Renningen Weltrekord made in Malmsheim

Von Michael Schmidt 

Studenten der Uni Stuttgart rasen mit ihrem Elektrorenner in Sachen Beschleunigung lautlos an die Spitze

Von Null auf 100 in 2,7 Sekunden – mit 588 Volt im Nacken. Foto: FACTUM-WEISE
Von Null auf 100 in 2,7 Sekunden – mit 588 Volt im Nacken. Foto: FACTUM-WEISE

Renningen - Mit einem handgebastelten, aber absolut professionellen Rennwagen hat eine Studentengruppe der Uni Stuttgart gestern Nachmittag den Beschleunigungsrekord für Elektroautos aufgestellt. Mit 2,7 Sekunden von Null auf Tempo 100 auf dem Malmsheimer Flugplatz dürfte ihnen der Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde sicher sein. Und das Interesse künftiger Arbeitgeber an der Fachkompetenz der 28 angehenden Ingenieure.

Nico heißt er, 27 Jahre ist er auch. So wie der Werksfahrer namens Rosberg des Mercedes-Formel-1-Teams, mit dem der angehende Autoingenieur Nico Wörsching ansonsten nichts zu tun hat. Außer vielleicht, dass er in seiner Rennkombi samt feuerfester Unterwäsche und Integralhelm gestern Nachmittag auf der Malmsheimer Betonpiste gerade so schwitzte wie am vergangenen Sonntag Herr Rosberg in Hockenheim. Und dass Wörsching gerade so schnell von Null auf 100 ist wie ein Formel-1-Pilot: Mehr oder weniger lautlos – und mit einem Bruchteil des Budgets, welches die großen Rennteams in ihre Entwicklungen stecken. Dennoch hat gerade die „Formel Student“ ihren ganz eigenen Reiz – und nahezu alle namhaften Auto-Hersteller und Zulieferer aus der Region sorgen dafür, dass ihr Sponsorenkleber auf der zierlichen Karosse des Rennwagens prangt. Der besteht aus professioneller Rennsporttechnik und ganz viel Eigenarbeit der künftigen Autoerfinder. „Das Monocoque haben wir selber aus Kohlefaser gebacken“, sagt Edward Eichstetter. Vor einigen Jahren ist der Mitzwanziger bei der Formel Student hängengeblieben. „Unmittelbar mit dem Studium hat das nichts zu tun“, sagt er. „Aber es packt dich dann einfach. Es gab Zeiten, da haben wir 90 Stunden in der Woche für das Projekt gearbeitet.“ Im „Green Team“, welches nach siebenmonatiger Vorbereitung gestern den Weltrekord in Sachen Beschleunigung einfuhr, ist er mittlerweile der technische Leiter. Leonardo Uriona und Lukas Behr leiten gemeinsam mit ihm das Team, wuseln mit ihren Kommilitonen um den Monoposto, der irgendwie zwischen einem Formel-3-Renner und eine Gokart angesiedelt zu sein scheint. Die Performance steckt unter der Haube und braucht sich gegenüber einem herkömmlichen Renner nicht zu verstecken: Zwei Elektromotoren des Kirchheimer Herstellers AMK mit je 60 Kilowatt sind direkt an der Hinterachse angeflanscht. Die Renn­slicks hängen an – ebenfalls Einzelanfertigungen – jeweils 500 Gramm wiegenden Aufhängungen aus feinsten Carbonstreben. Und wenn Nico Wörsching den Hauptschalter umlegt, rauschen 588 Volt durch das Bordnetz. Allein 20 000 Euro kosten die Lithium-Polymer-Akkus, die den Treibstoff für den Rekordversuch liefern.

Entsprechend elektrisiert zeigen sich auch die Hauptsponsoren des Rekordversuches. Ein Bosch-Ingenieur aus Reutlingen betrachtet interessiert die Gesamtkulisse: „Vorne unser Know-How im Einsatz, und hinten entsteht das neue Grundlagen-Forschungszentrum – das passt.“ Er lobt die jungen Rekordfahrer über den Schellenkönig. „Die Atmosphäre hier ist klasse, die Motivation gigantisch. In diesem Umfeld lassen sich auch sonst gerne unsere Vorstände sehen.“ Man will ja wissen, wer im eigenen Haus die Technologie und Mobilität von Morgen mit Begeisterung zu entwickeln versteht.