Das Stuttgarter Renitenztheater möchte ein Ort der Begegnung sein – auch für Kinder und Jugendliche. Mit einem neuen Diskussionsformat öffnet Intendant Roland Mahr den Raum für Gespräche zwischen Generationen.
Roland Mahr übernahm 2023 die Intendanz des Stuttgarter Renitenztheaters. Mit ihm kam eine Vision: Brücken zu bauen zwischen Generationen, junge Menschen zu Wort kommen lassen, ihnen ein Erlebnis bieten. Das will das aktuelle Projekt „Jump Into The Future“. Hier treffen verschiedene Altersklassen aufeinander, ob kurz vor dem Schulabschluss oder 20 Jahre nach dem Renteneintritt, und sprechen über Werte und Meinungen. In „Jump Into The Future“ besprechen Jugendliche gemeinsam mit Junior- und Seniorexperten Grundsatzthemen – sei es Dating, Körperideale oder Work-Life-Balance. Geleitet wird der Abend von Kulturjournalistin Adrienne Braun.
Fakten und persönliche Anliegen
Was vereint die Generationen? Was unterscheidet ihre Sichtweisen? Und was sind die Fakten zu bestimmten Themen? Fragen wie diese stehen im Zentrum. Für eine sichere Argumentation erarbeiten die Jugendlichen ihr Thema vor der Veranstaltung in Workshops. Gemeinsam mit Adrienne Braun und dem Theaterpädagogen Michael Dostler lernen sie, wie man recherchiert, wie man Themen aufbereitet und fürs Publikum darstellt.
Der nächste Abend am 11. Februar wird von sieben Schülern und Schülerinnen des Salier-Gymnasiums aus Waiblingen präsentiert. Unter dem Titel „Schöner Wohnen: Stadt oder Land?“ zeigen die Jugendlichen Fakten zu Sicherheit, Ökologie, Kultur oder Politik im städtischen und ländlichen Raum, sprechen über ihre eigenen Erfahrungen und rücken dabei vor allem die Blickwinkel in den Vordergrund, die junge Menschen bei diesen Themen beschäftigen: Welche Rolle spielt der Breitbandausbau für das kulturelle Leben? Oder was ist beim Wohnen für die seelische Gesundheit wichtig?
Starke Prägung durch Corona
Intendant Roland Mahr liegt sehr viel an dem Projekt: „Es ist wichtig, dass die jungen Menschen ernst genommen werden. Wir müssen Brücken bauen zwischen den Generationen. Davon können wir alle profitieren und lernen“, sagt er im Gespräch und fügt hinzu: „Diese junge Generation ist vor allem durch die Coronapandemie geprägt. Sie waren vor der Pandemie noch Kinder, dann war mehrere Jahre quasi Stillstand, jetzt sind sie fast erwachsen. Wir müssen uns fragen: Welche Themen, welche Sorgen bewegen diese Generation? Welche Chancen haben diese jungen Menschen?“
Die letzte Jugendwahlstudie des Instituts für Generationenforschung aus dem Jahr 2024 zeigte: Viele junge Menschen kämpfen vermehrt mit Zukunftsängsten. Debatten werden hierdurch nicht selten emotional geführt und politische Einstellungen spitzen sich zu. Ähnliches berichten auch die Schülerinnen und Schüler des Salier-Gymnasiums aus Waiblingen. Auf die Frage, warum er Teil von „Jump Into The Future“ sein wollte, antwortet der 16-jährige Gianluca: „Ich finde, dass wir in einer Zeit leben, in der gewisse Gespräche sehr emotional geführt werden und man oftmals in Streitereien kommt – vor allem zwischen den Generationen. Und wenn wir jetzt einfach mal aufeinandertreffen und ein gutes Gespräch führen, bringt uns das alle weiter.“
Lernen abseits des Schulalltags
Nicht nur die Inhalte der Debatte reizen die Jugendlichen, auch im Erlernen von Recherche und Präsentation sehen sie einen Mehrwert – insbesondere mit Blick auf eine berufliche Zukunft im Journalismus. „Das öffentliche Sprechen vor Publikum, das macht man ja nicht jeden Tag. Da lernt man einfach eine Kompetenz, die man in der Zukunft gut gebrauchen kann“, sagt die 16-jährige Hannah. Darin sieht auch Intendant Roland Mahr einen Vorteil für das Theater als pädagogischen Raum: „Es macht einen Unterschied, ob sie das Recherchieren in der Schule lernen oder ob sie rausgehen und das mit einer Journalistin erarbeiten. Abseits des Schulalltags hat das eine ganz andere Atmosphäre.“
Veranstaltung Am Dienstag 11.2. diskutieren neben den Schülerinnen und Schülern des Salier-Gymnasiums Juniorexpertin Valeria Anselm (Autorin und Klimaaktivistin) und Seniorexperte Peter Höflinger (kaufmännischer Vorstand der SSB bis 2010) über Vor- und Nachteil des Stadt- oder Landlebens. Beginn ist um 18.30 Uhr. Tickets gibt es an der Kasse des Renitenztheaters und unter www.renitenztheater.de. Für Schülerinnen und Schüler, Studierende und Auszubildende ist der Eintritt gratis.
Das Stuttgarter Renitenztheater wurde 1961 von Gerhard Woyda gegründet und zählt zu den ältesten Kabarettbühnen Deutschland. Das Theater bietet ein vielfältiges Programm aus Kabarett, Comedy und Musik und ist unter anderem Ausrichter des renommierten Kabarettpreises „Stuttgarter Besen“. Seit 2010 befindet sich das Theater in der Büchsenstraße 26 im Hospitalviertel. Die Intendanz liegt seit 2023 bei Roland Mahr.