Renningen Jetzt wartet das „normale“ Leben

Von Nathalie Mainka 

Hanna Philippin aus Malmsheim setzt einen Schlussstrich unter ihre Leistungssport-Karriere. In Worms beginnt sie ein Studium.

Die Weltmeisterschaften   in Hamburg 2016  zählt          Hanna  Philippin  zu       ihren    schönsten  sportlichen    Momenten  –   sie    gewann  mit der    Mixed-Mannschaft  Bronze. Foto: DTU/Jo Kleindl
Die Weltmeisterschaften in Hamburg 2016 zählt Hanna Philippin zu ihren schönsten sportlichen Momenten – sie gewann mit der Mixed-Mannschaft Bronze. Foto: DTU/Jo Kleindl

Renningen - Jetzt ist es amtlich. Hanna Philippin hat ihre Leistungssport-Karriere beendet und ihren Rücktritt aus der Triathlon-Nationalmannschaft erklärt. „Ich habe schon länger mit dem Gedanken gespielt und mir diesen Schritt sehr gut überlegt“, sagt die 25-Jährige aus Malms­heim, die lange in Saarbrücken lebte und kürzlich nach Worms umgezogen ist. Dort beginnt sie im Oktober nicht nur ihr Studium „Tourismus und Travel Management“, sondern auch einen neuen Lebensabschnitt. „Darauf freue ich mich.“

Noch im Sommer ist Hanna Philippin guten Mutes gewesen, dass sie nach einer ausgestandenen langwierigen Fußverletzung und der wieder gewonnenen Motivation noch einmal zu ihrer Form zurückfinden kann. Nach dem Rücktritt ihres bisherigen Verbandstrainers Dan Lorang hatte sie mit ihrer besten Freundin Carina Brechters einen neuen Coach gefunden. Das Trainings lief immer besser, Philippin hatte wieder Spaß. Der war ihr im vergangenen Jahr nach einigen sportlichen Tiefpunkten abhanden gekommen. Und als sie die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro verpasste, spielte sie bereits mit den Gedanken, aufzuhören.

Platz sechs bei nationalen Titelkämpfen

Doch sie kämpfte sich aus diesem Tief heraus und wollte es noch einmal wissen. Die Triathletin startete zuletzt bei den deutschen Meisterschaften in Grimma und landete auf dem sechsten Platz. „Das war nach meiner Verletzung in Ordnung, ich wusste, dass ich noch nicht mit der Spitze würde mithalten können“, sagt Philippin rückblickend.

Doch bereits im Ziel verdrückte sie einige Tränen, insgeheim spürte sie, dass dies ihr letztes Rennen als Profi-Sportlerin sein würde. „Als es zu Beginn des Jahres mit dem Training wieder gut lief, merkte ich schon, dass ich es nicht mehr will. Vor allem habe ich die Reisen in die Trainingslager und zu den internationalen Wettkämpfen, die zu meinem Alltag gehörten, überhaupt nicht vermisst.“ Also teilte sie ihren Entschluss den Verantwortlichen der Deutschen Triathlon Union (DTU) mit. „Der olympische Triathlon verliert mit Hanna eine talentierte und erfolgreiche Athletin“, sagt DTU-Sportdirektor Jörg Bügner. „In der kurzen Dauer unserer Zusammenarbeit habe ich sie als starke und selbstbewusste Persönlichkeit kennengelernt. Deshalb mache ich mir um ihre Zukunft keine Sorgen“, so Bügner weiter.

Trainingspensum wird heruntergefahren

Hanna Philippin wird es genießen, neben ihrem Studium „ohne Druck meinen Sport machen zu können.“ Abrupt darf sie als Leistungssportlerin ohnehin nicht aufhören, weil ihr Herzkreislaufsystem Schaden nehmen könnte. Das Trainingspensum wird sie sukzessiv herunterfahren. „ Meine tolle Zeit als Triathletin möchte ich nicht missen“, sagt sie. Es sei eine Zeit voller Freude, Emotionen, Erfolge, Tränen und auch Schmerzen gewesen.

Ihr schlimmstes Erlebnis sei im vergangenen Jahr der Rad-Massensturz bei der Olympia-Qualifikation in Abu Dhabi gewesen. „Wenn der nicht gewesen wäre, hätte ich mit Sicherheit das Ticket für Rio lösen können.“ Einer ihrer schönsten Momente – die Junioren-Europameisterschaft 2011 in Peking , wo sie Dritte wurde. „Das war mein erster großer internationaler Erfolg, einfach unbeschreiblich.“ Und auch die Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr in Hamburg, wo sie mit der gemischten Staffel ebenfalls Bronze gewann, zählt sie zu ihren sportlichen Höhepunkten. Allein die Olympischen Spiele werden ein Traum bleiben. „Da trauer ich schon ein bisschen hinterher, aber die nächsten wären erst in drei Jahren gewesen.“ Und so lange wollte sie nicht mehr „nur“ Sportlerin sein. Jetzt freut sich Hanna Philippin auf ihre neue Herausforderung.

Erste Titel
Ihren ersten großen Erfolg im Triathlon feierte Hanna Philippin im Jahr 2007. Die damals 15-Jährige sicherte sich bei den B-Jugendlichen den Titel der Deutschen Meisterin. 2008 wurde sie dann auch Deutsche Meisterin im Duathlon.