Renningen/Weil der Stadt Regionalräte zur Hesse-Bahn: Die Zweifel bleiben

Hier bei Calw soll die Hesse-Bahn einmal fahren. Foto: LKZ-Archiv
Hier bei Calw soll die Hesse-Bahn einmal fahren. Foto: LKZ-Archiv

Zwar tragen Regionalräte aller Fraktionen den Kompromiss zur Hesse-Bahn mit, doch sie pochen vehement darauf, dass die Chance auf eine Verlängerung der S-Bahnlinie 6 bis nach Calw genutzt wird.

Lokales: Thomas Durchdenwald (dud)

Renningen/Weil der Stadt - Eigentlich war die Sitzung des regionalen Verkehrsausschusses am Mittwochabend schon so gut wie beendet, dann aber sorgte unter dem Punkt Verschiedenes ein Bericht der Regionaldirektorin Nicola Schelling zum in der vergangenen Woche gefundenen Kompromiss für die Hesse-Bahn noch einmal für eine heftige Debatte. Fazit: zwar tragen Regionalräte aller Fraktionen die Einigung mit, doch sie pochen vehement darauf, dass die Chance auf eine Verlängerung der S-Bahnlinie 6 bis nach Calw genutzt wird.

Der als erste Stufe von 2018 an vorgesehene Betrieb der Hesse-Bahn von Calw über Weil der Stadt bis Renningen mit Dieselzügen stößt in dem Gremium nach wie vor auf wenig Gegenliebe – auch wenn der Vorrang der S-Bahn auf dem gemeinsam genutzten eingleisigen Streckenabschnitt zwischen Renningen und Weil der Stadt festgeschrieben ist. Als zweite Stufe, die bis 2028 realisiert sein soll, ist entweder der Einsatz von Brennstoffzellenfahrzeugen auf der Hesse-Bahn oder die Elektrifizierung der Strecke und Verlängerung der jetzt in Weil der Stadt endenden S 6 bis Calw geplant.

Kompromiss kommt bei allen an

„Dieses Stufenmodell ist ein Kompromiss, es findet aber bei allen Beteiligten großen Anklang“, sagte Schelling. Sie kündigte an, dass die Region gemeinsam mit dem Land und den Kreisen Böblingen und Calw nun so rasch wie möglich mit einer „vertieften Planung“ für einen S-Bahn-Betrieb auf der Gesamtstrecke beginnen wolle. „Unser Ziel ist es, die S-Bahn über Weil der Stadt nach Calw zu führen“, sagte die Regionaldirektorin. Schelling hob hervor, dass es – wie von den Regionalräten gewünscht – keine Nachteile für die S-Bahn aus dem gemeinsamen Betrieb mit der Hesse-Bahn auf dem Streckenabschnitt Weil der Stadt-Renningen geben dürfe. „Beeinträchtigungen der Pünktlichkeit“ müssten ausgeschlossen werden, steht in dem Papier: „Im Fall von Verspätungen hat der S-Bahn-Verkehr betrieblich Vorrang.“

Maier: Weiteres Vorgehen im Nebel

Zwar wurde von allen Fraktionen anerkannt, dass es gelungen sei, den Vorrang der S-Bahn zu verankern. Doch ob die von der Region gewünschte S-6-Verlängerung bis Calw auf dieser Grundlage eine Chance hat, wurde bezweifelt. „Auch wenn das Papier von manchen als Durchbruch gefeiert wird, der Nebel über dem weiteren Vorgehen ist noch ziemlich groß“, sagte der Freie-Wähler Regionalrat Bernhard Maier.

In diesem Sinn äußerte sich auch Rainer Ganske von der CDU. Beide kritisierten den Einsatz der Dieselzüge als nicht zeitgemäß. Spätestens wenn die Hesse-Bahn bis Weil der Stadt gebaut sei, müsse entschieden werden, ob die S 6 bis Calw fahre, forderte Maier. Damit soll die von der Region ungeliebte Doppelbedienung der Strecke Weil der Stadt-Renningen durch Hesse- und S-Bahn doch noch vermieden werden.

Auch der SPD-Regionalrat Thomas Leip­nitz forderte eine rasche Untersuchung der S-Bahn-Option. „Wenn die Dieselzüge in Weil der Stadt wegen der S-Bahn warten müssen, müssen wir bereit sein“, sagte er. Eine etwas andere Sichtweise hat Eva Mannhardt von den Grünen: „Das ist der bestmögliche Kompromiss, der zu erreichen war“, sagte sie, man müsse anerkennen, dass das Land und die Kreise der Region entgegengekommen seien.




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