Renningen Die Lokalmatadoren stehen im Mittelpunkt

Von Kathrin Klette 

Mehr als 600 Zuschauer beobachten an zwei Abenden die Kandidaten für die Wahl des Bürgermeisters.

Vier für Renningen: Bürgermeister Wolfgang Faißt, Herausforderer Helmut Epple, Dennis Metzulat und Ulrich Raisch (v. l.). Foto: factum/Bach
Vier für Renningen: Bürgermeister Wolfgang Faißt, Herausforderer Helmut Epple, Dennis Metzulat und Ulrich Raisch (v. l.). Foto: factum/Bach

Renningen - Wer sich im Vorfeld ein wenig mit der Bürgermeisterwahl beschäftigt hat, der hat bei der offiziellen Kandidatenvorstellung in Renningen und in Malmsheim viel Bekanntes von den Bewerbern erfahren. Alle anderen bekommen einen umfassenden Überblick über die Pläne und Zukunftsvisionen von Wolfgang Faißt, Helmut Epple, Dennis Metzulat und Ulrich Raisch. Allein Alfred Wilhelm von der Nein-Idee ist aus gesundheitlichen Gründen nicht erschienen. Das Interesse der Bürger ist groß, fast 350 beziehungsweise 300 Zuschauer erscheinen bei den zwei Versammlungen.

Besonderes Interesse hegen die Zuhörer am direkten Vergleich der Meinungen von Amtsinhaber Wolfgang Faißt und seinem Renninger Gegenkandidaten Dennis Metzulat. In wesentlichen Punkten, das wird bereits bei ihrer Vorstellungsrede deutlich, sind sie sich einig: Lärmschutz hat Priorität, der Kontakt zu den Bürgern ist wichtig. Und: Renningen braucht das Wachstum, damit junge Leute und Familien, die hier verwurzelt sind, eine Perspektive haben und hier auch später leben können. Über die konkrete Umsetzung gehen ihre Ansichten jedoch auseinander.

Ein Zuhörer nennt das Beispiel Rutesheim, wo kleine Baugebiete ausgewiesen würden, in denen gebürtige Rutesheimer den Vorzug erhielten. „Warum ist so was nicht auch in Renningen möglich?“, will er wissen. „Genau das ist mein Konzept“, meint Metzulat, „dass ich mir auch andere Städte anschaue, wie es dort funktioniert.“

Metzulat für kleine Wohngebiete

Er stehe hinter dem Prinzip der kleinen Wohngebiete von zwei bis vier Hektar, die sich leichter verwirklichen ließen. „Die Umsetzung von Schnallenäcker II dauert jetzt schon sieben Jahre“, beklagt er.

Faißt gibt zu bedenken: Die nächsten Baugebiete seien deutlich kleiner, vor allem der Stadtteilpark mache Schnallenäcker II so großflächig. Die Plätze dort seien fast ausschließlich an Renninger gegangen. „Aber zu kleine Baugebiete sind in der Erschließung nicht wirtschaftlich“, warnt er. Wenn die Bauplätze dadurch teurer würden, hätten die Familien nichts davon. Hier sieht Metzulat die Stadt in der Pflicht, entsprechend zu investieren.

Die Sporthalle nennt Metzulat auf Anfrage ebenfalls als dringende Anschaffung, die er möglichst bald verwirklichen möchte. „Die Sporthalle brauchen wir“, findet ebenso der Amtsinhaber. Geduld sei aber gefragt. Viele große Investitionen stünden in den nächsten Jahren an, „die niedrigen Zinsen dürfen uns nicht dazu verleiten, in die Schuldenfalle zu tappen“.

In Sachen Hesse-Bahn sind sich beide einig: Malmsheim darf nicht abgehängt werden. Während Wolfgang Faißt sich aktiv für eine Verlängerung der S 6 bis Calw einsetzt, ist dieser Zug in Metzulats Augen bereits abgefahren. „Das werden wir nie bekommen“, glaubt er. Stattdessen möchte er sich dafür stark machen, dass auch Malms­heim von der Hesse-Bahn angefahren wird – nur möglichst nicht mit Dieselloks.

Raisch und Epple meist außen vor

Die Kandidaten Raisch und Epple werden in den großen Fragerunden meist außen vor gelassen. Ihren Standpunkt können beide dennoch ausreichend darlegen. Ulrich Raisch, Musiker und Pädagoge aus Stuttgart, stellt gleich klar: Er gehe davon aus, dass der Amtsinhaber erneut gewinnen wird. Er trete dennoch an – für alle Wähler, die ihr Vertrauen in ihn setzen.

Diese sollten ihn nicht an konkreten Vorhaben messen, sagt er, sondern an seinen Prinzipien. Mit ihnen will er Renningen „in eine Mustergemeinde verwandeln“. Klare Ansagen gibt es von Helmut Epple. Vor allem müsse mehr „Action“ sein, wenn es darum gehe, sich für die Belange der Stadt einzusetzen. Das Land zu verklagen und Abgeordneten auf die Füße zu treten, ist seine Problemlösungsstrategie für vieles. Außerdem will der Weissacher mehr Sicherheit erreichen. Unter anderem sollten Baugebiete schneller eine Straßenbeleuchtung erhalten, sagt er, weil Frauen sich nachts nicht sicher fühlten, wenn überall Flüchtlinge unterwegs seien. Vom Publikum gab’s dafür die Quittung in Form von lauten Protest- und Buhrufen.