Renningen Innovationen fangen manchmal mit einem Trick an

Von Ulrike Otto 

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Clemens Binninger besucht das Forschungszentrum von Bosch.

Besuch in der Bosch-Forschungszentrale in Malmsheim: Clemens Binninger und Sabine Kurtz (von links). Foto: factum/Bach 9 Bilder
Besuch in der Bosch-Forschungszentrale in Malmsheim: Clemens Binninger und Sabine Kurtz (von links). Foto: factum/Bach

Renningen - Zehn Jahre danach kann man ruhig einmal aus dem Nähkästchen plaudern. „Wir haben damals vorgegeben, wir planen hier ein Jugendlager“, erzählt Christian Deplewski. „Wir sind hier mit einem Wagen rumgefahren mit passenden Aufklebern, Fahnen, et cetera.“ Das war 2007 und „hier“ ist das Flugplatzgelände in Malmsheim – wo jetzt das Forschungszentrum von Bosch steht. Damals war der Ruheständler Deplewski noch beim Technologiekonzern und dort zuständig für die Immobilien.

Dass hier am Waldrand nun 1400 Forscher an Innovationen tüfteln, daran hat auch Clemens Binninger mitgewirkt. Als CDU-Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis war er für den Konzern ein wichtiger Ansprechpartner in Berlin – denn immerhin gehörte das Gelände dem Bund. „Wir brauchten damals ein schnelles Okay“, erinnert sich Binninger, der das Forschungszentrum bei seiner Sommerreise besuchte. „Ich konnte leider nicht zur offiziellen Eröffnung mit Kanzlerin Angela Merkel kommen. Deswegen haben wir diesen Termin vereinbart“, erklärt er.

Vollendet ist der Forschungscampus noch nicht ganz

Dabei ist auch die CDU-Landtagsabgeordnete Sabine Kurtz. Gekommen sind ebenso der Renninger Bürgermeister Wolfgang Faißt (Freie Wähler) sowie der CDU-Fraktionschef im Rat, Peter Weiß, und Arno Pfleghar, Chef des Stadtverbandes der Christdemokraten. „2007 haben wir mit der Planung begonnen, 2012 mit dem Bau. Und im September 2014 konnten schon die ersten Mitarbeiter einziehen“, berichtet Albrecht Fischer, der Nachfolger Deplewskis als Chef der Abteilung Anlagen und Bauen. Vollendet ist der Bosch-Campus noch nicht. Gerade werden die letzten drei Stockwerke im Hochaus ausgebaut. Dort soll künftig für den Bereich Multimedia getüftelt werden. Auch eines der Nebengebäude soll erweitert werden. Und für die Zukunft sind noch Flächen vorgesehen, falls weiterer Bedarf besteht.

Nach einem kurzen Besuch auf „Plattform 12“, dem „Spielzimmer für Erwachsene“, in dem die klugen Köpfe ihrer Kreativität freien Lauf lassen können, geht es auf die große Terrasse im sechsten Stock. Hier öffnet sich der Blick auf die Nebengebäude und den restlichen Flugplatz. „Sobald bekannt war, es gibt einen Investor für das Areal, ist die Bundeswehr plötzlich hier wieder geflogen, was sie jahrelang nicht getan hat“, erzählt Depleswki. Und wie aufs Stichwort ertönt Rotorenlärm aus der Luft. Zwei Hubschrauber kreisen über dem Gelände und plötzlich sind vier Fallschirme in der Luft. Ob Amerikaner oder Deutsche hier üben? „Man weiß nicht, welche Standortentscheidung die US-Streitkräfte in Zukunft treffen werden“, meint Binninger. Doch ein Ersatz für den Malmsheimer Flugplatz wird gesucht. „Nach unseren Informationen überlegt das Land derzeit, einen alternativen Landeplatz beim Ihinger Hof anzubieten“, berichtet der Renninger Schultes Faißt.

Tischkicker, Kaffeekränzchen oder Besprechung

Fitness-Studio, Mitarbeiter-Restaurant – nein, das heißt hier nicht Kantine –, Büros, Labors, sogar einen Blick ins Reinhaus dürfen die Besucher werfen, wo die Luft von Partikeln gereinigt wird für besonders empfindliche Projekte.

Auch zu einer Runde Tischkicker sind die Politiker eingeladen. Die stehen in den sogenannten Kommunikationsräumen, die gleichzeitig Platz sind für Küche und Kaffeekränzchen, für Pausen, um den Kopf frei zu bekommen, oder für informelle Gespräche unter Kollegen. „Auf dem Gelände gibt es acht davon, außerdem 210 Besprechungszimmer“, erklärt Rainer Weller, der Standort-Verantwortliche.

Da wird selbst den debattenerprobten Politikern kurz schwindelig. „Wir wollen weg von der Hierarchie, hin zu einer Projektkultur“, erklärt Albrecht Fischer von Bosch. Und dazu gehören Besprechungen in kleinen wie großen Gruppen. „Es war wichtig zu sehen, was wir vor zehn Jahren angezettelt haben. Der Campus ist auf jeden Fall beeindruckend“, meint der CDU-Mann Binninger. „Vielleicht kann man auch erst in zehn Jahren ermessen, welche Bedeutung der Standort für die Region hat.“