Kein Lieferservice, sondern 170 fleißige Helfer kochen jeden Tag in der Mensa. Die Hälfte von ihnen sind Senioren, zum Beispiel die 79-jährige Helga Elbers.

Renningen - Schnell noch eine Butterbrezel für die kurze Pause, bis die große Klingel läutet. Die Mensa leert sich sofort, und die fleißigen Helfer in der Küche haben ihr Reich wieder für sich. Hackfleisch braten, Gemüse schnippeln, bis zur Mittagspause ist es nicht mehr lang hin. Mittendrin sind es ganz erfahrene Köche, die sich um die Mittagsverköstigung von etwa 250 bis 400 hungrigen Schülern und Lehrern kümmern. „Kochen macht schließlich Spaß“, sagt Helga Elbers.

Immerhin schon 79 Jahre alt ist sie, aber dass sie sich ehrenamtlich im Koch-Team der Renninger Mensa engagiert, ist für sie selbstverständlich. „Hier ist zwar manchmal schon ein mords Krach – aber es macht mir einfach Spaß, dass ich hier unter Leuten bin“, sagt die rüstige Rentnerin und strahlt übers ganze Gesicht. 170 ehrenamtliche Helfer gibt es an der Mensa in Renningen – und fast die Hälfte von ihnen hat das Rentenalter schon überschritten.

Senioren bleiben kontinuierlich dabei

Ilse Mandel und Waltraud Pfitzenmaier waren 2004 in der Vorgänger-Mensa die beiden Kochoma-Vorreiterinnen. „Unsere Senioren sind unsere Basis“, stellt Martina Wössner zufrieden fest. „Denn die bleiben kontinuierlich dabei.“ Wössner ist die Leiterin und einzige hauptamtliche Kraft in der Mensa. Salat putzen, Nudeln kochen, Getränke bereitstellen – in zwei Schichten sind hier sonst nur Ehrenamtler am Werk, acht bis zehn Leute pro Tag, im Moment unter ihnen Helga Elbers. Das Brot für die Lasagne schneidet sie gerade, denn diese italienische Spezialität gibt es heute. Was die ältere Dame sichtlich freut.

„Italienisch, österreichisch, bayerisch, das ist die Küche, die mir zusagt“, erzählt sie und wer genau horcht, der hört das ganz leicht rollende R. Denn in Bayern, in der Oberpfalz bei Regensburg, ist sie vor 79 Jahren auf die Welt gekommen, aufgewachsen und zur Schule gegangen. „Ich hab’ also Migrationshintergrund“, sagt sie und muss lachen. Wirtschaftlich lief es zu der Zeit nicht so glänzend in Ostbayern und so ist die junge Helga im Jahr 1957 einer Stellenanzeige der Stuttgarter Oberpostdirektion gefolgt.

So kam sie zu den Schwaben. „Spätzle koch’ ich aber trotzdem nicht“, berichtet sie und muss wieder an die Arbeit. Hier, in der Renninger Mensa, macht das aber nichts, ein ganzes Team arbeitet mit der Chefin Martina Wössner zusammen, damit pünktlich um 12 Uhr alles fertig ist. Da kann dann schon mal Stress aufkommen, oder? „Nö, eigentlich nicht“, sagt Helga Elbers und schüttelt mit dem Kopf. Und auch Martina Wössner bestätigt: „Die älteren Herrschaften bringen hier eine Gelassenheit rein, die haben ja schon so viel miterlebt.“

Aktiv im Ruhestand

Umhauen kann Helga Elbers jedenfalls nichts so schnell. 27 Jahre lang bis zu dessen Schließung 1994 war sie im Büro des Bremsbelag-Herstellers Energit beschäftigt, so kam sie schließlich nach Renningen. „Ich hatte den ganzen Tag gearbeitet und gleichzeitig eine Tochter großgezogen“, sagt sie. An ehrenamtliches Engagement war zu dieser Zeit nicht zu denken. Dafür ist sie aber jetzt im Ruhestand umso aktiver und umtriebiger.

Seit die Renninger Mensa im Jahr 2007 gebaut wurde, steht sie hier mindestens drei Mal im Monat in der Küche oder an der Essensausgabe. Denn vor allem die Jugendlichen liegen ihr am Herzen. „Es gibt sehr viele nette Schüler“, hat sie festgestellt – und so blickt sie über manche Flegelei gelassen hinweg. „Wenn ich bei der Ausgabe ‚Bitte sehr‘ sage, dann kommt auch ein ‚Dankeschön‘ zurück“, erklärt Helga Elbers ihre Pädagogik. Denn in Renningen versuchen sie und ihre Kollegen, die Schüler nicht nur abzuspeisen, sondern sie auch in die Manieren einzuführen. „Und dann sind speziell die Senioren natürlich tolle Vorbilder“, sagt Mensa-Chefin Martina Wössner.

Allmählich ist das Essen fertig, die Lasagne gart im Ofen. Und der Blick richtet sich schon auf die nächsten Speisepläne – auch da ist die Erfahrung der Senioren gefragt. Ob dann irgendwann Schweinefilet mit Sahnesoße und Couscous – eines der Lieblingsgerichte von Helga Elbers – auf dem Plan steht? „Kochen ist so eine kreative Tätigkeit“, sagt sie, klar, dass sie da regelmäßig ausprobiert, mit Gewürzen experimentiert und Neues testet. Mit einem Ofengericht jedenfalls hatte sie schon Erfolg, das gibt es regelmäßig. Und wenn, dann ist auf dem Speiseplan der Renninger Mensa natürlich „Gemüseauflauf à la Helga“ zu lesen.

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