Friedrich Merz will CDU-Chef werden. Am Montag hat er sich in einem Livestream den Fragen der CDU-Mitglieder gestellt. Wie hat er sich dabei geschlagen?

Korrespondenten: Katja Bauer (tja)

Berlin - Im Rennen um den CDU-Vorsitz hat sich am Montagabend Friedrich Merz als erster Kandidat im Livestream den Fragen der Mitglieder gestellt. In den knapp eineinhalb Stunden kamen mehr als 20 Parteigänger zu Wort – mit einem Fragenkatalog, der vom europäischen Grenzschutz und den Problemen der Globalisierung bis zu ganz persönlichen Punkten reichte: „Warum tun Sie sich das noch einmal an?“, lautete die Abschlussfrage. „Es hat schon etwas Irrationales“, antwortete Friedrich Merz. Er sei aber der Partei aufs Engste verbunden und dann greife eine Schwäche von ihm: „Ich kann nicht Nein sagen, wenn ich von so vielen Parteifreunden gebeten werde und dann auch noch die Umfragen sehe.“

Kritik an der Online-Registrierung

Etwa 2800 der 400 000 Parteimitglieder beteiligten sich an dem Livestream – und verdeutlichten damit auch, dass der Anspruch der CDU, die „digitalste Partei Deutschlands“ zu werden, noch weit von der Wirklichkeit entfernt ist. Erst am Vormittag hatten die drei Kandidaten im Parteivorstand kritisiert, dass die Online-Registrierung für die anstehende Mitgliederbefragung zu kompliziert sei. Auch Merz bat am Abend bei einer Frage nach künftiger Mitgliederbeteiligung inständig: „Geben Sie uns doch bitte Ihre Mailadressen.“ Nur eine Minderheit der Mitglieder sei digital an die Partei angebunden. Merz nannte als ein Ziel, die Mitglieder künftig mehr an der Sacharbeit in der Partei zu beteiligen.

Auch Gleichstellung spielt eine Rolle

Viele Fragen, die an Merz gerichtet wurden, zeigten die hohe Erwartung, welche die Anhänger gegenüber dem Kandidaten hegen. Zwar wären dessen Kompetenzen als Chef einer Oppositionspartei derzeit äußerst begrenzt. Aber trotzdem wollte ein Parteimitglied wissen, was Merz „in der Finanzpolitik der EZB“ tun würde. Seine Antwort: Er habe sich mit seiner Sicht, wonach die EZB längst aus der expansiven Geldpolitik aussteigen müsse, schon mehrfach in seinem persönlichen Newsletter beschäftigt, der auf seiner Website abonnierbar sei.

Veranstaltung wird live gestreamt

Auch das Thema Gleichstellung spielte indirekt eine Rolle in der Fragerunde – Frauen waren bei den Fragestellern deutlich unterrepräsentiert. Jede einzelne Frau, die im Chat oder auf dem Bildschirm zu Wort kam, thematisierte diesen Umstand und kritisierte dies. Die erste Frau überhaupt kam erst nach mehr als einer Stunde zu Wort. Merz erklärte, es gebe zu wenige Frauen in der Partei, in „politischen Führungsaufgaben“ und in den Parlamenten. Deshalb habe er „intensiv danach“ gesucht. Er sei entschlossen, die Partei hier besser zu machen.

Am Mittwoch und Donnerstag werden die beiden anderen Kandidaten, Norbert Röttgen und Helge Braun, sich den Fragen der Mitglieder stellen. Die Veranstaltung wird jeweils live gestreamt. Am 1. Dezember gibt es nach dem Fahrplan der Christdemokraten einen gemeinsamen Auftritt aller drei Kandidaten in einem sogenannten Townhall-Format, das außer im Internet auch im Fernsehen übertragen werden soll.