Im Bahnhof könnte es eng werden, wenn künftig die Hermann-Hesse-Bahn dort hält.

Lokales: Thomas Durchdenwald (dud)

Renningen - Die Stellungnahme zu baulichen Veränderungen im Bahnhof Renningen für die Hermann-Hesse-Bahn hat der Planungs- wie zuvor schon der Verkehrsausschuss der Regionalversammlung mit der Forderung verbunden, dass die neue Zugverbindung zwischen Calw und Renningen nicht zu Verspätungen im S-Bahnnetz führen dürfe.

Der Freie-Wähler-Regionalrat und Bürgermeister von Holzgerlingen, Winfried Dölker, brachte sogar juristische Schritte ins Gespräch. „Wenn durch einen Stresstest nicht nachgewiesen werden kann, dass es keine Auswirkungen auf die S-Bahn im 15-Minuten-Takt gibt, sollten wir uns eine Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss vorbehalten“, sagte er. Dies wurde von den anderen Fraktionen aber zurückgewiesen. „Wir sind keine Verhinderer von Nahverkehr“, sagte der SPD-Fraktionschef Harald Raß. Die SPD habe kein Problem mit der Hesse-Bahn, wenn die S-Bahn Vorrang habe.

Das Problem liegt in der eingleisigen Strecke zwischen Weil der Stadt und Renningen, die bisher nur von der elektrifizierten S 6 befahren wird, künftig aber auch von den Dieselzügen der Hesse-Bahn. Dieser Mischbetrieb ist der Region ein Dorn im Auge, allerdings lohne sich die Hesse-Bahn nur dann wirtschaftlich, wenn sie nicht nur bis Weil der Stadt, sondern bis nach Renningen fährt. Der Verband Region Stuttgart befürwortet eine S-Bahn bis nach Calw, was aber vom Landkreis abgelehnt wird.

„Darauf müssen wir bestehen“

Ein Stufenkonzept soll ermöglichen, noch während der Planungsphase auf die S-Bahn-Lösung wechseln zu können. Darauf hat Regionaldirektorin Nicola Schelling in ihrer Haushaltsrede hingewiesen. „Auf den betrieblichen Vorrang der S-Bahn vor der Hesse-Bahn müssen wir bestehen.“

Wie kompliziert die Lage ist, verdeutlicht die Detailplanung für den Bahnhof Renningen. Für die Hesse-Bahn wird dort ein 185 Meter langes Außengleis mit einem 55 Meter langen Bahnsteig gebaut. Zum S-Bahnsteig kommen die Fahrgäste durch die Unterführung.

Der aus Calw kommende Zug muss das Gegengleis queren, um den Bahnsteig zu erreichen. Das könnte dazu führen, dass selbst eine leicht verspätete Hesse-Bahn zuerst die S 6 aus Weil der Stadt und dann den in Richtung Endstation fahrenden S-Bahn-Zug blockieren würde. Deshalb empfiehlt die Region eine andere Einfädelung und pocht auf eine schriftliche Erklärung des Kreises Calw für den Vorrang der S-Bahn.

„Es ist für Anwohner nicht nachvollziehbar, dass hier parallel Dieselzüge und S-Bahnen fahren“, sagte der CDU-Regionalrat Rainer Ganske. „Kein vernünftiger Mensch fährt mit dem Dieselzug nach Renningen, um dort nach 300 Meter Fußweg in die S-Bahn umzusteigen, wenn er sie in Weil der Stadt nach 30 Metern erreicht“, sagte Dölker. Das sahen Grüne und SPD anders: Wer mit der S 60 weiter wolle, werde nur einmal umsteigen – in Renningen.

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