Renningen Eine Freundschaft nicht nur zur Weihnachtszeit

Von Brunhilde Arnold 

Sie könnten unterschiedlicher kaum sein und sind dennoch seit Langem befreundet – Pfarrer Franz Pitzal und Musiker Tony Marshall. Der Künstler unterhielt an Weihnachten ein großes Publikum beim Abendlob an der Malmsheimer Krippe.

Enge Freundschaft: Pfarrer Franz Pitzal und Sänger Tony Marshall kennen sich seit vier Jahrzehnten. Foto:  
Enge Freundschaft: Pfarrer Franz Pitzal und Sänger Tony Marshall kennen sich seit vier Jahrzehnten. Foto:  

Renningen - Zwei Kumpels an der Imbissbude – ein fast schon klischeehafter Anblick zweier miteinander vertrauter Menschen. Vor der Martinuskirche in Malmsheim, am Würstchenstand der Polizei, bietet sich den Besuchern der überregional bekannten Krippe eben dieses Bild. Die zwei Freunde, der Seelsorger Franz Pitzal und der Sänger Tony Marshall, stärken sich draußen noch rasch mit Deftigem, während Hunderte von Besuchern am Mittwochabend drinnen im Gotteshaus auf der Jagd nach den letzten Sitzplätzen sind.

Der bekannte Musiker scherzt schon vor dem Konzert mit seinen Fans. Der Seelsorger hält sich zurück, überlässt dem Freund die Bühne. „Ich bin der Fröhlichmacher der Nation“, ruft der spürbar gut gelaunte Marshall mit der raumgreifenden Stimme den Menschen zu, die in strömendem Regen darauf warten, ebenfalls an heiße Würstchen zu kommen. Seit vielen Jahren schon ist der ausgebildete Opernsänger aus Baden-Baden zu Weihnachten an der Krippe mit dabei. „Nur ein einziges Mal, vor zwei oder drei Jahren, konnten wir wegen starker Schneefälle nicht anreisen,“ so Marshall. „Die Kirche ist immer rappelvoll, wenn er hier ist“, sagt Pfarrer Pitzal, und ein wenig Stolz auf den Freund schwingt in seiner Stimme mit.

Warum kommt der Künstler, der mit vielen seiner Lieder in den Hitparaden landete, immer wieder nach Malms­heim? Was verbindet die beiden Männer? „Eine aufrichtige Freundschaft“, sagt Marshall. Pitzal nickt bekräftigend und ergänzt: „Wir stehen in ständigem Kontakt.“

Kennengelernt haben sie sich vor vier Jahrzehnten im Bayrischen Wald. Seitdem ist ihre Freundschaft gewachsen. Sie sehen sich nicht nur einmal im Jahr an der Krippe, sondern immer wieder auch bei anderen Anlässen und gegenseitigen Besuchen. Als Tony Marshalls Mutter Bertha mit 92 Jahren starb, hielt Pfarrer Pitzal an ihrem Grab einen Gottesdienst. „Das war einmalig“, sagt der Sänger aus dem Badischen, der bürgerlich Herbert Anton Hilger heißt. Seine Mutter Bertha hat schon vor über vierzig Jahren in der Malmsheimer Kirche gesungen, lange bevor es die Krippe in der heutigen Form gab.

Zwar sind der Seelsorger Pitzal und der Sänger Marshall äußerlich und im Auftreten recht unterschiedlich. Doch die beiden etwa gleichaltrigen Männer über Siebzig verbindet ihr leidenschaftlicher Einsatz für andere Menschen. Während Franz Pitzal für sein Engagement für die Ärmsten in aller Welt bekannt ist, hat Tony Marshall eine nach ihm benannte Stiftung eingerichtet, mit der er gemeinsam mit seiner Tochter Stella Menschen mit Behinderung im Land unterstützt. „Franz Pitzal versucht, überall zu helfen,“ beschreibt Marshall den Renninger. „Ich bin sehr stolz, einer seiner Freunde zu sein.“ Und auch von sich selbst sagt der Sänger, dass er eine besondere Mission habe: „Ich möchte anderen Menschen Freude machen.“

Dies gelingt ihm wieder hervorragend beim Konzert in Malmsheim, bei dem nach ihm auch noch der Renninger Sänger Peter Michael auftritt. Marshall hat den 25-Jährigen und dessen Talent entdeckt. Mit gewaltigem Stimmvolumen und breitem Repertoire von „Süßer die Glocken nie klingen“ über „Oh happy Day“ bis hin zu „Auch mit siebzig kann man noch träumen“ spricht Marshall sein Publikum an. Die Menschen singen mit, klatschen begeistert Beifall und schunkeln sogar.

Eine graugelockte Dame in einer der vorderen Reihen hält mit ihrem Smartphone den Auftritt des Künstlers fest. Besonders angetan sind die Zuhörer am Mittwochabend von einem neuen Lied, das Marshall dem verstorbenen südafrikanischen Freiheitskämpfer und Politiker Nelson Mandela widmete. „Du sollst das Leben lieben, so heißt das elfte Gebot“, lautet der Titel, und mit einem Seitenblick auf seinen Freund Pitzal betont Tony Marshall: „Der Franz hat auch gesagt, mach das.“




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