Renitenztheater Stuttgart Intendant Sebastian Weingarten hört auf
Im Stuttgarter Renitenztheater endet eine Ära: Der Intendant Sebastian Weingarten hört 2023 auf. Aktuell ist die Pandemie die größte Sorge des Hauses.
Im Stuttgarter Renitenztheater endet eine Ära: Der Intendant Sebastian Weingarten hört 2023 auf. Aktuell ist die Pandemie die größte Sorge des Hauses.
Stuttgart - Seit 2004 ist Sebastian Weingarten der Intendant des Renitenztheaters in Stuttgart, mit ihm ist die bundesweit profilierte Kabarettbühne zum Hospitalhof umgezogen. Nun hat Weingarten erklärt, dass er sich Mitte 2023 zurückzieht. „Seine Zeit beim Renitenztheater reicht viel weiter zurück, er hat hat schon mit dessen Gründer Gerhard Woyda eng zusammengearbeitet“, sagt Thomas Zell, der erste Vorsitzende des als Verein organisierten Theaters. „Nun hat Sebastian Weingarten entschieden, dass es an der Zeit ist, Jüngere heranzulassen.“
Die Suche nach einer Nachfolge hat bereits begonnen. „Er hat uns so rechtzeitig informiert, dass wir das in Ruhe angehen können.“, sagt Zell. „Natürlich kann ich noch nichts offenbaren. Wir haben ein gutes Team und legen größten Wert darauf, diese Kontinuität zu erhalten.“
Ein „Riesenschritt“ sei die Ansiedlung am Hospitalhof gewesen: „Der Ort ist ideal, zumal nach der Neugestaltung, und wir haben seither eine Gastronomie im Haus“, sagt Zell, der auf eines besonders stolz ist: „Wir haben den Umzug aus eigenen Mitteln gestemmt, ohne Förderung von Stadt und Land.“ Als ehemaliger Daimler-Manager hat er einen Blick für wirtschaftliche Belange, den der Verein offenkundig zu schätzen weiß: Gerade wurden der Vorstand und sein Vorsitzender für drei Jahre wiedergewählt. Zell engagiert sich auch beim Kammerorchester, dem Hymnus-Chor und bei Weihnachtsmann & Co. Jüngst hat er für sein kulturelles und soziales Engagement das Bundesverdienstkreuz bekommen. „Das war auch fürs Renitenztheater“, sagt er. „Aber alleine schaffe ich das ja nicht – letztlich ist das eine Auszeichnung fürs ganze Team.“
Wie alle Kulturveranstalter beschäftigt auch ihn die anhaltende Pandemie: „Die Lage ist dramatisch, wir haben 260 Plätze und belegen zwischen 20 und 50, manchmal 100“, sagt Zell. „Oft sagen Künstler ab, Vorstellungen fallen aus. Wirtschaftlich macht das keinen Sinn, wir haben nur noch wegen des kulturellen Auftrags offen.“ Ein kritischer Punkt könnte erreicht sein, wenn das Restaurant „La Commedia“, das mittags bereits geschlossen hat, auch abends dichtmacht. „Und niemand weiß, wie es im Januar und Februar aussieht“, sagt Thomas Zell – „ wir schweben momentan im luftleeren Raum.“