Der Renninger Pfarrer Franz Pitzal ist wieder in Höchstform. Wenn er die Bürgermeister aus dem Altkreis Leonberg empfängt, spart er nicht mit flotten Sprüchen voller Tiefgang. Und hat sogar die Presse gelockt, selbst auf die Redekanzel zu steigen.

Renningen - Ja, so ist er, der „Franziskus“ von Renningen. Nie um einen flotten Spruch verlegen, der aber immer Tiefgang hat. Kommunalpolitiker empfängt er gerne, so auch in diesem Jahr die Bürgermeisterriege – die stark ergänzt wird durch die Ex-Amtsinhaber. Und so wurde natürlich gesprochen über die Volksbewegung für das Leonberger Krankenhaus und auch über das „Ertragen der Unerträglichen“, wie es Franz Pitzal nennt.

 

Nein, damit sind nicht die Usurpatoren aus Böblingen gemeint, die den Leonbergern das Krankenhaus wegnehmen wollen. Das Motto ist eigentlich ein Motiv der wie immer prachtvoll ausgebauten Krippe, aber es passt eben auch so schön zur Kommunalpolitik. „Es gibt immer blöde Leute“, sagt Pitzal, „auch in Ihrem Gemeinderat haben Sie doch immer einen Dackel.“

Politisches Familientreffen der Bürgermeister

Da musste der gastgebende Renninger Beigeordnete Peter Müller dann doch schmunzeln. „Wenn ich so etwas sagen würde, da wäre was los“, sagt er lachend. Müller vertritt den erkrankten Bürgermeister Wolfgang Faißt und lobt Pitzal so oft, dass dieser nachher erklärt: „Das hätte nicht sein müssen, dass mein Name so viel vorkommt.“ Aber wir wissen ja, dass es auch nicht streng verboten ist, hier in der Malmsheimer Martinuskirche.

Der Leonberger CDU-Kreistagsfraktionschef Helmut Noë winkt gleich ab, über das Krankenhaus möchte er hier und heute nun wirklich nicht sprechen. Strahlend sind die Gesichter von alten Bekannten. Etwa von Wolfgang Rückert, dem CDU-Urgestein und früheren Finanz-Staatssekretär, der mit dem Böblinger Joghurt-Hersteller Anton Ehrmann bekanntlich die Franz-Pitzal-Stiftung ins Leben gerufen hat – die das Lebenswerk der Renninger Krippe fortführen soll, wenn der Initiator einmal nicht mehr kann oder will. „Ich habe fünf prächtige Enkel“, strahlt Rückert und freut sich, dass er als Vorsitzender der „Vereinigung ehemaliger Landtagsabgeordneter“ doch noch ein wenig Glanz der alten Zeit konservieren kann.

Auch der Altkreis ist mit von der Partie

Eine kurze Begegnung gibt es auch zwischen dem Heimsheimer Bürgermeister Jürgen Troll und der Weissacher Amtskollegin Ursula Kreutel, die aber wirklich kurz ausfällt. Ansonsten sitzt man an getrennten Tischen, Troll hat seinen Vor-Vorgänger Manfred Pfisterer und dessen Frau Christa, die Heimsheimer CDU-Chefin ist, mitgebracht. Kreutel unterhält sich mit vielen alten Bekannten wie Peter Müller oder den ehemaligen Hemminger Amtsinhaber. Der Altkreis lebt, das zeigt sich bei diesem Treffen offensichtlich.

Nicht nur der Gerlinger Schultes Georg Brennner ist da, auch der Hemminger Amtskollege Thomas Schäfer ist mit von der Partie. „Auch wir überlegen uns, was wir für das Leonberger Krankenhaus tun können“, sagt er unverwunden. So sitzt man später noch im katholischen Gemeindehaus zusammen, trinkt das von der Böblinger Schönbuch-Brauerei extra aufgelegte „Renninger-Krippen-Sternenbier“.

Franz Pitzal erweist sich einmal mehr als unterhaltsamer Gastgeber. Sogar der Papst bekommt sein Fett weg: „Bei der Ökumene kennt er sich noch nicht so gut aus.“ Überhaupt, die Kirche habe ja schon „genug Bock“ angerichtet.

Und weil Franz Pitzal so ist, wie er ist, hat er sogar die Presse aufs Rednerpult gebracht und den Autoren dieser Zeilen ermutigt, zu den Bürgermeistern über das Verhältnis zur Presse zu sprechen. Das Verhältnis zwischen erster und vierter Gewalt war danach aber immer noch gut, sodass man am Ende noch ein Sternenbier zusammen geköpft hat. Franz Pitzal schafft es eben, alle Grenzen zu überwinden.