Rennfahrer aus Gerlingen Laurents Hörr geht auf die Überholspur

Von  

Der Gerlinger Rennfahrer träumt von einem Le-Mans-Sieg – und arbeitet hart daran. In Austin gab er eine Probe seines Könnens ab.

Rennfahrer durch und durch: Laurents Hörr Foto: privat/Hörr
Rennfahrer durch und durch: Laurents Hörr Foto: privat/Hörr

Stuttgart - Es riecht nach Öl und Gummi, überall stehen verschmierte Regale, halb leere Tonnen und Drehbänke herum – so stellt man sich eine Werkstatt in den 70er Jahren vor. Ein charmantes Chaos ist das, in dem sich nur zurechtfindet, wer täglich darin lebt. Ein Porsche steht auf der Hebebühne, zwei sind in der Garage so geparkt, dass man sich an ihnen vorbeizwängen muss. Hier, in Feuerbach, arbeiten die Hörrs: der Vater, der Opa, und manchmal hilft Sohnemann Laurents auch noch mit. Viel Zeit hat er dazu allerdings nicht.

Laurents Hörr ist 22 Jahre alt – und Rennfahrer. Dass sein Vater in der Werkstatt hin und wieder alles liegen und stehen lassen muss, um für seinen Nachkommen das Wohnmobil zu Testfahrten nach Spanien zu überführen und danach wieder allein zurückzufliegen, es grenzt schon an überzogene Vaterliebe. „Er musste damit rechnen, als er mich mit fünf Jahren ins Kart gesetzt hat“, sagt Laurents Hörr in einem kleinen Café in Feuerbach, das keine 200 Meter entfernt liegt von der nostalgisch anmutenden Werkstatt, und er lächelt dabei.

Die etwas andere Karriere

Die Rennfahrerkarriere von Laurents Hörr ist im Vergleich zu vielen seiner Altersgenossen im Motorsport etwas anders verlaufen. Die meisten Jugendlichen fahren Kart und schleichen sich, so die Finanzen es von Haus aus zulassen, vor bis in die unteren Formel-Sport-Klassen – im besten, aber auch seltensten Fall endet das in der Formel 1. Laurents Hörr war auch im Kartsport unterwegs, doch geht er als eine Art Selfmademann seinen eigenen Weg. Über die Formel Renault landete er im Le Mans Cup, in dem er im vergangenen Jahr sogar die Meisterschaft gewann. Und im selben Jahr hat er dazu noch erfolgreich sein Studium abgeschlossen im Bereich 3-D-Design und -Animation. Falls aus der Rennfahrerkarriere nichts wird, muss man gewappnet sein, Hörr weiß das.

Doch noch ist die eigene Pilotenkarriere im Soll, sie macht ihm Hoffnung – hoch motiviert ist er auf jeden Fall. Erst vor wenigen Tagen bekam er den Zuschlag, in der GTE-Am-Klasse an der Langstrecken-WM WEC teilzunehmen – das war schon immer ein Traum von ihm. In Austin gab er am vergangenen Wochenende mit den Piloten Egidio Perfetti und Matteo Cairoli im Cockpit eines Porsche 911 RSR sein Debüt – sie kamen auf den 22. Gesamtrang und Platz drei in ihrer Klasse. „Die Erfolge von Laurents, die er im GT- und Prototypensport gefeiert hat, stimmen uns positiv, dass wir ihn gut weiterentwickeln können“, sagt Teamchef Axel Funke.

Dreimal die Woche im Fitnessstudio

Dreimal die Woche schlägt Hörr im Fitnessstudio auf, weil die Fliehkräfte im Rennwagen so viel Kraft kosten. „Es macht mir zwar keinen Spaß, aber es ist Teil meines Jobs, der mein Lebensinhalt ist“, sagt er über das quälende Gewichte-stemmen. In diesem Jahr ist neben dem WEC-Einsatz ein Engagement in der European Le Mans Series geplant, Hörr ist also zweifach aufgestiegen. Rennstart ist wohl am 5. April am Circuit de Catalunya, der bei Barcelona liegt und die Heimstrecke seines großen Vorbilds Fernando Alonso ist. „Fernando ist unfassbar, er ist mit jedem Auto schnell, das man ihm gibt“, sagt der Rennfahrer aus Gerlingen.

Der Weg des Laurents Hörr ist steinig – doch er glaubt an sich und sein Projekt. Er hat all seine Sponsoren selbst an Land gezogen und er pflegt sie auch, indem er einmal im Jahr ein Event veranstaltet, zu dem Gönner und Freunde eingeladen werden zum netten Beisammensein – und immer steht dann auch ein Rennwagen am Ort. Ein paar Sponsoren mehr könnten es schon sein, sagt er, doch diese Erkenntnis hat er nicht allein; auch Formel-1-Teams sind stets auf der Suche nach Geldquellen.

Noch geht es, noch läuft der Laden – und Hörr träumt seinen Traum weiter. „Mein Ziel ist nicht die Formel 1“, sagt er und ist ob seiner Beziehungen, die bekanntermaßen das halbe Leben sind, durchaus Realist. „In der Langstrecken-WM mal einen LMP1-Rennwagen zu fahren, das wäre der Wahnsinn“, sagt Hörr, dessen Vorbild da der Le-Mans-Sieger Marc Lieb ist. Der Porsche-Pilot habe es exakt so nach oben geschafft, wie Hörr es auch schaffen will: selbstbestimmt, hartnäckig – und im festen Glauben an sich selbst. Nur so geht es. Er weiß das.