Renningen Wo das Schnitzel noch hüpft und grunzt

Nichts da mit nur fressen und schlafen: Schweine sind außerdem sehr verspielt, weiß Christian Zimmermann. Foto: factum/Bach
Nichts da mit nur fressen und schlafen: Schweine sind außerdem sehr verspielt, weiß Christian Zimmermann. Foto: factum/Bach

Wer steckt eigentlich hinter dem Hoflädle Zimmermann? Das wird bei der Aktion „Gläserne Produktion“ gelüftet. Bei einem Fest am Sonntag können Besucher den Betrieb besichtigen und einen Blick in das neue Hühnermobil werfen.

Renningen - Bei einem abgepackten Stück Schnitzel im Supermarkt lässt sich heute kaum noch nachvollziehen, wo es eigentlich herkommt. Mit dem Projekt „Gläserne Produktion“ möchte das Landratsamt Böblingen wieder mehr Vertrauen in heimische Landwirtschaftsbetriebe und deren Erzeugnisse schaffen. Die Teilnehmer lassen sich einen Tag lang über die Schulter schauen und präsentieren ihren Hof, ihre Tiere, ihre Haltung und Produktion. Das Hoflädle Zimmermann in Renningen auf dem Hof Lauerhalde beteiligt sich an der Aktion am Sonntag, 10. Juli, in Verbindung mit einem Hoffest.

Die Agraringenieure Christian Zimmermann und seine Frau Gabi haben den Hof im Nordwesten Renningens im Jahr 2006 übernommen und ganz neu gestaltet. Heute halten sie dort vor allem Schweine, Legehennen und Masthähnchen, aber auch drei Ziegen, ein Pony und ein Esel, ein Hund und natürlich einige Katzen und Kaninchen finden sich auf dem Gelände. Während die Zimmermanns die Zahl ihrer Schweine vor zwei Jahren stark reduziert haben – von 120 auf 40 – und nur noch für den eigenen Hofladen produzieren, bekommen die Hühner demnächst noch einmal Zuwachs von rund 200 Tieren. Diese werden dann in einem sogenannten Hühnermobil wohnen.

Mobiles Hühnerhaus

„Derzeit haben wir um die 500 Hühner in Bodenhaltung“, erklärt Christian Zimmermann. Die Neuankömmlinge werden Freilandhühner sein. Das funktioniert so: „Das Hühnermobil kann man sich wie einen Wohnwagen vorstellen“, so Zimmermann. Auf den ersten Blick ist es ein Stall wie jeder andere, nur dass er Räder hat und auf dem Acker abgestellt ist. Tagsüber dürfen die Tiere draußen in einem eingezäunten Bereich herumlaufen, abends geht es wieder nach drinnen. „Die Tür wird von einer Photovoltaikanlage gesteuert und geht morgens von selbst auf und abends wieder zu“, erklärt Christian Zimmermann. „Die Hühner wissen dann schon, wann sie wieder reinmüssen“, ergänzt er schmunzelnd. Der Standort des Mobils wechselt regelmäßig, damit sich der Boden wieder erholt, nachdem die Hühner dort fleißig gescharrt und gepickt haben. Auf dem „Hühneracker“ wächst gerade die Luzerne, eine Kleeart, die sonst als Futtermittel für Kühe verwendet werden kann oder auf dem Acker belassen und gemulcht wird, damit sie dem Boden Nährstoffe zurückgibt. Sobald dort etwas anderes wie Weizen angebaut wird, zieht das Hühnermobil weiter auf den nächsten Luzerne-Acker.

Verzicht auf Chemie

Eine weitere Besonderheit auf den Feldern der Zimmermanns ist der komplette Verzicht auf Chemie sowie der Anbau von Einkorn und Emmer, zwei historischen Getreidesorten – quasi den Vorgängern vom Weizen. Diese werden direkt am Hof verbacken und kommen als Brot und Gebäck in die Auslage des Hofladens.

Den Schweinebetrieb hat die Familie vor etwa zwei Jahren umgestellt. Zehn Tiere kommen nun auf jeweils eine Box und einen Außenbereich, damit sie immer Bewegung haben. „Vorher haben wir auch für Metzger aus der Umgebung produziert, jetzt nur noch für uns“, sagt Christian Zimmermann. „Wir haben das verändert, vor allem, um die Haltung zu verbessern. Wir wollen eine nachhaltige Landwirtschaft, bei der es den Tieren gut geht. Auch die Leute legen darauf immer mehr Wert.“ Es gibt deshalb auch keine laute Lüftungsanlage, im Sommer steht der Stall offen, im Winter gibt es Stoßlüftung. Die Nahrung für die Tiere – für Hühner wie Schweine – kommt komplett aus dem eigenen Anbau.

Hoffest
Das Hoflädle Zimmermann kombiniert die „Gläserne Produktion“ mit einem Hoffest. Am Sonntag können die Besucher von 10 bis 17 Uhr einen unterhaltsamen Tag verbringen. Den Anfang macht ein Festgottesdienst. Für die Verpflegung ist ausreichend gesorgt – unter anderem mit Spanferkel und Leckereien vom Hof und befreundeten Betrieben.
Programm
Den Tag über gibt es ein Kinderprogramm, das Team von „Kamele mit Herz“ aus Gärtringen bietet sogar Kamelreiten an. Zudem können die Besucher Führungen machen, den Schweinestall, die Hühnerställe und das Hühnermobil ansehen und sich alles erklären lassen.



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