinen Kunden – auch aus dem Großraum Stuttgart, wo er des Öfteren ist. Auch Stiftungen und Family Offices, also Gesellschaften, die das Vermögen der Unternehmerfamilien verwalten, setzten auf Renditen mit Rubin, Smaragd, Saphir & Co.

Diversifizieren heißt das Zauberwort

Edelsteine seien für Anleger interessant, die schon andere Investments wie etwa Immobilien, Aktien oder Gold hätten und noch stärker diversifizieren wollten, sagt Schröck. Wer nur 20 000 Euro Gesamtvermögen hat, dem rät er vom Kauf ab. Schröck betreibt ein Millionengeschäft. Mit seiner Firma The Natural Gem, die in Wien ihren Sitz hat, ist er im internationalen Edelsteinhandel tätig und macht jährlich zwischen zehn und zwölf Millionen Euro Umsatz.

Thomas Schröck gilt als ausgewiesener Experte für naturfarbene Edelsteine. Foto: : Jolly Schwarz

Der promovierte Ökonom und ausgebildete Gemmologe – ein Experte, der sich auf die wissenschaftliche Untersuchung und Bewertung von Edelsteinen spezialisiert hat – hat Erfahrung mit hochkarätigen Investments. Seine Edelsteine sind naturfarben und unbehandelt, aber immer geschliffen und sie sind alle extern zertifiziert – meist durch Schweizer Labore, die sich als internationaler Standard etabliert haben. Am Gesamtmarkt machen solche unbehandelten Farbedelsteine wie etwa Rubin, Smaragd oder Saphir gerade mal drei bis fünf Prozent aus. Das macht sie begehrenswert und zugleich kostspielig. Den Durchschnittswert für ein Kilogramm feiner Rubine beziffert Schröck auf rund 240 Millionen Euro.

„Kleiner, leichter zu transportieren und zu lagern“

Was der Unterschied zu Gold ist? „Ein Edelstein ist viel kleiner, leichter zu transportieren und zu lagern – und man kann ihn auch als Schmuck tragen“, kommt die prompte Antwort. Der 54-Jährige spricht auch von einer schon ewig existierenden Fluchtwährung. Es gehe nicht um Spekulation, sondern um Werterhalt, sagt er, wenngleich Unsicherheiten an den Finanzmärkten auch für steigende Preise am Edelsteinmarkt gesorgt hätten.

In der Coronapandemie haben Edelsteine im Schnitt um 28 Prozent an Wert zu gelegt. Auch die Verunsicherung durch die unberechenbare Politik von Donald Trump treibe die Preise. Kleine Steine sind ab rund 2500 Euro zu haben – nach oben gibt es kaum Grenzen.

„Nie ohne Zertifikat kaufen“

Sein wichtigster Tipp: Einen Stein nie ohne Zertifikat kaufen, denn ohne Zertifizierung sei er nahezu unverkäuflich. Für Einsteiger hält Schröck einen Rubin für interessant, da er das größte Wertsteigerungspotenzial habe, am seltensten und weltweit am gefragtesten sei. Als Haltedauer empfiehlt er fünf bis zehn Jahre. Nach fünf Jahren helfe man den Kunden auf Wunsch beim Wiederverkauf. Die langfristige Wertsteigerung beziffert er auf vier bis sechs Prozent im Jahr. Der Preis bildet sich durch An- und Verkäufe bei Händlern, Auktionshäusern und größeren Juweliergeschäften. Neben der Sorte des Steins spielen, Größe, Klarheit, Farbintensität und auch die Herkunft eine Rolle.

Wer sich die Mehrwertsteuer sparen will, der kann seine Steine auch in Zollfreilagern in Lichtenstein oder Singapur lagern. Die jährlichen Kosten liegen bei ein bis 1,5 Prozent des Warenwerts.

Eine Schwäche für Farbwechselsaphire

Wenn Schröck über Edelsteine spricht, schwingt Begeisterung mit. Es gebe Steine am Markt, die viel wert seien aber kein Funkeln und keinen Wow-Effekt ausstrahlten. „Da empfehle ich, die Finger davon zu lassen, weil der Wiederverkauf unglaublich schwierig ist.“ Und sein Favorit? Der Rubin, sagt er und verrät, dass er noch ein zweites Faible habe: Farbwechselsaphire etwa aus Sri Lanka oder Ostafrika, die bei weißem Licht grün funkelten und bei Kerzenlicht violett oder rot. „Das ist aber nicht das, was ich einem Kunden als Erstinvestment empfehlen würde, aber ein wunderschönes Nischenprodukt“, findet Schröck.

In der Coronapandemie haben Edelsteine im Schnitt um 28 Prozent an Wert zu gelegt. Foto: TNG

Er ist keiner, der mit viel Pomp um Kunden wirbt – er hält Vorträge, wie jüngst auf der Stuttgarter Messe Invest, ist gefragter Gesprächspartner etwa in Podcasts und auch noch Buchautor. Er hat sich längst abgewöhnt, Menschen nach ihrem äußeren Erscheinungsbild zu beurteilen. „Je höher die Nase eines Kunden und je reicher er sich gibt, desto weniger Geld hat er“, sagt Schröck aus Erfahrung. Er hatte schon mit Kunden zu tun, die unter falschen Namen und bescheiden aufgetreten sind, weil sie „völlig normal wahrgenommen werden wollten und auch nicht riskieren wollten, dass die Preise aufgrund des Namens um 30 Prozent steigen“, erzählt er.

Mit einem Bergkristall hat alles angefangen

Schröck selbst ist durch Zufall bei Edelsteinen als Investment gelandet. Als achtjähriger Bub brachte ihm sein Vater vom Jagen einen Bergkristall mit, der seine Begeisterung weckte. Mit 12 hat er sein Faible für geschliffene Edelsteine entdeckt, über die Mineralien-Zeitschrift „Lapis“ kam er in Kontakt mit einer indischen Großhandelsfamilie. Mit 15 Jahren hat er die ersten Steine aus Indien gekauft und für deutlich mehr Geld verkauft. Mit 20 eröffnete er ein Juweliergeschäft, dann studierte er noch Wirtschaft und war zwischenzeitlich auch in der Politik aktiv. Im Jahr 2008 – mitten in der Finanzkrise – hat er seinen ersten großen Deal gemacht und Edelsteine an einen „vermögenden Herrn“ verkauft, der plötzlich vor seiner Tür stand. „Das war mein erster großer Investmentkunde, der hat für eine siebenstellige Summe gekauft“, sagt Schröck. Das war der Startschuss als professioneller Händler für Investmentsteine, weil im allgemeinen Bereich der Edelsteine ist Schröck seit 35 Jahren tätig.

Die Nachfrage steigt, die weltweite Fundmenge nicht. Es gebe noch drei große Herkunftsgebiete. Das Himalaya-Gebirge – von Tadschikistan bis Myanmar, der ostafrikanischen Grabenbruch von Äthiopien südwärts mit Madagaskar und Sri Lanka, und die Anden. „Ich bin selber schon in trüben Flüssen in Sri Lanka gestanden und hab Edelsteine gewaschen“, sagt Schröck. Das beste Transportmittel für Edelsteine ist seiner Ansicht nach eine möglichst unauffällige Tüte vom Discounter. Nicht auffallen sei wichtig. Panzerwagen und Bodyguards sei nur was für Filme und höchstens fürs Ego gut. Das ziehe falsche Menschen an, sagt er.

Ein Rat ist ihm wichtig. Als Tourist sollte man nicht in Indien oder Sri Lanka einen Stein kaufen – höchstens als Souvenir. „Es gibt keine Schnäppchen“, sagt er. Der Edelsteinhandel sei globalisiert. Wenn heute auf 4500 Meter in Pakistan ein schöner Stein gefunden werde, hätten er und seine Kollegen den üblicherweise nach kurzer Zeit per Whatsapp auf dem Handy mit der Frage: „Do you want to buy?“

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